«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   



Andrej Chotienko,

geb. 1998

 

   Andrej wohnt bei seinen kranken Grosseltern in der Stadt Nikolajew. Die Grosseltern Nina (1949) und Wladimir (1947) haben mehrere gesundheitliche Probleme. Hörbeschwerden, Cholezystitis und Hypertonie bei Frau Nina und Zuckerkrankheit und Herzprobleme bei Herrn Wladimir rissen ein grosses Loch ins Familienbudget. Ihre Renten waren sehr klein und mussten für Medikamente, Nahrungsmittel und die Zahlung der Nebenkosten verwendet werden. Als Andrej Elektromechanik an einer Fachschule vor Ort studierte, arbeitete seine Mutter Ekaterina (1974) in einer Kurstadt als Hotelfrau und bekam dafür eine kleine Summe, die leider nicht genügte, um die Familie zu versorgen. Es fiel Andrejs mittellosen Verwandten ziemlich schwer, über die Runden zu kommen.
   Dank den gutherzigen Schweizer Gönnern ist das Leben des Jungen leichter geworden. Andrej besorgte die nötigen Präparate für seine Grosseltern und bezahlte die Studiengebühren. Er hat inzwischen das Studium beendet und arbeitet bei einer Firma, wo er kleine Aufgaben erledigt. Andrej äussert allen nicht gleichgültigen Spendern seine Dankbarkeit.




Jeder Mensch ist die ganze Welt

 

Liebe Wohltäterinnen und Wohltäter, so viele Geschichten sind Ihnen während des Bestehens des „Jugendprojekts“ der SOS GERASJUTA Stiftung schon näher gebracht worden, dass Sie eventuell zu mehreren unserer Schützlinge, deren Existenz Sie mit Ihrer Güte verbessern, Nähe verspüren.
   Diesmal präsentieren wir zwei verschiedene Schicksale von zwei Menschen. Das Einzige, was sie verbindet, sind die Nöte ihrer Nächsten, die sie zu teilen versuchen möchten, und die Jugend – die Zeit, in der man am meisten träumt und an die Realisierung der sehnlichsten Wünsche glaubt.

Junge Mutter

Die 4-jährige Kristina, Silvester 2000

   „Bevor du über mich und mein Leben urteilst, ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg. Durchlaufe die Strassen, Berge und Täler. Fühle die Trauer, verarbeite den Verlust der Leute, die gingen. Erlebe den Schmerz, den ich erleben musste, und ertrage die Schmerzen, die mir zugefügt wurden. Durchlaufe die Jahre, durch die ich ging, stolpere über jeden Stein, über den ich gestolpert bin. Stehe immer wieder auf und gehe dieselbe Strecke weiter, genau wie ich es tat. Erst dann kannst du über mich urteilen, warum ich so bin wie ich bin“ – diese Aussage passt haargenau zur Lebensbeschreibung der jungen 20-jährigen Kristina Krawtschenko.
   Als wir Kristina, ihre Tochter Medina (zehn Monate) und Grossmutter Ekaterina (1949) zu Hause zum ersten Mal besuchten, machte alles einen guten Eindruck. Alles deutete auf eine sanfte, freundliche Familienatmosphäre hin. Omas Bruder Sergej (1960) wollte sich am Anfang nicht bemerkbar machen und blieb im anderen Zimmer: Daraus hörte man leise Bewegungen. Medina schlief ruhig im Wagen. Erst einige Minuten später erzählte Kristinas Oma, dass ihr Bruder schwer krank ist und Mundrachenkrebs hat. Die Krankheit ist schonungslos und grausam, der erwachsene Mann wiegt nur noch 33 Kilo! Ungeachtet dessen schuftet er, kehrt Strassen und Höfe.
   Kristina bittet um finanzielle Hilfe für ihn. Sie verdrängt all die traurigen Gedanken über seinen Krankheitsausgang… Es gab schon Todesfälle in ihrem Leben.
   Ihr erster Verlust, der immer noch schmerzt, geschah Anfang der 2000er Jahre. Da ging ihre Mutter aus der Welt. Kristina war zu der damaligen Zeit Schulanfängerin. Den leiblichen Vater kannte das Mädchen nicht. Die Grossmutter Ekaterina übernahm den Vormund und fand nach dem Tod ihrer Tochter ihre Rettung im Glauben. An den Wänden ihrer Behausung hängen Bilder von Heiligen, die die Frau mit Kunstperlen stickt. Als Kristina noch klein war, nahm die Grossmutter sie mit zum Kloster von Potschajew und wollte jede Misere von ihrer lieben Enkelin abwenden.
   Die Ereignisse der drei nachfolgenden Jahre nach Kristinas Schulabschluss kann man mit folgenden Begriffen beschreiben: Universität mit Fachbereich „Psychologie“, grosse Verliebtheit, Geburt eines Kindes und Untreue des Mannes. Alles geschah so schnell und als die kleine Medina die Welt erblickte, konnte es Kristina kaum glauben, dass sie Mutter geworden war. Sie bedauert nicht, dass sie sich den Kinderwunsch früh erfüllt hat. Aber ihre Denkweise änderte sich komplett. Sie begriff, da der Mann sie verlassen hatte, dass sie nun die alleinige Verantwortung hatte und sich nicht nur um die Tochter, sondern auch um die alt werdende Oma und den kranken Opa kümmern musste. Die alte Frau hat Herzbeschwerden, ständige Schwindelattacken und sie leidet an einer Verengung der Gehirngefässe. Mit ihrer Rente als Strassenwärterin kann sie sich kaum etwas gönnen. Kristina ist mittlerweile im Urlaubssemester und braucht dringend Unterstützung.

Kristina und ihre Grossmutter, Schuljahresbeginn 2003

Kristina und ihre Tochter Medina, Sommer 2015

Kristina, Oma Ekaterina, Opa Sergej, neulich

“Ich möchte so sehr, dass meine Nächsten auf mich stolz sein können!”

Der kleine Andrej und Mutter Ekaterina, 2002


 Andrej Chotienko (geb. 1998) stammt aus der Familie eines Militärangehörigen. Die Eltern liessen sich scheiden, als der Junge erst vier Jahre alt war. Die Mutter Ekaterina (Jahrgang 1974) wurde zur einzigen Ernährerin und musste viele Berufe ausüben, um sich und ihrem Sohn eine würdige Existenz zu sichern. Bei jedem Wetter arbeitete sie als Verkäuferin auf dem Markt und zuletzt als Zimmerfrau in einem Kurort. Andrej weiss nicht einmal vom Hörensagen, wie es ist, in einer Familie von nur einem Elternteil grossgezogen zu werden. Denn Mama konnte sich keine ruhige Minute gönnen; sie wurde für ihn deshalb zu einem Vorbild für Fleiss – gerade diesen Charakterzug schätzt er bei den Menschen am meisten. Die vielen Jahre, die er zusammen mit Mama in gemieteten Wohnungen verbrachte und als er oft alleine zu Hause bleiben musste, machten ihn früh erwachsen… Wörter wie Verantwortung und Sorge um die Nächsten sind Andrej nicht fremd.
 Jetzt ist er 16 Jahre alt, und er hat sich für die Fachrichtung „Elektromechanik/ Programmieren“ entschieden. Ausgerechnet die Mutter war jene Person, die ihm, dem 6-jährigen Kind, eines Tages einen Computer schenkte – und dies wurde seine Leidenschaft fürs Leben.
 Was sind seine Jugendträume? Fachmann im Fachbereich Elektromechanik zu werden, einen guten Job zu finden und Mutters Stütze zu sein sowie das Leben seiner Grosseltern, der Rentner, zu erleichtern. Oma Nina (Jahrgang 1949) leidet an Cholezystitis und Hypertonie und trägt ein Hörgerät. Opa Wladimir (Jahrgang 1947) hat die Zuckerkrankheit und beschwert sich über Herzschmerzen.
 Der Studienbeitrag sowie die Werkzeuge müssen selber erworben und aus eigener Tasche finanziert werden. In diesem Studienjahr wird er das Berufspraktikum fertig haben.
 In unserem Gespräch erinnerte er sich plötzlich daran, wie ein junger Vogel einmal aus dem Nest fiel, und er, der damals 8-jährige Junge, ihn hochnahm und zurücklegte. Das junge Geschöpf verliess später sein Nest und verwandelte sich in einen starken Vogel. Wie wichtig ist es, wenn jemand da ist, der den Anstoss geben und einen stützen kann…

Andrej beim Abschluss der 4. Schulklasse, Mai 2007

Andrej und sein kranker Grossvater, 2015

Andrej Chotienko vor kurzem

Kristina Krawtschenko muss alleine ihre Tochter grossziehen. Mit dem winzigen Kindergeld und der kleinen Pensionsrente der kranken Grossmutter lebt ihre Familie von der Hand in den Mund. Für Kristinas Opa Sergej ist jedes Spendengeld überlebenswichtig.
 Andrej Chotienko ist ein vielversprechender junger Mann, der den Nöten seiner Familienangehörigen nicht gleichgültig gegenüber steht und so wie Kristina um Förderung bittet. Wollen wir, liebe Spenderinnen und Spender, diesen bedürftigen jungen Seelen es gönnen, dass sie erhört werden und eine Unterstützung bekommen!