«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Anna Kozjuba

geb. 1998

 

   Die junge Frau kommt aus Nikolajew. Sie studiert dort und wohnt bei ihren Eltern Viktoria (geb. 1978) und Vladimir (geb. 1974). Anna hat einen jüngeren Bruder Nasar (geb. 2012). Es gibt noch ein Familienmitglied, für das die Familie Verantwortung trägt. Die Rede ist von der Grossmutter Anna (geb. 1956), die an Diabetes leidet.
   Annas Vater verlor seinen Job und kann bisher keine Einkommensquelle finden. Das Familienbudget bildet nur Viktorias Lohn als Kindergartenerzieherin. Die Mittel reichen nur ganz knapp für schlichte Nahrung, Nasars Versorgung mit Schulwaren und um der gesundheitlich schwachen Oma zu helfen.
   Um der Familie behilflich zu sein, suchte sich Anna einen Nebenjob. Aus diesem Grund fehlt sie oft im Unterricht. Die junge Frau bittet gütige Schweizer Wohltäter um jede mögliche Hilfe für Omas Behandlung und ihre Studiengebühren.

  

Den roten Teppich gibt‘s hier nicht

   Die Pläne, Visionen und Träume, die man sich noch als Kind zurechtlegt, sickern öfter in die hintersten Ecken des Bewusstseins, um einem dann im Erwachsenenleben beim Fortkommen zu helfen. Die gedanklich beschrittenen Lebenswege entkommen der harten Realität bisweilen nicht, was zwangsläufig ungeahnte Steilkurven, Stolpersteine und Sackgassen mit sich bringt. Abgesehen von diesen Metaphern wird die jüngere Generation heutzutage nicht selten mit gesundheitlichen Heimsuchungen, Mittellosigkeit und anderen negativen Auswirkungen wie fehlendem sozialem Schutz konfrontiert. Wenn die Hilfe von nirgendwoher zu erwarten ist, müssen Jugendliche den endgültigen Schritt ins Erwachsensein äusserst früh wagen.
   Heute gibt es weltweit unzählige Initiativen und Stipendien zur Unterstützung der begabten, aber minderbemittelten Jugend. Wegen der schwachen Sozialpolitik und des Budgetdefizits sind mehrere Hilfsnetzwerke in der Ukraine unterfinanziert, somit bekommen nur wenige Bedürftige den nötigen Beistand. Mit ziemlich inhaltsverschiedenen, aber gleichermassen ehrgeizigen Geschichten von zwei jungen Leuten – Wladislaw Sheltonoshko und Anna Kozjuba – suchen wir heute Gehör bei Ihnen, sehr geehrte Wohltäterinnen und Wohltäter.

Auch die leiseste Hoffnung verleiht neuen Schwung

   Viele Menschen zerbrechen sich darüber den Kopf, wie sie ihren Nachwuchs aus dem Kinderzimmer oder von draussen hineinlocken und an den Tisch mit den Schulaufgaben bringen können. Anna Kozjuba (geb. 1998) ersparte ihren Eltern dieses Kopfzerbrechen. Sie hatte den Lerndrang mit der Muttermilch aufgesogen und seitdem lagen die Spielzeuge irgendwo versorgt und verstaubt, die Bücher hingegen genossen bei ihr zu jeder Zeit Vorrang.
   Die kindliche Wissbegierde wuchs und wurde zur Begeisterung für die Geisteswissenschaften – Fremdsprachen, Literatur, Geschichte. Die Schullehrer waren sich darin einig: Das Mädchen war hochbegabt und sollte unbedingt eine gute Ausbildung erhalten. Annas Mutter Viktoria (geb. 1978) ist in einem Kindergarten tätig, der Vater Vladimir (geb. 1974) wurde infolge eines Stellenabbaus arbeitslos. Aber worauf würden die liebenden Eltern für ihr Kind nicht verzichten? Alle Ersparnisse wurden gebraucht, um die Studiengebühren fürs erste Jahr zu bezahlen. Dafür durfte Annas Traum in Erfüllung gehen – sie wurde Studentin der Fakultät für internationale Beziehungen!
   


Anna besucht die Kirche am Ostersonntag, Frühling 2017


Frau Kozjuba mit einem Mitstudenten im Unterricht, Jahr 2018

   Wie keine Zweite ist Anna sich über die finanzielle Not ihrer Familie im Klaren. Die anderen Verwandten – der Bruder Nasar (geb. 2012) und die Grossmutter Anna (geb. 1956) – sind auf Versorgung angewiesen. Deswegen bewarb sich die Studentin als Aushilfe bei einer Firma. Seitdem hat Anna somit beide Hände voll zu tun, sie pendelt zwischen Uni und Arbeit, bekommt einen ganz kleinen Lohn und gibt diesen sofort ihren Nächsten weiter. Während sie sich immer mehr Versäumnisse zu Schulden kommen lässt und man ihr schon androht, sie zurückzusetzen, rückt der Beginn des neuen Studienjahres heran. Anna gibt zu, dass sie völlig gestresst und am Ende ihrer Kräfte ist, das über sie schwebende Damoklesschwert der ungewissen Zukunft wirkt total entmutigend auf sie. „Ich verliere den Mut. Mein heissersehnter Traum – das Studium abzuschliessen und den gewünschten Beruf ausüben zu dürfen – ist nun in Gefahr zu scheitern. Ich darfnicht im Geringsten schwach sein, meine Familie braucht mich ja, doch das Studiengeld ist einfach zu hoch…“, offenbart Anna mit Tränen in den Augen.


Anna Kozjuba lässt sich in der Stadtbibliothek fotografieren, von heute

   Trotz der allgemeinen Vorstellung ist Jungsein nur selten die Zeit der Sorglosigkeit. Auch die hellsten jungen Köpfe können unter dem Druck zusammenbrechen und heitere Horizonte für immer aus dem Blick verlieren. Die Blüte ihrer Generation, Wladislaw und Anna, verdienen zweifelsohne ein besseres Schicksal. Es kommt auch auf unser gemeinsames Engagement an, ob sich ihre Schwierigkeiten als nur temporär oder lebensentscheidend herausstellen. Sehr geehrte Gönnerinnen und Gönner! Im Rahmen heutiger Kinderaktion der SOS Gerasjuta Stiftung wurden ihnen die Lebens- und Leidensgeschichten von zwei jungen Leuten zum Lesen angeboten. Anna Kozjuba und Wladislaw Sheltonoshko befinden sich auf rauhen Pfaden zu den Sternen und brauchen unsere Unterstützung!