«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Michail Parfenow,

geb. 1975

 

   Michail lebt im Dorf Stepanowka unweit des Gebietszentrums Cherson. Seine Familie besteht aus seiner Frau Elena, dem Stiefsohn Alexander (1998) und der Tochter Eva (2010). Bis vor kurzem war er als Krankenpfleger in der Tuberkuloseabteilung tätig. Diese Arbeit ist sehr gefährlich, weil die Tuberkulose eine ansteckende Krankheit ist. Um die Immunität zu stärken, brauchte Michail vollwertiges Essen. Neulich wurde es Michail nach dem Abendessen übel. Er wurde in die Klinik gebracht, wo er sich einer Notoperation unterzog. Michails Leben ist jedoch in Gefahr. Seine Krankheit – Pankreasnekrose – erfordert eine dauerhafte und kostspielige Behandlung. Die Familie gab bereits alle Ersparnisse aus. Ohne eine rechtzeitige, komplexe Behandlung riskiert Michail sein Leben.
   Seine Frau Elena bittet nicht gleichgültige Schweizer Wohltäter um Hilfe.


  




Wer rettet einen Retter?

 

Jede Arbeit ist lobenswert. Es gibt Menschen, die investieren einen grossen Teil ihres Lebens in die Entwicklung der Wirtschaft ihres Landes, leisten verschiedene Dienste in der Gesellschaft; oder sie können gar etwas schaffen, das für viele Jahre der Menschheitsfamilie nützen wird. Damit sind etwa Technologien oder neue Behandlungsmethoden gemeint. Die edelsten Berufe sind aber diejenigen, bei denen das menschliche Leben gerettet wird. Ihr Beruf ist meistens ihre Lebensberufung. Die Fachkräfte aus der Medizinbranche scheuen öfters keine Mühen, um anderen auf die Beine zu helfen. Es kann aber passieren, dass sie selber erkranken. Und diejenigen, die ihren Mitmenschen selbstlos sowohl körperliche als auch moralische Unterstützung leisten, geraten dann selber in eine schwierige Lage und kommen nicht mehr weiter. Hier sind wir alle gefragt, ihnen zur Hilfe zu eilen. Die Lebenssituation von Michail Parfenow ist ein Beispiel für solch ein Drama. Seine Geschichte offenbaren wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auf folgenden Zeilen.


Michail und Elena bei der Eheschliessung, 2003

   Michail machte die Ausbildung zum Krankenpfleger und fand gleich nach dem Studienabschluss eine Stelle im Krankenhaus. Die Arbeit eines Pflegers erfordert nicht nur gründliche medizinische Fertigkeiten, sondern auch soziologische, ethische und psychologische Kenntnisse. Man muss sowohl die Prozeduren korrekt machen können, als auch beim Patienten einen tiefen Glauben an seine Genesung wecken, seine Denkweise und auch kleinsten inneren Schwankungen gut verstehen. Diejenigen, die der Medizin ihr Leben gewidmet haben, wissen nicht nur vom Hörensagen, wie schwer ihr Job manchmal sein kann. Michail war immer stolz darauf, mit einem warmen Wort der Aufmunterung und einer gründlichen Pflege den Kranken Gutes zu tun. Zehn bis zwölf Stunden täglich verbrachte er auf der Arbeit. Seine Freunde sagten öfters halb im Scherz, er verbringe dort mehr Zeit als zu Hause, rede hauptsächlich über seine Beschäftigung, denke gar mehr an die kranken und leidenden Personen als an sich selbst. Für das Privatleben blieb ihm kaum Zeit, es gelang dem Mann eine Weile irgendwie nicht, seine Richtige zu finden. Und dann hat er sie doch gefunden! Und wo? Am Arbeitsplatz! Die Krankenschwester Elena fiel Michail sofort auf. Sie hatte alles, was er in einer künftigen Lebensgefährtin gerne sehen wollte – sie war hübsch, zuverlässig, mitleidig und familienbezogen. Bald danach machte Michail seiner gleichaltrigen Traumfrau einen Heiratsantrag. Es verunsicherte ihn keinerlei, dass die Frau geschieden war und zwei kleine Kinder hatte, für die er ein liebender und pflichtbewusster Vater wurde. Im März 2010 geschah ein glückliches Ereignis – die gemeinsame Tochter Eva kam zur Welt. Um für die Frau und drei Kinder zu sorgen, musste Michail mehr verdienen. Und der Familienvater traf die Entscheidung, in einer Tuberkuloseklinik zu arbeiten. Dort werden die angesteckten Patienten behandelt und das medizinische Personal wird immer darauf aufmerksam gemacht, sein Immunsystem zu stärken und den eigenen Körper in einer guten Widerstandsform zu halten. Dazu gehören eine sättigende, überwiegend fettarme Ernährung, sportliche Übungen und Spaziergänge an der frischen Luft. Und Michail hielt sich streng an diese Vorschriften. Der Mann freute sich darüber, mit seinem Verdienst und demjenigen seiner Frau die Grundbedürfnisse der Familie decken zu können und in einem armen Land mit Krieg und Krise keine bittere Not zu erleiden. Die Parfenows würden immer noch ihren ausgewogenen Alltag in der Atmosphäre gegenseitigen Respekts und der Liebe meistern, wenn nicht der Kummer an ihre Tür geklopft hätte…

   
Der glückliche Vater der kleinen Eva, Frühling 2011

Die Gesundheit gibt nach

 

   Erkrankungen von Familienmitgliedern sind immer Stress und Schock für ihre Verwandten. Umso grösser sind sie, wenn der Leidende sich früher durch eine kernige Gesundheit auszeichnete und nun sein Leben plötzlich bedroht wird. Nach der Arbeitsschicht genoss Michail eines Abends mit der Familie seinen Feierabend. Leckeres Abendessen, freundliches Teilen von Meinungen, Fernsehen. Nachdem sie einander gute Nacht gewünscht hatten, gingen alle ins Bett. Die Nacht war aber gar nicht gut. Michail bekam stechende Bauchschmerzen, so dass er sich zusammenkrümmte und verschwitzt kein einziges Wort sagen konnte. Elena, seit vielen Jahren als Krankenschwester tätig, kapierte sofort, dass die Situation ziemlich ernst war und alarmierte, keine Minute zögernd, den Notdienst.
Eine Stunde später lag Michail schon auf dem Operationstisch. Die Untersuchungen ergaben beim Mann eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Er wurde notfallmässig operiert. Die Ausgaben für den Eingriff und die Medikamente musste die Familie selber tragen. Michails Lage wird zusätzlich dadurch erschwert, dass die Zellen des betroffenen Organs absterben und die anderen Innereien verunreinigen, was zu einer Blutvergiftung führen kann. Der Mann benötigt eine umfassende Therapie, jede Menge Medikamente, eine spezielle Ernährung und vieles mehr. Die bescheidenen Ersparnisse der Familie sind bereits weg. Kleine Spenden der ebenfalls nicht wohlhabenden Kollegen konnten nur einen geringen Teil der Ausgaben decken. Als Angestellte im medizinischen Bereich wissen die Parfenows ganz genau, wie lebensgefährlich die Pankreasnekrose sein kann. Fast in allen Fällen lauert auf den Patienten der Tod, falls die Behandlung vernachlässigt wird. Diese Prognosen sind für den 42-jährigen Michail sehr untröstlich. Selbst in hohem Alter will keiner sterben, geschweige denn ein junger Mann, der Vater einer 7-jährigen Tochter. Hilfe ist von nirgendwo zu erwarten. Wie ihre letzte Hoffnung betrachtet diese Familie die gütigen Schweizer, die unsere Stiftung unterstützen.

   
Michail auf der Intensivstation, heute

   Wer gibt, dem wird gegeben, so eine Volksweisheit. In seinem Beruf und Familienleben hat Michail den Ruf eines Mannes, der immer da ist, sollte jemand seine Hilfe benötigen. Er schonte sich selbst nicht, und all das für das Wohl der anderen. Und es kam die Zeit, wo er selber hilflos wurde. Es wäre so human und gerecht, wenn wir alle ihm zeigen würden, dass es auf der Welt den Kreislauf der Güte gibt und die von ihm ausgestrahlte Humanität ihm mehrfach zurückvergütet wird.