«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Daria Schewtschuk,

geb. 2002

 

   Daria stammt aus dem Dorf Kudrjawzewo, wo sie mit ihren Eltern und Brüdern lebt. Ihre Mutter Aljona (geb. 1984) ist zurzeit arbeitslos. Der Vater Sergej ist Bauarbeiter mit einem zeitweiligen Verdienst. Die Brüder Roman (2004) und Wladimir (2006) sind wie Daria auch Schüler. Momentan unterzieht sich Daria einer Behandlung in der Hämatologieabteilung des Nikolajewer Kinderspitals. Die Untersuchungsergebnisse zeigten an, dass das Mädchen Blutkrebs hat. Schon nach den ersten Chemoblöcken sind Darias Eltern pleitegegangen. Aktuell überstand die Patientin bereits drei Blöcke, der letzte verursachte die Bildung einer Mundhöhlenentzündung. Diese Krankheit erforderte auch bestimmte Heilmassnahmen. Für die geleistete materielle Hilfe spricht Darias Familie den Schweizer Spendern ihre grenzlose Erkenntlichkeit aus. Die streng befristeten Chemoprozeduren müssen aber fortgesetzt werden. Das Mädchen erhielt nur die Hälfte der ganzen medikamentösen Behandlung. So möchte es auch auf weitere Unterstützung der nicht gleichgültigen Menschen hoffen.

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Auf der Suche nach der Rettung vor dem verborgenen Feind

 

   Kinderkrankenhaus. Die Schwelle dieser Anstalt betritt man immer mit einem gewissen Druck auf der Brust. Dieser Ort ist leider nie leer. Die Einen wurden wegen häufiger Erkältungen oder leichter allergischer Reaktionen hierher gebracht, den Anderen widerfuhr etwas viel Schlimmeres, etwas, das durch Mark und Bein geht. In der Regel kann man die Gefühle der Eltern an ihren Gesichtern ablesen, nachdem sie den ärztlichen Befund zu ihren Kindern zu hören bekamen. Die kleinen Wesen können noch nicht richtig begreifen, dass sie bereits am Anfang ihres Lebensweges gezwungen sind, den Kampf um ihre eigene Gesundheit gegen einen unsichtbaren Feind zu führen. Die Station für Onkologie und Hämatologie: Hier sind wir wegen der 14-jährigen Daria Schewtschuk (Jahrgang 2002) hingeraten. Zu unserem tiefsten Bedauern ist ihre Geschichte keine blosse, grausame Fiktion, sondern die volle ungerechte Realität…

   Alles nahm seinen Anfang im fernen Jahr 2000, als noch keine Rede von unserer Protagonistin war. Die jungen Aljona (geb. 1984) und Sergej (geb. 1984) trafen aufeinander, und zwischen ihnen entstand sofort das, was nicht jedem zu erfahren vergönnt ist – die echte Liebe, die nach zwei Jahren in ihrem Erstgeborenen, der kleinen Daria, zum Tragen kam. Danach erblickte ihr mittlerer Sohn Roman zwei Jahre später das Licht der Welt, und 2006 ihr jüngerer Sohn Wladimir. Man kann nicht sagen, dass das Leben dieser Familie wie am Schnürchen lief. Für lange Zeit wechselten sie eine Mietwohnung nach der anderen in der Hoffnung, dass es ihnen doch gelingt, irgendwo sesshaft zu werden und festen Fuss zu fassen. Nur eines brachte ihnen Freude, Sergej bekam ab und zu durch Zufall einen Nebenjob, den er immer unverzüglich übernahm, während sich seine Frau vollkommen der Kindererziehung widmete. Das Stadtleben hatte seine Vorteile, so wurden zum Beispiel Aljona und alle drei Kinder zu ständigen Kirchgängern, wo Daria zudem regelmässig im Chor sang.

Glückliche Eltern Aljona und Sergej in ihrem Hof, Sommer 2015

   Allmählich wurde der finanzielle Druck auf die Familie immer stärker, und Sergej entschied die Lage zu verbessern, indem er sich als Bauarbeiter in einer nahe gelegenen Stadt betätigte. Um die laufenden Kosten zu senken, zogen sie aufs Dorf und mieteten ein kleines Haus, das sie langfristig zu kaufen hoffen. So bekam die Familie wieder festen Boden unter den Füssen. Mutter und Tochter brachten Schritt für Schritt den Hof und das Häuschen soweit als möglich in Ordnung. Zum Glück war Daria immer hilfsbereit und nahm viele Haushaltspflichten auf sich. Nicht selten war unsere Heldin das Kindermädchen für ihre jüngeren Brüder. Damit die Jungs sich nicht langweilten, dachte sie sich verschiedene Spiele aus oder machte mit ihnen die Hausaufgaben. Die Kinder wurden so einträchtig, dass man sie überall nur zu dritt sehen konnte.

Daria (rechts) und andere Kinder aus dem Kirchenchor, Ostern 2011

   So verlief ihr Alltag bis ins Jahr 2017, das eine Reihe von betrüblichen Ereignissen nach sich ziehen sollte… Im Januar fand Sergejs jüngerer Bruder, der für seine Neffen wie ein zweiter Vater war, die ewige Ruhe. Besonders schwer verschmerzte Daria den Verlust. Im März schied der Opa väterlicherseits aus dem Leben. Jahr um Jahr hatte den Mann der Lungenkrebs, der letzlich die Oberhand behielt, gequält. Die Familie hatte kaum diesen erneuten Schicksalsschlag zur Kenntnis genommen und ihn vermeintlich überwunden, als die nächste Erschütterung geschah, die sie vollkommen aus der Bahn warf… Allgemeine Schwäche, Schläfrigkeit und ständiges Schwindelgefühl wurden auf einmal zu den festen Begleitern des armen Mädchens. Wer hätte nur gedacht, dass noch ein viel hässlicherer unsichtbarer Feind warten würde, nachdem schon mehrere Familienmitglieder gestorben waren...?
   Akute Lympholeukämie oder mit einfachen Worten Blutkrebs – so lautete das Urteil der Ärzte. Was bedeutet diese Krankheit und warum jagt sie uns, wenn sie auf unserem Weg auftaucht, sofort Angst und Schrecken ein? Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass jeder von uns mehrmals schon gehört hat, was für eine schlimme Wendung diese Krankheit nehmen kann, dabei weiss niemand genau, wie sie sich im Körper einnistet. Dasselbe passierte auch Daria aus unbekanntem Grund. Derzeit unterzieht sich das Mädchen dem ersten Chemotherapie-Block und gibt sich Mühe, sich an den häufigen Medikamentengebrauch zu gewöhnen. Die Eltern gaben all ihre kleinen Ersparnisse für die laufende Behandlung aus. Während Aljona die ganze Zeit neben der Tochter verbringt, kümmert sich der Vater Sergej um die zwei Söhne, ohne jede Möglichkeit, Geld verdienen zu können. Es versetzt uns in Angst, dass dies erst der Anfang des ganzen Dornenweges ist, und es hängt von uns ab, ob Darias Lage besser wird…

   

Kleine Daria und ihre Geschwister beim Schulbeginn, der 1. September 2013

   Dort, in Darias Krankenzimmer, gibt sich die Mutter alle Mühe, um sich tapfer zu zeigen. Mitunter schien es, als ob es bei ihrer Tochter gar keine Krankheit gäbe, die ihre Gedanken irgendwie betrüben könnte. Aber sobald sie die Tür hinter sich schliesst, weiss die Frau selber nicht mehr, woran sie sich festhalten kann und die inneren Schmerzen und Leiden kommen messerscharf zum Vorschein. Aljonas wehmütige Stimme wiederholte hartnäckig, dass die Situation nicht hoffnungslos ist, und es doch eine Lösung gibt. Daria steht erst am Anfang dieses schwierigen Kampfes, den sie auszuhalten hat. Das Mädchen braucht kostspielige Chemotherapie-Blöcke sowie eine unterstützende und planmässige Therapie. Ihnen unsere wärmsten Wünsche zum ukrainischen Nationalfeiertag aussprechend glaubt unser Team fest daran, dass wir, liebe Leserinnen und Leser, zumindest imstande sind, die Arme in dieser ungleichen Schlacht ihrem Schicksal nicht zu überlassen und sie in ihrem Kampf mit allen nötigen medizinischen Mitteln zu versorgen.

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Daria wird von Blutkrebs therapiert, von heute