«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Darja Iljina

geb. 1991

Sohn Kirill

geb. 2014

 

   Kirill, der jüngere Sohn von Darja, befand sich auf der Abteilung für Verletzte in einem Chersoner Krankenhaus. Der Kleine kippte eine elektrische Teekanne mit kochendem Wasser auf sich. Als Folge davon sind 31% von Kirills Haut verbrannt, 15% davon sehr schwer. Bei dem Jungen wurde eine Notoperation durchgeführt, wofür sich Darja bei allen Gönnern bedankt. Dank der Mithilfe aus der Schweiz bezahlte Darja die erste Etappe in der Behandlung ihres Sohnes und kaufte die nötigen Salben und Verbandstoffe.
    Vor kurzem wurde dem Kind eine Operation der Hauttransplantation auf seine linke Hand gemacht, und es wurde ihm auch Ilisarov-Fixateur – das Gerät, das die Knochen zusammen festhält, angebracht, um die Funktion seiner betroffenen Finger wiederherzustellen. Momentan ist Kirill zu Hause. Darja und ihr Mann Maksim, der in der Anti-Terror-Zone im Einsatz war und abberufen wurde, bleiben bis jetzt erwerbslos. Darum ist die Familie für die Möglichkeit die OP durchzuführen, nur den Wohltätern aus der Schweiz äusserst dankverpflichtet. Dem Jungen steht in ungefähr drei-vier Monaten noch ein chirurgischer Eingriff bevor, damit er seinen Fuss richtig aufsetzen könnte. Ausserdem braucht Kirill auch eine weitere Hautverpflanzung auf das linke Knie und Ellbogen. Aber ungeachtet dessen glaubt Darja, dass das Schlimmste schon vorbei ist. Ihr Sohn kam aus dem schweren Gesundheitszustand heraus, und es gibt keine Lebensgefahr mehr. Dafür spricht die ganze Familie den Schweizer Spendern den herzlichsten Dank aus.




Ein kleines Herz leidet

   Es ist schwierig, die Qualen anderer Menschen mit anzusehen. Aber es ist hundert Mal härter zu betrachten, wie ein kleines Kind Qualen erdulden muss. Die wichtigste Form der Unterhaltung eines Kindes mit seinen Eltern ist die Körpersprache. In unserem Fall wird die Lage dadurch verkompliziert, dass der ganze Leib bandagiert ist und schmerzt. Das Baby kann nicht erzählen, was ihm weh tut, und es kann auch die Worte des Trostes der Eltern noch nicht verstehen. Es kann nur weinen. In solchen Momenten brennt das kleine Herz, das noch vor einem Jahr mit Mamas Herzen im Einklang pochte, lichterloh.

   Der kleine Kirill wurde Opfer eines schlimmen Unfalls und 31 Prozent seiner Haut sind verbrannt, 15 Prozent davon äusserst schwer. Mittels dieses Artikels möchten wir Sie, unsere barmherzigen Leserinnen und Leser, mit der traurigen Geschichte von Darja Iljinas Familie, die einen schönen Anfang hatte, vertraut machen.

Treffen des Schicksals

   Darja stammt aus dem Dorf Korostowzy, das in der Region Winniza liegt. Der erste Ehemann von Darja hiess Witalij. Er machte ihr ganz schön den Hof und sorgte sich um die Geliebte. Darja war glücklich und fühlte sich neben ihm geschützt. Im Jahre 2009 wurde der Sohn Alexander geboren. Die Frau war sicher, dass der Mann sich über die Geburt des Sohnes freuen und es ihre Familie festigen würde. Aber leider hat das Schicksal anders entschieden. Mit dem Erscheinen des Kindes änderte sich Witalij sehr. Er begann, exzessiv Alkohol zu trinken und interessierte sich überhaupt nicht für das Kind. So verwandelte sich der Lieblingsmann von Darja in sechs Monaten von einer zuverlässigen und sorgsamen in eine grausame und gleichgültige Person. Sie verstand, dass ihr Kind einen solchen Vater nicht braucht. Deshalb musste sie sich von ihm im Frühling 2010 scheiden lassen. Alexander, der damals erst sechs Monate alt war, blieb bei der Mutter.

Darja mit ihren Söhnen zu Hause, 2014

   Ihr jetziger Mann Maksim ist weit weg in Jakutien geboren. Das Schicksal brachte die beiden in den Verwaltungsbezirk Nikolajew. Etwas vorauseilend sei bemerkt, dass sie das Glück hier gefunden haben. Maksim ist Landwirt, er besitzt ein Grundstück in der Siedlung Nowosofijewka, wo er verschiedenes Obst und Gemüse anbaut. Darja arbeitete als Erntehelferin in demselben Gebiet. Dort wohnte sie bei ihren Bekannten, die sie eines Tages mit Maksim bekannt machten. Eine Zeitlang arbeiteten sie zusammen, schliesslich machte Maksim Darja einen Heiratsantrag, und sie gab ihr „Jawort“. In jenem Moment begann die Liebesgeschichte unserer Schützlinge. Der Mann nahm den kleinen Alexander als sein eigenes Kind an, und als Belohnung hat der liebe Gott ihnen noch ein weiteres kleines Glück geschenkt. Es wurde der so herbeigesehnte Sohn Kirill geboren. Er ist ein sehr lustiger und aktiver Junge. Nach den Worten der Eltern kann er sich immer mit etwas selbständig beschäftigen. Auf die Frage des Mitarbeiters der SOS GERASJUTA Stiftung: „Können Sie sich an eine interessante oder sonderbare Situation mit Kirill erinnern?“, antwortete der Vater: „Wissen Sie, ehrlich gesagt, jeder einzelne Tag ist interessant und sonderbar.“ Die beiden Buben haben ein perfektes gegenseitiges Verhältnis zueinander aufgebaut. Der ältere Bruder kümmert sich um den jüngeren, und dieser gehorcht gerne. Alexander ist dieses Jahr zum ersten Mal in die Schule gegangen. Darja sagt, er sei klug und fleissig, und wenn er es will, kann er alles tun.

Die zwei Brüderchen, Winter 2014

Die Pechsträhne

   Kurz nach der Geburt von Kirill wurde Maksim zum Militärdienst in das Gebiet der Anti-Terror-Operation im Osten des Landes einberufen. Direkt in den Krieg. Kein Tag verging, ohne dass er nicht an seine Verwandten dachte. In seinem Kopf malte er sich die zahlreichen Szenarien ihres zukünftigen Treffens aus. Am allerliebsten wollte Maksim seine Nächsten umarmen. Er war der einzige Ernährer in der Familie, weil Darja sich um die Kinder kümmern musste. Das war der Anfang der schwierigen Zeiten. Das Paar wusste noch nicht, was das böse Schicksal für sie bereithalten würde…

Kirill kurz nach seinem ersten Neujahr 2015

   Eines Tages bereitete Darja das Mittagessen für sich und die Kleinen vor. Auf dem Fensterbrett kochte sie das Wasser in der elektrischen Teekanne. Eine ganz gewöhnliche alltägliche Prozedur. Wie wir oben schon erwähnt haben, ist Kirill sehr beweglich und neugierig. Als die Mutter das Zimmer verliess, zog der Junge am Leitungskabel der Kanne. Das ganze Brühwasser ergoss sich über Kirill. Die Folgen dieses Unfalls sind schrecklich. Der Bub wurde notfallmässig in das Spital gebracht. Nach kurzer Zeit wurde bei ihm eine Notoperation durchgeführt. Das noch so junge Leben ist gerettet, aber um die Gesundheit kämpfen die Doktoren täglich. Beim armen Kirill wurden schon einige Hauttransplantationen durchgeführt. Wie viele er davon noch über sich ergehen lassen muss, weiss noch niemand.

   Maksim ist immer noch beim Militär und für eine unbestimmte Zeitspanne dort eingespannt, und Darja ist mit Kirill in dieser schwierigen Lage alleine im Spital. Für das Kind ist es aber wichtig, die Nähe der Eltern zu spüren, ihre Gesichter zu betrachten. Der Vater fehlt ihm im Moment so sehr. Im Gespräch mit Darja hat sie erzählt, eine Woche vor dem Geschehenen habe der Kleine seine ersten Schritte gemacht und dabei so glücklich ausgesehen. Und am Schluss sagte sie: „Ich möchte, dass das erste Wort meines Schätzchens «Mama» oder «Papa» ist, aber keinesfalls «Schmerz»“. Die Eltern haben bereits kein Geld mehr und für die wichtigste Phase der Therapie brauchen sie etwa 1500 Franken.

Kirill in der Klinik, neulich

   Die Geschichte des kleinen Kirill ist noch nicht zu Ende. Sein Leben ist wie ein schönes Buch, das zuerst einen wunderbaren Anfang hatte. Doch eines der ersten Kapitel ist ziemlich traurig ausgefallen. Und wie dieser Abschnitt endet, hängt grösstenteils von uns ab. Anteilnahme ist die beste Tinte, die im Buch des Lebens für ewig Spuren hinterlässt. Liebe Leserinnen und Leser, heute haben wir die perfekte Gelegenheit, die hilfreiche Hand zu reichen und hiermit Ihre Namen vornehm in dieses Buch hineinzuschreiben.