«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Jana Adojtschenko,

geb. 1996

 

   Jana wohnt in Nikolajew. Sie studiert an der Uni und erwirbt den Beruf der Englischlehrerin. Nach dem vierten Studienjahr möchte Jana die Ausbildung an einer anderen Hochschule fortführen, weil sie der Meinung ist, dass sie am jetzigen Ort nicht genug Kenntnisse für die künftige Arbeitstätigkeit gewinnt. Deswegen träumt Jana davon, fachbezogene Englischkurse zu absolvieren, wo sie die Fremdsprache tiefer erlernen könnte.
   Jana wohnt mit der Mutter Wiktorija (1975), dem Vater Wladislaw (1967) und dem Bruder Maksim (2003). Daneben hat sie noch enge Verwandte: Das sind Opa Peter (1951), Oma Jewgenija (1950) und Oma Stalina (1938). Obwohl beide Eltern arbeitstätig sind, kriegen sie Löhne, die kaum für die Nahrungsmittel reichen. Auch die Gesundheit der beiden Omas braucht eine ständige medizinische Versorgung. Grossmutter Stalina überstand schon zwei Hirnschläge. Jetzt muss sie blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Und Oma Jewgenija leidet an einer Blasenentzündung, deshalb muss sie sich einer medizinischen Behandlung unterziehen.
   Jana wendet sich an gnadenreiche Spenderinnen und Spender mit der Bitte, Hilfe für die Nöte ihrer Familie zu leisten.



Guter Start ins Leben – gute Leistungen in der Zukunft

Zu Beginn eines neuen Studienjahres lauten die Gratulationen der Lehrer und Beamten an die Kinder überwiegend folgendermassen: „Ihr seid die Zukunft nicht nur eurer Stadt, sondern der ganzen Erde. Mit Millionen von Gleichaltrigen weltweit werdet ihr die Geschichte schreiben. Und es hängt von euch ab, in welche Richtung das Land geht und auf wie viele hoch qualifizierte Fachkräfte eure Heimat stolz sein wird.“ Die jungen Leute glauben voller Enthusiasmus daran, dass alles allein in ihren Kräften liegt und nur sie selbst und niemand sonst die Meister ihres Glücks sind. Doch früher oder später geht die Euphorie der heranwachsenden Generation durch den bitteren Geschmack ihrer eigenen Machtlosigkeit verloren. Und dieses Gefühl wird nur noch stärker, wenn die Teenager sich mit Gleichaltrigen aus Ländern ohne Krieg und Armut vergleichen und sich angesichts von deren Leistungen und Möglichkeiten automatisch zu den Rückständigen zählen. Jana Adojtschenko und Rawel Gaschymow, die Protagonisten der weihnächtlichen Jugendaktion der SOS GERASJUTA Stiftung, sind zwei Teenager aus dem südukrainischen Nikolajew. Wie sie ihr Leben zu meistern versuchen und wie sie sich den Weg in die Zukunft bahnen, beschreiben wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in unserem heutigen Artikel.

Intelligente, seriöse und fleissige Schöne

Diese Worte würden Jana Adojtschenko (geb. 1996), Studentin der Nikolajewer Universität, am besten beschreiben. In einer mittellosen Arbeiterfamilie geboren, träumte Jana immer davon, im sozialen Leben ihrer Stadt mitmachen zu können. Nachdem sie die Weisheit Salomos „Erzieh einen Knaben gemäss seinem Weg; auch wenn er alt wird, wird er nicht davon abweichen“ gelesen hatte, entschied sich Jana, den Beruf der Lehrerin zu wählen. Wie sonst könnte sie den Kindern besser menschliche Werte beibringen? Jana möchte Lehrerin der Fremdsprachen Deutsch und Englisch werden. Die Uni vermittelt den Studierenden nur die Grundkenntnisse, die Basis. Wer ein echter Profi werden will, muss sich selber darum kümmern, um eine gute Qualifikation zu bekommen. Um unterrichten zu dürfen, muss man ein Masterstudium absolvieren. Die Gebühren dafür sind für Janas Familie unermesslich hoch. Die Erziehung der zwei Kinder ist nicht die einzige Sorge der Eltern. Die Gesundheit der kranken und altersschwachen Grosseltern drückt auch schwer auf die Familienausgaben. Oma Stalina hatte zwei Hirnschläge hintereinander. Sollte die 69-jährige Frau keine Medikamente einnehmen, kann ihr Körper den Beschwerden nicht mehr widerstehen. „Für meine Möglichkeiten tue ich alles, aber ich kann leider nicht über meinen Schatten springen! Ohne gute Ausbildung bleiben meine Träume nur Träume. Ich habe viele Vorbilder von jungen Leuten weltweit und möchte so sehnlich Schritt halten, doch diese mehrere „aber“ lassen mich nicht wirklich vorwärts kommen. Und es wäre sehr schade, wenn ich in dieser Situation keine optimale Lösung finde und mein beruflicher Weg nicht weiter geht! Schade, aber ich bin nicht allmächtig!“, gab uns Jana bei der Sammlung von Informationen zu verstehen.


Erstklässlerin Jana, 2003


Jana mit ihren Eltern und Bruder Maksim, 2013


Jana und Maksim spielen mit Hamstern, 2008


Jana heute

Ein Freudenfunke vor der sorgenvollen Finsternis

 Die Geschichte von Rawels Familie lässt sich genau mit diesen Worten einleiten. Sein Vater kümmerte sich nicht um ihn und meldete sich in 14 Jahren erst ein paar Mal bei seinem Sohn. Die ganze Sorgenlast der Erziehung des Jungen liegt auf den Schultern der Mutter Marianna. Es fiel der Frau sehr schwer, das Kind ohne jegliche Unterstützung ganz alleine aufzuziehen. Letztes Jahr lernte die Frau einen netten Mann kennen. Alexander schien alles zu haben, was sie bei ihrem Traummann gerne sehen würde. Er war zuverlässig, höflich, meinte es mit Marianna sehr ernst, behandelte ihren Sohn wie sein eigenes Kind und alle waren sich sicher, dass die Pechsträhne glücklicherweise vorbei war und nur noch erfreuliche und gesegnete Tage kommen würden. Die Idylle sollte aber nicht lange dauern…


Rawel mit seiner Mutter auf dem Lande, Sommer 2015

 Zwei Monate nach der amtlichen Eheschliessung passierte ein grosses Unglück, das in der Familiengeschichte einen tiefen Graben hinterliess. Ein schwerer Autounfall, bei welchem alle Familienmitglieder hätten sterben können. Doch Pawel und die Mutter verschonte das Schicksal, Alexander aber bleibt schwer verletzt mit gelähmtem Unterkörper an Bett und Rollstuhl gefesselt. Keiner weiss, wann der Mann auf die Beine kommt. Vorläufig braucht er mehrere Prozeduren und Medikamente. Marianna, die sich jahrelang für eine unglückliche Frau hielt und sich dann über ihr so kurzfristiges Familienglück freute, erlebt heutzutage kein leichtes Los. Sie hat keine freie Minute, denn niemand sonst übernimmt die Pflege des invaliden Mannes und des Sohnes.


Rawel und seine Mutter, Schulfest 2016

 Rawel musste früh erwachsen werden. Er merkt ganz genau, wann die Mutter überfordert ist und eilt ihr zur Hilfe. Der Junge beschwert sich nicht, dass die Behinderung des Stiefvaters seinen Bestrebungen im Sport und anderen Hobbys im Weg steht. Alle Mittel der Familie werden komplett für Alexanders Behandlung ausgegeben, für Rawels Bildung bleibt kein Geld mehr übrig.


Rawels Eltern heiraten, der noch gesunde Stiefvater vor dem Unfall, Anfang 2017

 „Natürlich würde ich gerne Kenntnisse in der Web-Branche erwerben und vertiefen. Den Programmierern gehört doch die Zukunft! Auch Kampfsport würde ich gerne treiben. Wenn aber auf der einen Waagschale meine eigenen Bestrebungen und Wünsche liegen und auf der anderen das Wohl unseres armen Stiefvaters, neigt sich die Waage automatisch zu Alexanders Gunsten“, so Rawel.


Rawel im Schiffbau-Museum, vor kurzem

   In der Vorweihnachtszeit fühlen sich ganz viele Leute aufgefordert, ein Stückchen ihrer Herzenswärme mit anderen grosszügig zu teilen. Rawel und Jana sind zwei viel versprechende Jugendliche, aber beide wurden zu einem Opfer ihrer Umstände. Würde Jana gefördert, würde die Welt eine hoch kompetente Lehrerin entdecken, die voller Engagement ihr Wissen an die nächste, heranwachsende Generation weiterleiten könnte. Hätte Rawel jemandes starke Hand an seiner Seite, hätte der Junge in Zukunft mehr Chancen auf einen beruflichen Aufstieg sowie die Unterstützung seines behinderten Familienmitglieds. Wollen wir, unsere werten Spenderinnen und Spender, Jana und Rawel im Rahmen der Weinnachts-Sammlung des Jugendprojektes unterstützen und mittels unserer Menschlichkeit ihre Zukunftschancen wesentlich steigen lassen!