«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Iwan Saltykow

geb. 1998

 

   Iwan kommt aus Nikolajew. Hier wohnt er bei seinen Eltern und studiert vor Ort Elektromechanik in einer Fachschule. Seine Mutter Elena (1968) verlor ihren Job als Telefonistin und ist im Moment arbeitslos. Der einzige Ernährer der Familie ist Iwans Vater Viktor (1964), der als Schlosser tätig ist. Leider entspricht sein Lohn nicht den heutigen, immer steigenden Preisen und die Familie hat finanzielle Probleme. Iwan und seine Eltern sorgen für die Grossmutter Nina (1934), die bei ihnen wohnt. Schon seit fünf Jahren ist die betagte Frau gelähmt. Sie leidet an einer Atherosklerose der Gehirngefässe und ist völlig auf Pflege angewiesen. Die Kranke braucht mehrere Medikamente. Auch die Besuche des Arztes, der regelmässig zu ihr kommt, müssen sie vom ohnehin kleinen Familienbudget zahlen. Iwan richtete sein Bittgesuch an die Gönnerinnen und Gönner aus der Schweiz, an seine mittellose Familie irgendeine Spende zu leisten. Die Mittel, die den Jungen aus der Schweiz erreichten, wurden für den Einkauf der Medikamente für die Grossmutter und die Zahlung der wichtigsten Rechnungen aufgebraucht. Das Leben der betagten Frau hängt völlig von den wirksamen Präparaten ab. Aus diesem Grund bittet Iwan die Gönner erneut, die Qualen seiner armen Verwandten zu mildern und dadurch ihr Leben zu verlängern.

 




Familie als die Grundlage der Gesellschaft

 

Manche von uns denken, dass die Jugendlichen schwer zu verstehen sind, sie sind ganz anders, und „so waren wir nicht“. Doch was wissen wir eigentlich über die jüngere Generation? Welche Werte und Tugenden sind für sie am wichtigsten? Wie schätzen sie die Familie? In diesem Artikel werden wir versuchen, auf all diese Fragen ausführliche Antworten zu finden. Damit wir die Lage besser verstehen könnten, möchten wir Sie mit den Geschichten von zwei jungen Seelen namens Iwan Saltykow und Olga Ponomarenko vertraut machen. Etwas vorauseilend sei bemerkt, dass sie die ehrwürdigen Vertreter ihrer Altersstufe sind. Sie sind gänzlich verschieden, sie haben andersartige Charaktere, jeder von ihnen ist Persönlichkeit. Doch es gibt etliches, was sie vereinigt – das ist die Familie. Sowohl für Iwan, als auch für Olga ist die Liebe zu Familie das Bedeutendste.

Iwan, im Hintergrund Blumen, 2005

Flüchtige Kindheit

   Iwan Saltykow (geb. 1998), erinnert sich an die Zeit nach der Matura sehr gut. Das war ein neuer Abschnitt in seinem Leben. Die sorgenfreien Schultage waren vorbei, ihm stand das Erwachsenenleben bevor. Er stand wie im grenzenlosen Feld, und die neue Welt schien ihm fremd und kalt zu sein. Doch in den Rücken wehte der Wind, der ihn unterstützte und folgte an allen seinen Wegen, das war seine Familie. Iwan musste die Entscheidung, von derer seine weitere Zukunft abhängt, in der kürzesten Zeit treffen. Und das hat er ja getan. „Zu mir kam das Verständnis, dass es ohne Ausbildung es schwer wird, meinen eigenen Platz unter der Sonne zu kriegen“ – behauptet der junge Mann. In dem jetzigen Moment studiert er an der Bauhochschule Lehrgang Elektromechanik. Seiner Meinung nach ist das der echte männliche Beruf. Seine Eltern haben ihm beigebracht, dass man sich bemühen muss, um etwas in diesem Leben zu erreichen. Iwan ist überzeugt: Erfolg ist keine Sache des Glücks, es ist das, was man mit harter Arbeit ertrotzt. Grosses Teil seiner Freizeit widmet der Junge dem Sport – er treibt Kraftdreikampf. Das härtet seinen Körper und seinen Charakter ab. Und zu guter Letzt wird die Strebung zum Sieg ihm einmal zunutze kommen.

Iwan mit seiner Mutter und Schwester, 2006

   Es ist kein Geheimnis, dass die Familie die wichtigste Rolle in der Formung der Persönlichkeit spielt. Und Iwan bildet hier keine Ausnahme. Es hat sich so ergeben, dass er relativ früh erwachsen wurde. Als der kleine Bub vier Monate war, musste seine Mama den Mutterschutzurlaub unterbrechen und wieder zur Arbeit gehen, um ein Bisschen Geld zu verdienen, das waren die stürmischen Neunziger. Infolge dessen wurde er am meisten von meiner Oma Nina betreut. Aber die hatte aber schon damals Probleme mit der Gesundheit… Seine Grossmutter ist bettlägerig geworden. Als Iwan 12 Jahre alt war, ist sie unglücklich gefallen, und bekam einen Schenkelbruch. Ihr Onkel hat sie durch die Wohnung bis zum Bett gebracht, und rief die Notfallmediziner an. Die arme Frau hat es schwer übertragen. Seit dem war sie nicht mehr so beweglich. Betrüblicherweise hat die Atherosklerose, an der sie litt, die Verstandesschwäche verursacht. Also sie brauch ständige Betreuung, und ich tue mein Bestes um meinen Mutter und Vater darin zu helfen.

Iwan und seine Mutter mit Oma zu Hause, 2015

Familienfee

   Olga Ponomarenko (17 Jahre alt), kommt aus einer kinderreichen Familie, die aus elf Mitgliedern besteht. Ja, sie hat sieben Brüder und ein Schwesterchen. Nicht schlecht, oder? Sie ist das älteste Kind. Wissen Sie wie es ist, so viele kleine Geschwister zu haben? „Wir haben keine Zeit, uns zu langweilen. In unserem Haus ist immer etwas los. Ich mag die Zeit mit den Kleinen verbringen. Immer fühlte ich die Verantwortung für die Kleinen“ – meint Olga. Im Gespräch mit Olga stellte es fest: Es gibt unbestrittene Vorteile, eine so grosse Familie zu haben. Nicht jeder kann sich damit rühmen, dass man so viele Seeleverwandte hat. Wie gesagt: Einer für alle, alle für einen. Das ist die Basis der festen Familienbeziehungen. Zu den Nachteilen kann man den Geldmangel zählen. Für die Betreuung des Nachwuchses müssen Olgas Eltern monatlich eine grosse Summe Geld ausgeben. Ihre Mutter Inna ist gerade im Schwangerschaftsurlaub, und die Stelle ihres Vaters Danils wurde abgebaut. So, in heutiger Zeit der Preissteigerung ist es schwerer geworden, die würdige Existenz zu unterhalten. Olga ihrerseits, abgesehen davon, dass sie sich auf dem Studium konzentrieren muss, nutzt sie jede Möglichkeit, die Arbeit zu finden, und seiner Familie finanziell zu helfen.

Olga im Zoo, 2003

   Es herrscht heute in der Ukraine unerfreuliche Tendenz, derer entsprechend immer weniger Ehepaare Kinder zur Welt bringen. Das bewirkt die demografische Lage des Landes negativ. Wahrscheinlich ist es damit verbunden, dass wegen der wirtschaftlichen und politischen Krise verlieren sie die Hoffnung auf sichere Zukunft. Leider nicht alle Jugendliche verstehen, dass wir die Folgezeit einigermassen beeinflussen können.

Olga mit den Geschwistern im Zoo, 2003

   Sie ist Studentin des Colleges bei der Universität. Als Hauptfach hat sie Finanzbuchhaltung gewählt, und diese Entscheidung war Volltreffer. Die Hochausbildung ist in der Ukraine leider nicht ganz kostenlos. Es gibt bestimmte Zahl der gebührenfreien Plätze, doch die Heldin unseres Artikels hat in diesem Bereich kein Glück gehabt – sie muss all die Gebühren bezahlen. Doch das Studium bringt ihr viel Freude, und mit der möglichen Hilfe aus der Schweiz könnte sie ihre Studiengebühren bezahlen, und sich an der Uni immatrikulieren zu lassen. Ohne Zweifel ist das der Weg in die Berufswelt.

Olga in der Bibliothek, neulich

   Wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, aus diesem Artikel verstehen könnten, das Wort „Familie“ ist für heutigen Jugendlichen durchaus nicht fremd. Die Zeit läuft, alles ändert und entwickelt sich, die jüngere Generation auch. Man darf nicht behaupten, dass sie schlechter oder besser als damalige wir sind, sie sind einfach anders. Sie müssen sich an die heutige veränderliche Zeit anpassen. Und am Beispiel unserer Schützlinge Olga und Iwan können wir klar sehen, dass unsere gemeinsame Zukunft in Sicherheit ist.