«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   



Andrej Driga

geb. 2000

 

   Andrej kommt aus einer kinderreichen Familie, wo nur die Mutter für sechs Kinder sorgt. Der Vater hat die Familie verlassen und leistet seitdem nur geringe Hilfe. Andrej studiert Elektromechanik an einer Fachschule vor Ort. Sein älterer Bruder Daniil (geb. 1997) ist herzkrank. Für seine Therapie hat die Familie keine Mittel. Auch der jüngere Bruder Andrejs namens Matwej (geb. 2010) ist allergisch und braucht Medikamente. Die Mutter arbeitet viel, aber ihr Verdienst genügt nur für die dringlichsten Rechnungen und schlichtestes Essen. Die Familie kommt nur sehr mühsam über die Runden.
   Andrej bittet die Gönner um finanzielle Unterstützung für seine mittellose kinderreiche Familie.

 



Verlassen, arm, aber viel versprechend

In der Ukraine lässt sich das Leben nur sehr schwierig meistern – steigende weitgehende Arbeitslosigkeit, der Krieg im Osten und immer grössere Anzahl der Menschen zwischen 25-50 Jahren, die bei der ersten Gelegenheit auswandern möchten, die für sich und ihre Familien keine guten Aussichten hier sehen. Man kann so eine Einstellung der mittleren Generation nur ganz gut verstehen – zu allen Zeiten strebten die Leute nach Wohl, Ruhe und Frieden. Viel schwieriger, in ihrem Alltag etwas zu ändern, fällt es noch ziemlich jungen und betagten Personen. Auch wenn sie ihrem Leben eine andere Richtung geben wollen, sind sie bei ihrem besten Willen machtlos und die Opfer der Umstände. Man kann öfters hören: „Die Zukunft gehört den Jugendlichen!“ Ist es aber vernünftig, von ihnen ein schönes „morgen“ zu verlangen, wenn ihr „heute“ sie in die Ecke treibt und die Entwicklung des eigenen Potenzials hindert? Als Beispiel dazu dienen Andrej Driga und Oksana Dudka, zwei 17-Jährigen, deren Geschichten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, hier bekannt geben.


Andrej in der Hauptstadt, der Vater als Fotograf, 2012

Sechs Kinder ohne Vater

Es ist eine riesige Verantwortung, sich sogar für ein Kind in unserer heutigen instabilen Welt zu entscheiden. Mit der Geburt des Babys fühlen sich die Eltern verpflichtet, für einen neuen Menschen mit seinen wachsenden Bedürfnissen zu sorgen. Es kommt aber manchmal so vor, dass irgendwann die Eltern es für unnötig halten, sich um ihre Familien zu kümmern. Überwiegend geht es um die Männer.


Andrej mit den Geschwistern zu Hause, 2006

Wie schmerzhaft es ist, von einem nahe stehenden Verwandten, dem Elternteil, verlassen zu werden, weiss ganz genau Andrej Driga. Ohne Gewissensbisse und Erklärungen begann sein Vater das neue Leben, in dem aber es keinen Platz für die Frau und sechs Kinder gab, die ihn vermissten und seine Erziehung brauchten. Die ganze Sorgenlast für den Nachwuchs lastete sich seitdem alleine auf den Schultern der Mutter. Die Frau ist sehr fleissig und arbeitsam, aber es ist einfach unmöglich, nur mit eigenen bescheidenen Kräften, allen sechs Kindern sorgenfreie Kindheit ohne Armut und Not zu schenken, besonders wenn jemand von ihnen krank ist. In der Familie Driga sind zwei Söhne leidend – Daniil (20 J.a.) und Matwej (7-jähriger). Daniil ist herzkrank und braucht Medikamente, die für ihn leider unerschwinglich sind. Matwej ist ein allergisches Kind, sein Körper braucht stets Medikamente, besonders wenn sich die Krankheit verschärft.


Andrej mit dem Hund unterwegs zum Fluss, 2014

Familie Driga führt ein sehr bescheidenes Leben, muss immer sparen, damit sich die Not nicht so bitter erweist. Etwas verlegen und mit Schmerz in Augen verriet uns der Junge, dass sein Bett kaputt ging. Für ein neues stehen keine Kosten zur Verfügung, so schläft er auf einem gebrochenen. Wie bedauerlich, nicht wahr?
Andrej möchte so schnell wie möglich einen Beruf bekommen und Geld verdienen. Der Junge erlernt Elektromechanik an einer Fachschule. Mit Stolz erzählt er von seinem Glauben an Gott. Er ist der Mutter sehr dankbar dafür, dass sie ihm und seinen fünf Geschwistern die Bibelkenntnisse und Liebe zu dem Schöpfer beigebracht hat. So geht die ganze Familie in die Kirche, wo die Kinder auch begeistert musizieren.
„Ich möchte einen Beruf bekommen und eine Arbeit finden. Schlimm wäre, wenn das Elend mich zwingt, das Studium aufzugeben und irgendwohin zur Baustelle schuften zu gehen. Das möchte ich nicht, aber alleine von unserem Wunsch hängt nicht alles im Leben ab…“, so Andrej.


Andrej im Nikolajewer Zoo, 2013

Talentierte liebeswürdige Schöne

Auf den ersten Blick gewinnt Oksana einen Eindruck eines niedlichen schüchternen Mädchens. Aber hat man mit ihr auch fünf Minuten geredet, stellt man sofort voller Bewunderung fest, wie viel Kraft, Stärke und Ernsthaftigkeit hinter ihrem harmlosen Lächeln steckt. Oksana hat keine Ahnung, wie es ist, einen gemütlichen Feierabend mit den beiden Eltern zu verbringen und ihnen emotional von Rosen und Dörnern vergangenen Tages zu erzählen. Der Vater verliess die Mutter, als das Kind noch zwei J.a. war. Es ist ganz typisch für gelassene Kinder, sich durch etwas auszeichnen zu wollen, um allen, insbesondere dem Vater zu beweisen, dass sie es wert sind, geliebt zu werden, und dass sie keine Verlierer sind.


Oksana beim Besuch der Grosseltern im Dorf, 2003

Oksana war in der Schule eine talentierte Tänzerin. Mit ihrer Tanzgruppe besuchte das Mädchen mehrere Städte des Landes und belegte nicht selten die ersten Plätze. Nach dem Schulabschluss musste Oksana ihre erste auch unangenehme erwachsene Entscheidung treffen – mit dem Tanzen aufzuhören und die Wirtschaft an der Uni zu studieren. Dafür hatte sie eisenfeste Argumentation – mit dem Tanzen kann sie nicht verdienen, die Situation in ihrer Familie muss aber so schnell wie möglich verbessert werden. Als Lösung der Probleme sah Oksana sich selbst und ihre berufliche Kompetenz.


Oksana wird eingeschult, 2006

Die Mutter Tatiana tat dem Mädchen schon immer leid. Einmal von ihrem Mann mit dem Kind auf dem Arm verstossen, traf sie keinen richtigen Mann und bleibt immer noch alleine. Ihr Lohn ist für die Bedürfnisse der Familie wie ein Tropfen auf dem heissen Stein. Ausser für sich selbst und die Tochter zu sorgen, kümmert sich die Frau um ihre Eltern und macht Gedanken an die Tante mit Down-Syndrom. Im Leben von jedem gibt es Raum für Schwierigkeiten und Probleme, aber wenn es zu 100% davon besteht, kann man früher oder später in Depression stürzen oder, was noch schlimmer ist, zusammenbrechen. Und Oksana hat Angst, dass ihre ansonsten heitere und starke Mutter aufgeben wird.


Oksanas Schulabschlussfeier, mit der Mutter im Hof des Stadttheaters, 2017

Die Kinder sind ein fruchtbarer Boden. Was bei ihnen gesät wurde, das wird man dann ernten. Dies betrifft Erziehung und Ideale, die ihnen beigebracht werden und das, wie sie behandelt werden. Unser Team möchte im Rahmen der Kinderaktion darauf hoffen, dass Oksana und Andrej von uns die Samen des Mitleids und Hilfsbereitschafts bekommen und später, wenn sie selber erwachsen genug sind, diese so würdigen Eigenschaften an die anderen gerne verschenken werden. Und es wäre schön, wenn wir, geehrte Spenderinnen und Spender, einmal als Vorbilder dafür gedient zu haben!


Oksana, heute