«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Lilia Ksenik,

geb. 1995

 

   Die Studentin und zukünftige Maschineningenieurin Lilia wohnt in Nikolajew in einem Wohnheim. Sie stammt aus der kleinen Siedlung städtischen Typs Juzhnyj (in der Region Odessa, im Süden der Ukraine), wo ihre Eltern jetzt wohnen.
   Der Mutter Oksana (geb. 1971), Verkäuferin von Beruf, fiel es schwer, zwei Kinder zu versorgen. Der Lohn des Stiefvaters Sergej (Jahrgang 1976), der als Fahrer tätig ist, wird ganz und gar für die Bezahlung der Miete gebraucht – die Eltern haben kein eigenes Zuhause.
   Jetzt wurde vom Staat die Zahl der Studierenden, die das Stipendium bekommen, stark reduziert. In diesem Jahr macht Lilia schon den Master. Sie bekommt nach den neuen Regeln kein Stipendium mehr. Lilia äussert ihren herzlichen Dank für die geleistete materielle Hilfe, die sie das Essen, die Vitamine und Lehrbücher kaufen liess. Leider hat Lilia eine neue Sorge: die Wohnheimmiete wurde deutlich erhöht. Die Eltern schicken der Tochter Geld, aber es reicht nur für das Essen. Lilia fühlt sich gezwungen, sich noch einmal an die Schweizer Spender mit einer Bitte um Hilfe zu wenden.




Jugendliche unterstützt – in die Zukunft investiert

Die Menschen haben gelernt, wie ein Vogel zu fliegen und wie ein Fisch zu schwimmen. Nun bleibt uns nur eins zu beherrschen – menschlich zu sein… Und zu allererst sollen wir unsere Menschlichkeit denjenigen gegenüber zeigen, die es am meisten brauchen, nämlich Kindern, Jugendlichen und den Alten. Im Rahmen der heutigen Kinderaktion möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf zwei junge Schicksale lenken. Lilia Ksenik (geb. 1995) und Jewgenij Tkatschuk (geb. 2002) haben etwas Gemeinsames - das Wohl ihrer Familien liegt den beiden sehr am Herzen. Was die Jugendlichen den Mitarbeitern der „SOS SERASJUTA Stiftung“ über ihr alles andere als sorgloses Leben offenbarten, erfahren Sie, liebe Spenderinnen und Spender, in diesem Artikel!

   
Lilias Abschluss in der Grundschule, Mai 2004

 

Zielstrebige junge Träumerin

   In unserem Land ist das Klischee, dass die Frau in erster Linie eine Hüterin des heimischen Herdes sein und ihr ganzes Leben bewusst der Kindererziehung und -pflege widmen sollte, sehr verbreitet. Inzwischen haben sich viele Frauen der westlichen Welt die Selbstverwirklichung und ihre eigene Laufbahn zum Ziel gesetzt. Was die technischen Berufe betrifft, so gibt es bei uns einen starken Stereotyp, der die „weiblichen“ und „männlichen“ Fachrichtungen vorgibt

   
Lilias Familie macht ein Picknick, Mai 2016

   Lilia Ksenik gelang es aber, sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen. Sie hat die Meinungen über das schwache Geschlecht, und dass der Beruf des Maschineningenieurs für Frauen nicht geeignet ist, für sich selbst nicht akzeptiert. Welche Faktoren waren bei der Auswahl eines so schweren Jobs bei diesem zarten Wesen entscheidend? Erstrangig war für Lilia die Aktualität ihres Berufs auf dem Arbeitsmarkt. Das Einzige, was die höchst leistungsfähige Studentin stark verunsichert, ist die Tatsache, dass ihre Familie aus der unteren Einkommensschicht stammt. Mutter Oksana (1971), die als Verkäuferin tätig ist, und ihr Stiefvater Sergej (1976), Fahrer von Beruf, müssen sehr schwer mit fast keinen freien Tagen arbeiten, um die Ausbildung der Tochter finanzieren zu können. Die nahezu nichtige Entlohnung des Paares muss auch dafür reichen, dem noch studierenden Sohn zu helfen.

   
Schulabschluss, Frühling 2013


   Die Eltern zerreissen sich in tausend Stücke, um eine Möglichkeit zu finden, den Kindern ein bisschen Geld für die Nahrungsmittel zu überweisen. Es tut Lilia weh, dass sie mit ihren Studienausgaben die ohnehin bedürftigen Eltern in zusätzliche Armut treibt. So träumt sie vom Abschluss des achten Semesters, um danach eine Masterzugangsberechtigung bekommen zu können, was sich günstig auf die künftige Arbeitssuche auswirken würde. Unsere Protagonistin hofft, dass sie Wege und Mittel findet, um ihre Eltern finanziell zu fördern, denn sie können kaum ihre Mietwohnung und Nebenkosten bezahlen. Alle oben erwähnten Wünsche und Bestrebungen können so leicht wie eine Kristallvase zerbrechen, und dies nur aufgrund der finanziellen Schwäche der Familie.

   
Lilia heute

 

Von der Angst um nahestehende Person getrieben


   Jewgenij Tkatschuk (bald 15 Jahre) ist der zweite Held unseres Artikels, der schon in seinem so jungen Alter nicht gleichgültig gegenüber den Bedürfnissen seiner Familie bleibt. Seine ganze Kindheit stand er unter der Obhut der Grossmutter Soja (Jahrgang 1952), während seine Eltern Jurij (1976) und Galina (1979) sich abarbeiteten, um die Familie ernähren zu können. Der jahrelange Zeitvertreib mit seiner Oma stärkte das Vertrauen und die zärtliche Liebe zu ihr noch mehr. Gewiss bildete Omas Erziehung beim Jungen nur positive Charakterzüge wie Selbstlosigkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft aus.

   
Der kleine Jewgenij hilft im Gemüsegarten, Sommer 2004

   Als Jewgenij seine Erzählung über die Kinderjahre begann, tauchte sofort ein Lächeln auf seinem Gesicht auf… Der Junge erinnerte sich daran, wie viel Zeit er und seine Oma in ihrem kleinen Sommerhaus verbrachten, wo er im Gemüsegarten gerne mithalf. Oder als sie die einzigartige Gelegenheit bekamen, zusammen ans Meer in die Stadt Jewpatorija (auf der Krim) zu fahren. Und der Junge konnte immer spüren, wie lieb ihn seine Grossmutter hat. Aber allmählich erlosch sein Lächeln.

   
Jewgenij mit der Grossmutter beim Spaziergang, April 2004

Jetzt wird nicht mehr so oft über schöne Momente der Vergangenheit gesprochen, sondern über die schreckliche Erkrankung der Rentnerin – ein Melanom, ein bösartiger Tumor der Pigmentzellen (Hautkrebs). Diese bedrohliche Diagnose verursachte starken Stress bei der Frau, und so wurde sie Opfer von Schwindlern, die die alte Frau übel betrogen und mit Schulden beluden. Jetzt muss die Frau ihre ganze Rente ausgeben, um die hohen Schulden zu tilgen. So vernachlässigt sie ihre so lebenswichtige Behandlung. Als es noch möglich war, wurde sie operiert und einer Chemotherapie unterzogen. Heutzutage ist die Lage der Familie ganz und gar kläglich. Aufgrund des totalen Geldmangels musste die Frau schon zwei Chemotherapien auslassen, ihr weiteres Leben riskierend, während die Erkrankung in ihrem Körper zunimmt…

   
Der Junge reitet Pony in Jewpatorija, Juli 2007


   Dieses Unglück fand seinen Niederschlag auch im Leben von Jewgenij. Früher, als es keine Schulden und Krebserkrankung gab, konnte der Junge einen kostenpflichtigen Englischkurs besuchen. Er begeisterte sich für das Sprachenlernen so sehr, dass er der Beste in der Gruppe war. Nicht nur einmal war er der Erste unter den Fremdsprachenstudenten unter 12 Jahren in der Stadt. Die Lehrer prophezeiten ihm eine grosse Zukunft und wer hätte gedacht, dass der Junge sich einmal gezwungen sieht, seinen Traum zu studieren aufzugeben. Für ihn sind aber Omas Leben und ihre Anwesenheit viel wichtiger als alle Pläne für die Zukunft überhaupt.

   
Jewgenij bei einem Tagesausflug am See, Sommer 2016

   Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und dem Team der „SOS GERASJUTA Stiftung“ gelang es bereits, vielen bedürftigen Familien langersehntes Glück oder Genesung zurückzugeben. So hegen wir auch jetzt die leise Hoffnung, dass es in unseren Kräften steht, zumindest einen kleinen Baustein bei der Verbesserung der Lebensbedingungen der obengenannten Helden beizutragen. Genau sie, die junge Generation, wird das weitere Geschick der ganzen Menschheit, und auf globaler Ebene die Existenz unseres Planeten, bestimmen. Zeigen wir ihnen, dass es in unserer Welt noch Güte und gegenseitige Hilfe gibt, nach denen jeder von uns streben sollte!