«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Nikolaj Gumen,

geb. 1999

 

   Nikolaj studierte Fremdsprachen an einer der Universitäten Nikolajews. Ausser seinen guten akademischen Leistungen trieb er erfolgreich Sport. Vor kurzem widerfuhr dem Jungen ein Unglück: Er stürzte aus dem achten Stock und erlitt zahlreiche Verletzungen und Frakturen. Einige lebenswichtige Operationen wurden schon durchgeführt, aber das ist längst nicht alles. Sein Vater (geb. 1974) und seine Mutter (geb. 1978) verdienen nur sehr wenig, deshalb ist es ihrer Familie kaum möglich, die vollständige Therapie ihres Sohnes zu finanzieren. Es gibt alle Chancen, dass Nikolaj wieder auf die Beine kommt. Dafür müssen aber verschiedene Antibiotika, Medikamente und Metallstifte besorgt werden, die für die Familie Gumen eine untragbare Summe bilden. Aufgrund dieser Tatsache wenden sich Nikolajs Eltern an die Schweizer Wohltäter mit der Bitte um Hilfe.

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Überleben um jeden Preis

 

   Liebe Leserinnen und Leser, die unten geschilderte Geschichte des 18-jährigen Jugendlichen Nikolaj Gumen, Opfer eines Sturzes, beweist eines: Angesichts von Tragödien sind alle Menschen Sandkörnchen. Dieser Vergleich ist am präzisesten. Auf die Frage “Warum passiert so etwas?” gibt es leider keine Antwort. Wie durch ein Wunder überlebte Nikolaj, erlitt aber zahlreiche lebensbedrohliche Verletzungen. Sein Zustand ist äusserst ernst, es besteht Gefahr für Leib und Leben. Die fassungslosen Eltern halten eine 24-stündige Wache bei ihrem Kind. In der Abteilung “Reanimation und Intensivstation” fand unser Gespräch mit Nikolajs Vater Jurij (1974) statt.

   Jene Nacht in einem kleinen Dorf im Süden der Ukraine raubte der Familie Gumen für immer die Ruhe. Ein später Telefonanruf des Wachmannes aus dem studentischen Wohnheim, wo ihr einziger Sohn Nikolaj, Student im zweiten Semester, lebte, glich einem spitzen Messer, das in das Herz der beiden Eltern stach. Die heisere Stimme, die sich am anderen Ende der Leitung meldete, sagte besorgt: “Herr Gumen, es tut mir leid, Ihr Sohn ist vom achten Stock gefallen und befindet sich auf der Intensivstation des Nikolajewer Krankenhauses. Kommen Sie bitte möglichst schnell hierher…”

Glückliche Familie Gumen, Sommer 2002

   Jurij spürte, wie der Boden unter seinen Füssen zu wanken begann. Der Mann dachte am Anfang, es sei ein böser Scherz von jemandem, denn noch vor ein paar Stunden hatten sie noch miteinander telefoniert und der Sohn sagte, er bereite sich auf die bevorstehenden Prüfungen vor. Der Vater erfuhr später, dass Nikolaj auf das Vordach des ersten Stockwerkes gefallen und dort vom Notfalldienst geborgen worden war. Nun standen ihm vier Stunden im Auto bevor, das ihn von dem an der Grenze zur Halbinsel Krim gelegenen und gottverlassenen Dorf Staraja Majatschka bis Nikolajew bringen sollte. Vier Stunden – seine längste Fahrt, eine Fahrt ins Ungewisse…
   Seine Frau Natalja (1978), die eine Menge Beruhigungsmittel schluckte, schloss für eine Weile ihre roten, verweinten Augen, ihr Kopf fiel unwillkürlich auf Jurijs Schulter. Er hörte das Herz schnell pochen ohne zu verstehen, ob es ihr oder doch sein Herz war. Alles ging drunter und drüber. Aus dieser Verwirrung begannen die Erinnerungen wie Szenen, eine nach der anderen, aufzusteigen. Erinnerungen aus dem früheren, so glücklichen Leben, das nun nie mehr so sein wird.

Nikolaj – jünger Karateringer, 2008

   Klein-Nikolaj… Geburt der Tochter Sofia (2002)… wie die Kinder barfuss zum Nord-Krim-Kanal zum Schwimmen liefen... dann ihr erster Spaziergang in den Wald, wo sie Pilze sammelten… Nikolaj schleppte einen grossen Eimer voller Pilze… dann wie sie zusammen angeln gingen. Nikolaj als Schüler… beim Ringkampf und bei seinen ersten Trainings in der Leichtathletik…
   Das Studium wurde aber seine grösste Leidenschaft und seinen Traum‚ einmal Übersetzer zu werden, hielt er sich immer vor Augen. Seit früher Kindheit sah er, wie schwer der Vater sein Brot verdiente. Er half ihm immer im Gemüsegarten und stellte sich fest vor, unbedingt die Hochschulausbildung zu bekommen, um so den Eltern zu helfen.
   Andere Erinnerungen von Jurij kamen hoch… Nikolajs Schulabschluss mit Auszeichnung, einer silbernen Medaille, Schicken der Bewerbungsunterlagen an vier Städte der Ukraine – Nikolajew, Melitopol, Perejaslaw-Chmelnizki in der Oblast Kiew und Ostrog. Um einen einzigen Punkt reichte es nicht, um sich für einen Studienplatz an der Ostroger Akademie – eine alte griechisch-lateinisch-slawische Hochschule – zu bewerben! Die Nikolajewer Universität antwortete als erste mit dem ersehnten „Ja“ und schickte die Zulassung zum Studium. So beschloss der begabte Nikolaj, in dieser südlichen Stadt Philologie zu studieren.

   

Nikolaj voller Glauben an glückliche Zukunft. Abschluss der neunten Klasse, Mai 2014

   Was den Vater immer am Sohn begeisterte, war seine Zielstrebigkeit und sein Charakter – er hatte sein Herz auf dem rechten Fleck. Nikolaj träumte, Übersetzer nicht von einer, sondern von mehreren Sprachen zu werden. Er studierte Englisch und wollte auch Polnisch zu lernen beginnen. Leider scheiterten diese Pläne.
   Als nächstes entstand in Jurijs Kopf das Bild seiner Heimat… Das Dorf Staraja Majatschka, Chersoner Gebiet, zählt 656 Einwohner. Jurij wurde hier geboren. Natalja stammt aus einer kleinen Siedlung unweit der Halbinsel Krim. Die junge Schönheit kam im Sommer nach Staraja Majatschka, um ihre Grossmutter zu besuchen und dort lernte sie Jurij kennen. Ihr imponierte, wie sie ihm später gestand, seine Zuverlässigkeit, Güte und Bravheit. Sie hatte keine Zweifel und wusste einfach, dass sie mit diesem Mann sicher durch das Leben schreiten konnte und er für die Familie alles tun würde. Und Jurij hat ihre Erwartungen gerechtfertigt. Er schuftete hart als Traktorfahrer, dann als Bauarbeiter. Der Verdienst war zeitweilig und er beschloss, etwas eigenes auf die Beine zu stellen: er kaufte zwei Kühe, viele Hühner, pflanzte Gemüse im Gemüsegarten. Davon lebt die Familie bisher. Der Lohn von Natalja (Köchin von Beruf) ist niedrig. 2012 nahm der Mann auch seine betagte Schwiegermutter zu sich.
   „Ja“, seufzte Jurij, “20 Jahre glücklicher Ehe sind wie im Nu vergangen. Aber wir feiern dieses Jubiläum nicht, denn darum geht es jetzt einfach nicht. Nikolaj ist in der Reanimation…“ Das Blut kocht in seinen Schläfen. Er kann sich damit nicht abfinden: Vor seinen Augen steht immer noch sein Sohn, aktiv, fröhlich, Protagonist und Konzertmoderator in der Schule und an der Uni. Diesen Charakterzug hat er von der Mutter geerbt: Natalja, gleich wie ihre Tochter Sofia, gehört einer Volkskunstgruppe an, in der sie mit anderen Frauen singt. Kommt irgendwann das Lachen in ihre Familie zurück...?
   Was dachte Jurij während dieser traurigsten Fahrt seines Lebens? Keine Gedanken mehr, das Auto hielt an, das Ehepaar musste aussteigen.
   „Wir wünschen Ihnen und Ihrem Sohn viel Kraft“, haben wir Jurij und Natalja gesagt. Jeder von uns hat verstanden, dass Nikolaj im Moment vor allem Kraft braucht… Er war immer ein Kämpfer und trieb Ringen. Wir wollen glauben, dass sein Kampfgeist ihm durchzuhalten hilft.

Nikolaj auf der Intensivstation, neulich

    Der ans Beatmungsgerät angeschlossene Nikolaj Gumen benötigt dringend aufwendige Medikamente sowie Metallstifte für die Fixierung der verletzten Oberschenkel, Knöchel und Unterarme. Solange die Frakturen offen sind und Hirn, Herz und innere Organe geprellt, können die Ärzte keine weiteren Massnahmen durchführen. Liebe Spenderinnen und Spender, wir laden Sie herzlich ein, bei unserer „Hilfsaktion für Sterbende“ mitzumachen. Mit jedem Ihrer Franken steigen die Chancen auf die Lebensrettung des armen verunglückten Burschen.