«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Wladislaw Sheltonoshko

geb. 2001

 

   Der Junge kommt aus einer kinderreichen Familie, die in Nikolajew wohnhaft ist. Schon in so jungem Alter fühlt er sich für die anderen Familienmitglieder verantwortlich. Seine Mutter Dina (geb. 1976) ist Hausfrau und sein Vater Ivan (geb. 1960) kriegt seinen Lohn als Schulbusfahrer. Die älteste Tochter des Ehepaars Diana (geb. 1999) ist schon verheiratet und in eine andere Stadt umgezogen. Die kleinste Tochter Alla (geb. 2012) geht noch nicht in die Schule. Pawel (geb. 2004), Mark (geb. 2009) und Inna (geb. 2006) sind Schüler und brauchen Schulwaren sowie andere Sachen.
   Um den Eltern zu helfen, entschied sich Wladislaw, nach dem Schulabschluss eine Arbeitsstelle zu finden. Aufgrund des herrschenden Geldmangels musste der Junge mit dem Studium warten. Er verdient sein kleines Geld auf einem Markt – er verkauft Kleider. Jetzt wird es aber Zeit, die Unterlagen an Hoch- und Berufschulen einzureichen und sich auf die Aufnahmeprüfungen vorzubereiten. Wladislaw möchte Elektriker von Beruf werden. Da seine Familie minderbemittelt ist, wendet sich der junge Mann an Schweizer Bürger mit der innigen Bitte um Beistand.

  

Den roten Teppich gibt‘s hier nicht

   Die Pläne, Visionen und Träume, die man sich noch als Kind zurechtlegt, sickern öfter in die hintersten Ecken des Bewusstseins, um einem dann im Erwachsenenleben beim Fortkommen zu helfen. Die gedanklich beschrittenen Lebenswege entkommen der harten Realität bisweilen nicht, was zwangsläufig ungeahnte Steilkurven, Stolpersteine und Sackgassen mit sich bringt. Abgesehen von diesen Metaphern wird die jüngere Generation heutzutage nicht selten mit gesundheitlichen Heimsuchungen, Mittellosigkeit und anderen negativen Auswirkungen wie fehlendem sozialem Schutz konfrontiert. Wenn die Hilfe von nirgendwoher zu erwarten ist, müssen Jugendliche den endgültigen Schritt ins Erwachsensein äusserst früh wagen.
   Heute gibt es weltweit unzählige Initiativen und Stipendien zur Unterstützung der begabten, aber minderbemittelten Jugend. Wegen der schwachen Sozialpolitik und des Budgetdefizits sind mehrere Hilfsnetzwerke in der Ukraine unterfinanziert, somit bekommen nur wenige Bedürftige den nötigen Beistand. Mit ziemlich inhaltsverschiedenen, aber gleichermassen ehrgeizigen Geschichten von zwei jungen Leuten – Wladislaw Sheltonoshko und Anna Kozjuba – suchen wir heute Gehör bei Ihnen, sehr geehrte Wohltäterinnen und Wohltäter.

Kinderreich, aber arm

   Gute Eltern verzichten auf etliche Freuden zum Wohl ihrer Kinder. In dieser Hinsicht ist die kinderreiche Familie unseres Helden Wladislaw (geb. 2001) aus der Ortschaft Limany (Nikolajew Gebiet) keine Ausnahme. Das Ehepaar Ivan (geb. 1960) und Dina (geb. 1976) Sheltonoshko erfüllt die lobenswerte Mission, sechs Kinder aufzuziehen: Diana (Jahrgang 1999), Wladislaw, Pawel (geb. 2004), Mark (2009), Inna (geb. 2006) und Alla (2012). In der Familie wird jede neue Geburt regelrecht als ein Segen Gottes begrüsst. Darum betrachten die Sheltonoshkos die Erziehung jedes einzelnen Kindes als beinahe sakralen Ritus, welcher auf dem tiefen Respekt vor dem Herrn, guten Sitten und gegenseitiger Hilfe beruht. Die Hauptsache: Liebe bringt Liebe hervor.
   Der Zahn der Zeit nagt unerbittlich an allem und allen, und es fällt den alternden Eltern immer schwerer, ihr Zuhause in Ordnung und die Kinder im Auge zu behalten. Die Heirat und der Auszug der ältesten Tochter Diana liessen die Verantwortung auf die Schultern des grössten Kindes Wladislaw fallen. Mit erst 18 geht er seinen Pflichten mit absoluter Sorgfalt nach. Jeden Morgen folgt der Junge unablässig derselben Routine: Aufstehen, die Schläfrigkeit abschütteln, und der Mutter Hilfe beim Kochen und anderer Haushaltsarbeit leisten.
   Bei allem Fleiss kann die Familie nur mühsam den Kopf über Wasser halten, aufgrund des kargen väterlichen Verdienstes als Schulbusfahrer und des noch geringeren Kindergeldes. Für Wladislaw gibt es nur einen Weg aus der Armut, und der hängt von der richtig gewählten Ausbildung und den dabei erworbenen Berufsfähigkeiten ab. Nach dem Abitur hatte der Junge das weitere Studium wegen Geldnot auf die lange Bank geschoben und sich für einen Job als Marktverkäufer entschieden. Was immer auch er damit verdienen konnte, es wurde alles für die Nöte der Familie ausgegeben.
  


Wladislaw und seine ältere Schwester Diana mit Eltern im Stadtpark, 2004


Grossfamilie Sheltonoshko, alle zusammen, vor kurzem

  Der Junge will sich nicht damit abfinden, mit dem derzeitigen Mindestlohn einer unausgebildeten Kraft für die Familie eine Bürde zu sein. Die Alternative wäre nochmals eine Ausbildung und gerade dafür fehlen ihm die Mittel. Bald ist es wieder soweit: Eskommtdie Zeit der Aufnahmeprüfungen, die allerdings nichts nutzen werden, es sei denn, dass die hohe Summe für die Studiengebühren bezahlt werden kann. Um den ersehnten Beruf des Elektrikers zu erlernen, muss Wladislaw diesem Teufelskreis entfliehen. Gerade dabei wäre unsere Anteilnahme von höchster Bedeutung.


Wladislaw Sheltonoshko, Wochenend-Spaziergang, 2019

   Trotz der allgemeinen Vorstellung ist Jungsein nur selten die Zeit der Sorglosigkeit. Auch die hellsten jungen Köpfe können unter dem Druck zusammenbrechen und heitere Horizonte für immer aus dem Blick verlieren. Die Blüte ihrer Generation, Wladislaw und Anna, verdienen zweifelsohne ein besseres Schicksal. Es kommt auch auf unser gemeinsames Engagement an, ob sich ihre Schwierigkeiten als nur temporär oder lebensentscheidend herausstellen. Sehr geehrte Gönnerinnen und Gönner! Im Rahmen heutiger Kinderaktion der SOS Gerasjuta Stiftung wurden ihnen die Lebens- und Leidensgeschichten von zwei jungen Leuten zum Lesen angeboten. Anna Kozjuba und Wladislaw Sheltonoshko befinden sich auf rauhen Pfaden zu den Sternen und brauchen unsere Unterstützung!