«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Witalij Iwanow,

1968-2017

 

   Witalij kam aus Nikolajew im Süden der Ukraine. Seit mehr als 10 Jahren litt er an Hepatitis C. Zuerst bereitete ihm diese Krankheit keine Sorgen, so konnte der Mann seine übliche Lebensweise weiterführen und als Verkäufer arbeiten. Aber mit jedem Jahr begann er sich immer schlechter zu fühlen und brauchte oft eine Krankenhausbehandlung. Letztendlich nahm die Krankheit endgültig Oberhand und Witalij konnte nicht mehr seinen Unterhalt verdienen. Eines Tages wurde er wegen starker Schmerzen auf dem Markt bewusstlos. Die vorbeigehenden Passanten riefen den Rettungsdienst und der Mann wurde ins Spital gebracht. Die Ärzte diagnostizierten eine Zyste in der Bauchspeicheldrüse, die dringend operiert werden musste. Nach dem Eingriff blieb Witalij wochenlang im Krankenhaus, weil seine Lage noch eine dauernde Behandlung erforderte. Den Löwenanteil der zahlreichen Medikamente musste er mit eigenen Mitteln besorgen, was für einen Bedürftigen total untragbar war. Der Geldmangel verschloss Witalij den Weg zur Genesung, darum wandte er sich mit einem Hilferuf an die Schweizer Wohltäter.
   Die von der SOS GERASJUTA Stiftung erworbenen Medikamente und die Bemühungen der Ärzte nützten leider nichts – Herr Iwanow ist gestorben. Hepatitis C und die Operation erschöpften seinen Körper total und der Mann kam nicht mehr auf die Beine.
   Die Patienten in der Ukraine müssen ihre Medikamente aus eigener Tasche besorgen. Nicht selten wird das Leben aufs Spiel gesetzt, nur weil sie mittellos sind. Das Ärzteteam bat die Wohltäter um eine Spende für die Medikamentenbesorgung. Aus den Spendengeldern aus der Schweiz wurden die Medikamente für mittellose Patienten erworben. Der leitende Arzt Wladimir Kuriljak äussert seine Dankbarkeit für das Mitleid der Schweizer Wohltäter.

df   






Wenn die wichtigste Säule des Lebens zusammenbricht

Gibt es überhaupt eine universale Formel, um glücklich zu sein? Welches sind in unseren traditionellen Vorstellungen die Säulen, auf welchen das Glück basiert? Es kommen einem da seine eigene Gesundheit und diejenige der Familienmitglieder, ein sicherer Arbeitsplatz, der ein würdiges Leben ermöglicht, und eine Existenz in Ruhe und Frieden, wo es keinen Platz für militärische Auseinandersetzungen gibt, in den Sinn. Wenn auch nur eine dieser Säulen ins Wanken kommt, noch schlimmer, zusammenbricht, kann sich der Mensch leider nicht mehr als glücklich bezeichnen. Beim Haupthelden unseres Artikels - Witalij Iwanow (geb. 1968) - gingen mehrere davon kaputt. Es geht nicht mehr darum, wie unglücklich der Mann ist, weil es im Moment Dinge gibt, die viel aktueller und dringlicher sind - Witalij balanciert derzeit am Rande des Lebens…

   Zu Beginn war die Welt Witalij gegenüber wohlgesonnen. Man kann sogar sagen, dass das Schicksal ihm zugeneigt war. Im Vergleich zu vielen anderen Leuten, die nach der Auflösung der Sowjetunion in extreme Armut ohne jeglichen Verdienst gerieten, konnte unser Held mehr oder weniger gut über die Runden kommen. Er hatte im Verkaufsbereich eine fixe Beschäftigung und kannte sich in der Welt der technischen Geräte ganz gut aus. So hätte der Mann sein Brot weiter verdient, wenn das Geschäft für Elektronik, in dem er mehr als zehn Jahre lang seinem Beruf nachging, für die Kleinhändler allmählich nicht verlustbringend geworden wäre. Witalij sah sich gezwungen, sich unverzüglich mit der Suche nach einem anderen Job zu beschäftigen. Leider gelang es ihm nicht, etwas Besseres zu finden, als auf dem Bau zu arbeiten. Täglich musste er stundenlang anstrengende körperliche Arbeit erledigen, für die er unverhältnismässig wenig Geld als Entlohnung bekam.
   Eines Tages brach aber in das eintönige Dasein von Witalij ein heller und erwärmender Strahl, nämlich die Liebe in der Person einer Frau namens Alla, die für die nächsten zehn Jahre zu einer treuen Lebenspartnerin wurde. Nachdem sie in bester Eintracht ein Jahr zusammen gelebt hatten, war es dem Paar vom Schicksal beschieden, die Freude der Mutter- und Vaterschaft erfahren zu dürfen, als die wunderschöne Tochter Wiktoria im Jahre 2006 zur Welt kam. Eine traurige Nachricht, und zwar die nach dem ärztlichen Befund diagnostizierte Virusinfektion „Hepatitis C“ bei Witalij, betrübte aber seine Freude des Elternseins. Zuerst meldete sich die Krankheit nicht, sie verlief meistens komplikationslos. Aber im Laufe der Zeit wurden die Verschlimmerungen immer merklicher, und die Gesundheit begann Schritt für Schritt nachzugeben. Diese Beschwerden hatten leider unerwünschte Folgen… Die mit dem Übelbefinden verbundenen Arbeitsversäumnisse wurden immer häufiger, und bald darauf musste der Mann auf seine kraftraubende harte Arbeit verzichten. Seine Erkrankung verschärfte sich von einem Monat auf den anderen und entzog dabei dem Armen immer mehr Lebenskräfte.
   Der Tod seiner betagten, ans Bett gefesselten Mutter im Jahre 2015, für die er und seine Lebenspartnerin mit voller Selbsthingabe sorgten, versetzte Witalij den endgültigen Vernichtungsschlag. Von Armut, dem Verlust der Schwiegermutter und der immer schwächeren Gesundheit ihres Manns fühlte sich Anna überfordert und sah nicht mehr weiter. Ihre plötzliche Entscheidung, sich von Witalij zu trennen, traf unseren Helden sehr hart. Seitdem will die Frau nichts mehr von ihm wissen und meinte auch, es wäre besser, wenn er keinen Kontakt mehr zu der Tochter hätte. Als Argument dafür diente ihr Witalijs schwierige finanzielle Situation und dass er dem Kind nichts ausser Leid und Not geben könne.


Witalij am Meeresstrand, Juni 1978

So bildete sich in seinem Leben eine fürchterliche Leere. Die wurde immer mehr vom Gefühl der Einsamkeit genährt. Viele Jahre schwer zu arbeiten, für die Familie immer da zu sein und was kam am Ende? Wo ist die Gerechtigkeit im Leben? Wofür das alles? Diese Fragen bleiben in Witalijs Kopf immer noch unbeantwortet. Die Krankheit schonte seinen erschöpften Körper nicht im Geringsten und Witalij fühlte sich dadurch immer schlimmer. Es fehlten ihm die Mittel, um sich untersuchen und dementsprechend behandeln zu lassen. So wurden die Gesundheit und die weitere Existenz des Manns einfach so dem Schicksal und dem Zufall überlassen. Das Glück wandte sich ihm leider nicht zu und neulich erreichte sein Leid den Höhepunkt – Witalij wurde bewusstlos auf der Strasse aufgefunden… Dank der schnellen und rechtzeitigen Reaktion von hilfsbereiten Passanten wurde er in ernstem Zustand ins Spital eingeliefert. Die Diagnose – eine Zyste in der Bauchspeicheldrüse – war unerfreulich. Der Tumor wurde notfallmässig herausoperiert… Der postoperative Verlauf gestaltet sich nicht besonders positiv, weil der Patient eine kostspielige Nachbehandlung, die er selbst nicht bezahlen kann, benötigt. Nun steht vor uns in aller Schärfe die Frage, ob dieser Mann die Wände eines ihn bedrückenden Krankenhauses je überhaupt verlassen kann…


Wehrdienst, 1987

Witalij demonstriert ganz deutlich seinen Mut und Widerstandswillen im Kampf um das Überleben, womit er uns an den mythologischen Vogel Phönix erinnert, der sich selbst niederbrannte und dann aus seiner eigenen Asche auferstand. Genau so zerreisst sich die Seele des schwerkranken Mannes in tausend Stücke. Und es hängt nur von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ab, ob es Witalij doch geling, alle Schwierigkeiten zu überwinden und sich inwendig einen Ruck zu geben.


Die Familie feiert den ersten Geburtstag der Tocher Wiktoria, 2007

   Der Nebel seiner aussichtslosen Lage könnte dank unserer Hilfsbereitschaft und Menschenliebe vor den Augen des kranken Herrn Iwanow vergehen. Wir möchten die Hoffnung darauf nicht aufgeben, dass dieses Wunder gerade zu einem der grössten kirchlichen Feste wie Ostern geschehen kann. Das Team der SOS GERASJUTA Stiftung wünscht Ihnen, liebe Gönnerinnen und Gönner, geruhsame, zufriedene Osterfesttage und viel Sonne. Mögen Freude, Frieden und Gottes Segen Sie begleiten!


Witalij kämpft um sein Leben, heute