«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Viktoria Klimowa,

geb. 1980

Tochter Elisaweta,

geb. 2011

 

   Die Familie von Viktoria Klimowa – Flüchtlinge aus dem Osten der Ukraine – lebt zurzeit im Dorf Malodworjanka im Nikolajewer Gebiet. Früher wohnte sie in Petropawlowka. Aber ihre Bekannten, bei denen sie eine Wohnung mietete, entschieden sich, das Haus zu verkaufen.
    Ihre kleine Tochter Elisaweta, deren Haut zu 60% verbrannt war, lag im Koma auf der Intensivstation des Kinderspitals.
   Elisaweta war bei der Nachbarin zu Besuch. Die Frau kochte Wasser für die Wäsche. Das zappelige Mädchen machte einen Schritt zurück und fiel mit seinem Hintern in den siedenden Eimer hinein.
  Elisaweta war ans Beatmungsgerät angeschlossen. Sie brauchte mehrere Hauttransplantationen, Medikamente und Antibiotika, die weder Viktoria – sie ist im Mutterschaftsurlaub mit der jüngsten Tochter Sofia (geb. im Januar 2015) – noch ihr Mann Ewgenij (Jahrgang 1982), der Farmarbeiter mit einem unregelmässigen Verdienst ist, bezahlen konnten. Ausserdem erzieht Viktoria noch den Sohn Daniil (geb. 2002), der Schüler ist.
   Die verzweifelte Frau bat die Schweizer Spenderinnen und Spender um Hilfe für ihr Kind. Dank der schnellen Reaktion der gutherzigen Menschen ist das Schrecklichste für das Mädchen vorbei. Es befindet sich wieder mit seiner Familie zu Hause. Fast jeden Monat macht sie eine Rehabilitationskur im Krankenhaus, wo eine Behandlung für die Wiederherstellung der Haut durchgeführt wird. Täglich trägt Viktoria Salben auf Elisawetas Haut auf. Die Lebensbedingungen der Familie verbesserten sich merkbar – die Wände wurden gestrichen, und es wurde ein Ofen gebaut. Das Leben kommt endlich in Ordnung. Viktoria ist allen nicht gleichgültigen Schweizer Bürgern für ihre so nötige Unterstützung äusserst dankbar.



Unbilden des Schicksals


   Es freut uns sehr, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, unser neues Heft und unsere neue Geschichte vorzustellen. Diesmal handelt sie von den Schicksalsschlägen unserer neuen Patientin Viktoria Klimowa. Ihre 4-jährige Tochter Elisaweta liegt derzeit mit schweren Verbrennungen im regionalen Kinderspital. Im Rahmen der Bettag-Aktion, die wir initiieren, hoffen wir, die nötigen Mittel zu sammeln, die diese arme junge Seele dringend für das Überleben braucht. Grösszügige Spender aus der Schweiz haben hier in der weit entfernten Ukraine bereits mehrere Menschenleben gerettet. Den Grossteil bilden dabei die Kinder, deren Eltern während des Spitalaufenthalts verzweifelt an allen Türen anklopfen und um Hilfe flehen. Der Staat mit seiner zerrütteten Wirtschaft und dem schlecht ausgebildeten Gesundheitswesen hat für seine Bürger so nur die folgende, brutale Botschaft übrig: Die Rettung des Ertrinkenden ist Sache des Ertrinkenden selbst. In den meisten Fällen wird das Menschenleben leider entwürdigt, indem es mit einer konkreten Geldsumme gleichgesetzt wird.


Sorglose Kindheit


   Viktoria Klimowa wurde am 1. Juni 1980 im Städtchen Kasanka geboren. Zu jener Zeit zogen ihr Vater Aleksandr und ihre Mutter Antonina Viktorias älteren Bruder Andrej (geb. 1977) auf und lebten wie die meisten Arbeiterfamilien auf dem Lande bescheiden. Der Vater war als Chauffeur tätig, die Mutter hatte wechselnde Jobs: Zu verschiedenen Zeiten war sie als Lagerverwalterin, Melkerin oder Landwirtin tätig. Als Viktoria drei Jahre alt war, zog die Familie nach Jakutien um. Zu UdSSR-Zeiten gingen die Menschen oft in die nördlichen Regionen des Staates, weil der Verdienst dort wesentlich höher war. So versuchte die Familie Klimowa ihr Glück. Es war das Jahr 1982. In Russland ging Viktoria in die Schule, 1989 erblickte ihre jüngere Schwester Natalja das Licht der Welt.


Elisaweta in Donezk, Neujahr 2012


Pechsträhne


   Diese Jahre waren glücklich, doch dann begann eine Pechsträhne. Zwischen den Eltern kam es öfters zu Streitigkeiten, schliesslich liessen sie sich scheiden. 1991 kehrte Antonina mit ihren drei Kindern in die Ukraine in die östliche Stadt Donezk zurück und heiratete ein zweites Mal. Viktorias Stiefvater hiess Viktor. Nach dem Schulabschluss ging die Abiturientin an ihren Geburtsort Kasanka, wo sie den Beruf der Köchin erlernte. Drei Jahre danach zog sie wieder in den Osten zu ihren Eltern und fand eine Stelle in einer Bäckerei der Gemeinde. 2001 traf Viktoria einen Mann namens Sergej, die Ehe war aber kurzfristig und unglücklich. Als sie im siebten Monat schwanger war, verliess Sergej seine Frau und liess sie ohne jegliche Stütze zurück. Gott sei Dank gebar Viktoria das gesunde Kind Daniil (Oktober 2002). Die Trennung von Sergej hinterliess eine Spur des Verrats in Viktorias Seele, und während längerer Zeit wagte sie keine Beziehungen. Die Angst und das Gefühl, wieder verlassen zu werden, konnte sie nicht vertreiben. 2011 lernte sie aber Michail kennen. In jenem Jahr wurde das Mädchen Elisaweta geboren, Viktorias zweites Kind. Der erste Eindruck trügt manchmal. Mit dem zweiten Partner lebte sie nur zwei Jahre zusammen, weil er zu tief ins Glas zu schauen begann.


Elisaweta mit ihrem Bruder Daniil, Kasanka, 2014


Auf der Suche nach dem Familienglück


   2014 begegnete Viktoria ihrem jetzigen Mann Ewgenij, mit dem sie bis heute glücklich ist. Im vorigen Jahr begann in der Ukraine die Revolution, was zu den immer noch anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Tausende unschuldige Menschen sind dem Krieg bereits zum Opfer gefallen. Die Familie Klimowa litt auch darunter. Permanente Artillerieangriffe und Explosionen zwangen sie, aus ihrem Familiennest zu fliehen.
   Durch des Schicksals Fügung kehrte Viktoria diesmal als Flüchtling wieder in ihren Geburtsort Kasanka zurück, wo ihre Mutter und ihr Bruder leben. Hier bekam sie das dritte Kind und gab ihm den Namen Sofia (geb. 2015). Für eine Weile fühlte die Frau, deren Weg aufgrund der geschilderten Ereignisse nie einfach und eben war, das Glück – mit drei Kindern und ihrem liebenden Mann Ewgenij.


Elisaweta mit ihrem Stiefvater Ewgenij, 2015


Traurige Nachricht


   Nichts deutete auf etwas Schlimmes hin. Es war ein gewöhnlicher Tag. Nach dem Mittagessen lief Elisaweta zu den Nachbarn, um mit dem Hund zu spielen. Die Hauswärterin bereitete das heisse Wasser für die Wäsche vor. Das rastlose Mädchen machte einen Schritt zurück und fiel unglücklicherweise genau in diesen unheilbringenden Eimer hinein. Man rief sofort den Notdienst. Sie wurde schnell in die Klinik eingeliefert und dann in die nächst liegende Grossstadt transportiert, weil ihr Zustand aufgrund der erlittenen Verbrennungen zu ernst war. Bis zu 60 Prozent der Hautoberfläche ist betroffen. Das schlichte Ersparte ist für die ersten klinischen Prozeduren längst aufgebraucht worden, die weitere Therapie ist nur unter der Bedingung unserer Kooperation mit den Wohltätern aus der Schweiz möglich.
   Das Mädchen liegt im Koma, die Herz- und Organ-Belastung ist enorm. Die Leber und das Gehirn sind in Mitleidenschaft gezogen. Elisawetas Körper kann momentan keine Wärme produzieren, deswegen liegt sie auf einem speziell erhitzten Bett. Zudem ist die Verunglückte ans Beatmungsgerät angeschlossen. Die Bilder sprechen für sich. Für die Fortsetzung der Behandlung braucht die Flüchtlingsfamilie insgesamt mehr als 2000 Franken. Der kranken Elisaweta stehen einige Operationen und teure Hauttransplantationen bevor. Spezielle Medikamente und Antibiotika sind schnellstmöglich zu besorgen. Sonst sind ihre Überlebenschancen illusorisch. Ihre Mutter Viktoria und ihr Stiefvater Ewgenij sind rund um die Uhr bei ihr. Die notwendigen finanziellen Mittel können diese armen Leute ohne fremde Hilfe aber nicht aufbringen. Der Staat steht nicht an ihrer Seite, und jede weitere Stunde ohne Unterstützung spielt diesen Leuten nicht in die Hände. Viktoria und Ewgenij leben von der Hand in den Mund. Das winzige Kindergeld ist ihr Familienbudget, das nirgends hinreicht.

Viktoria im Spital am Krankenbett von Elisaweta, 2015


   Liebe Leserinnen und Leser, die Menschen haben ihr Haus und ihre Habseligkeiten im Bürgerkriegsgebiet verloren. Das Wichtigste, das sie haben, ist ihr Leben, das an sich unschätzbar ist. Wollen wir sie nicht im Stich lassen und in enger Zusammenarbeit mit Ihnen die kleine Elisaweta retten? Sie ist so jung, hübsch und schutzlos. Auf den Fotos von früher sieht sie so glücklich aus! Wir möchten sie doch wieder in diesem sorglosen Zustand sehen, oder? Wir bedanken uns für Ihren Einsatz und Ihr Interesse an den Aktionen der SOS GERASJUTA Stiftung.