«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Ewgenij Seliwanow,

geb. 1998

   Ewgenij kommt aus Nikolajew im Süden der Ukraine. Bis Mitte 2017 war er mit seinem Leben völlig zufrieden: der Junge studierte an der Uni, trieb Sport und hatte viele Pläne für die Zukunft. Ein Unfall, der ihm passierte, stellte leider alles auf den Kopf. Wie gewohnt ging der Student nach den Vorlesungen auf den Sportplatz unweit seines Hauses und turnte am Reck. Es ist leider so gekommen, dass er runter stürzte und sich den Unterschenkel brach. Dadurch, dass er stark anschwoll und ein enormer Blutdruck entstand, konnte die Operation nicht sofort durchgeführt werden. Die Tage der Verzögerung wurden Ewgenij zum Verhängnis. Er bekam eine Nekrose und sein Unterschenkel musste abgenommen werden. Jetzt lernt der Junge an der Prothese gehen und passt sich der neuen Lebensweise an. Ausser der Mutter hat er niemanden, der ihn in dieser schweren Lebensperiode unterstützen könnte. Der Vater interessiert sich seit Jahren nicht mehr für den Sohn. Ewgenij erleidet im Moment Not. Er braucht Medikamente, die seinen Beinstumpf nicht anschwellen lassen sowie eine Rehabilitation und Mittel für laufende Ausgaben.
Ewgenij bittet die Spender aus der Schweiz um eine Spende.

   







Einem Niedergedrückten aus den Knien zu helfen

 

Es wäre ziemlich schwer zu sagen, wem die Gehbehinderung mehr zu schaffen macht – einer Person, die von der Geburt an nicht laufen kann und wehmutsvoll sich im Rollstuhl sitzend ein Fussballspiel anschaut, oder demjenigen einmal gesunden sportlichen ambitiösen, der infolge eines Unfalls nun ein Invalide ist? Liebe Leserinnen und Leser! Unser Team bietet Ihrer Aufmerksamkeit ein Heft über Ewgenij Seliwanow, einen erst 19-jährigen Jungen. Ein ganz schweres Los fiel auf sein Schicksal – beim Turnen kriegte zielstrebiger Student und ein begeisterter Sportfan die Verletzung, die zu der Beinamputation führte. Weiter folgen die Informationen über den Alltag Ewgenijs, indem er nur hartnäckig versucht, nicht endgültig zusammenzubrechen.

Jewgenij mit der Mutter, Weihnachten im Kindergarten, 2002

   Nikolajewer orthopädisches Zentrum ist ein fester Partner der SOS GERASJUTA Stiftung. Die bereits entmutigten mittellosen Patienten-Invaliden werden da über die Tätigkeit unserer Organisation informiert und ganz vielen von ihnen wurde es dank unserer Vermittlung aus der Schweiz geholfen. Die meisten Spendenempfänger sind die Männer über 45 J.a., die mit ihren Problemen unter vier Augen bleiben und voller Angst in ungewisse Zukunft schauen. Und neulich wurden unsere Betreuer die Zeugen so einer Szene – ein Junge gegen zwanzig sass regungslos und sobald wir uns ihm näherten, errötete er geängstigt und schob unter das Bett die Beinprothese. Ganz korrekt und tüchtig ausgewählte Worte liessen uns den Jungen zum Gespräch bringen. Ewgenij stellte uns vor und erzählte seine Geschichte. Im Laufe unserer Informationensammlung wollte sich der Junge auf dem Bett bequemer hinsetzen. Eine unachtsame Bewegung liess die Decke, die seinen Unterkörper zudeckte, auf den Boden fallen. Reflektorisch hob er sie auf und deckte wiederum seine Beine. Diese Geste verriet uns sofort, dass sich der Patient über seine Invalidität schämt. Wir fanden richtige Worte, um ihm Mut zu verleihen. Ewgenij hörte uns zu und erwiderte: „Danke Ihnen für Ihren Trost! Jede Unterstützung tut mir sehr gut. Aber mir ist sehr peinlich, meine Behinderung zu akzeptieren. Jetzt sehen Sie Ihnen gegenüber einen hilflosen Invaliden reden, ich war aber nicht immer so. Bis Mitte 2017 war ich Student einer Universität, hielt sportliche Übungen für einen unabdingbaren Teil meines Lebens und war mir sicher – ich erreiche unbedingt alle meine würdigen Ziele, was auch immer es kosten mag. Und was habe ich jetzt? Peinlich zu gestehen, aber ich stehe kurz vor dem Zusammenbrechen…“

Das Leben vorher

mit der Mutter am Einschulungstag, 2004


 Wie bereits erwähnt hatte Ewgenij fast bis 19 J.a. ein volles Leben. Als der Junge noch klein war, verliess sein Vater die Familie und ging nach Russland, wo er bald danach eine neue Familie gründete und den Sohn aus der ersten Ehe aus seinen Prioritäten strich. Es blieb der Mutter nichts sonst übrig, als mit dem doppelt grösseren Einsatz zu arbeiten, damit dem Sohn selbst elementare Dinge nicht fehlen. Von klein auf verstand der Junge, wie schwer das Geld verdient wird und lernte Mutters Hingabe schätzen. Aus grossem Respekt zu ihr setzte sich Ewgenij sehr würdige Ziele, und zwar eine Uniausbildung zu bekommen und einen hoch bezahlten Job als Mechaniker zu finden. Ewgenij wollte einmal seine Mutter materiell entlasten und aus Dankbarkeit für viele Jahre anstrengender Arbeit und seine Erziehung der Frau ein ruhiges ausgewogenes Leben schenken. „In einem gesunden Körper ein gesunder Geist“. Dieses Sprichwort charakterisierte auch Ewgenij. Die Trainings und Körperbelastungen tragen nicht nur zur Gesundheit bei, sondern stärken den Willen, so der Junge. Er popularisierte Sport unter seinen Bekannten und Freunden, die seine Leistungen nur bewunderten und ihn nachahmten. Alle Leute, die Ewgenij persönlich kannten, hatten keinen einzigen Zweifel daran, dass aus diesem so zielstrebigen fleissigen zukunftsorientierten Studenten mit dem Kampfgeist einmal ein grosser Mensch wird. Damals wusste niemand, was für ein Leid auf Ewgenij lauert…

morgens vor der Schule, 2014

Das Leben nachher

Üblicherweise ging Ewgenij an einem Nachmittag auf den Sportplatz. Das Turnen auf dem Reck war eine seiner Lieblingsübungen. Hier war er ein echter Meister. Alle seine Bewegungen waren höchstkoordiniert und professionell. Und wer hätte gedacht, dass diese Lieblingsbeschäftigung so eine Tragödie verursacht? Ewgenij rutschte plötzlich und spürte einen heftigen durchdringenden Schmerz im Bein. In der Klinik durften die Ärzte Ewgenijs gebrochenen Unterschenkel nicht operieren, weil der Blutdruck da enorm hoch war. Man musste einige Tage abwarten und erst dann etwas machen. Und hier nahm der Unfall seine tragische Wendung: es entwickelte sich das Gewebeabsterben und die Beinamputation war eine Hauptvoraussetzung, um das Leben zu bewahren. Damals fühlte sich der Junge so, als ob jemand ganz gemeiner ihn entwurzelte. Manchmal schien es ihm so zu sein, dass alle Ereignisse nur ein Albtraum waren. Und nur die Tränen der Mutter und seine eigene Machtlosigkeit erinnerten Ewgenij daran, dass es doch die Realität ist. Innerhalb einer Woche musste sich sein Leben von Grund auf ändern: aus einem sportlichen leistungsfähigen Studenten mit immer vollem Terminkalender verwandelte er sich in einen Invaliden, der sich nirgendwo hin zu eilen hatte, der immer seltener die Anrufe von den Freunden und Bekannten kriegte und dessen Zukunftspläne wie ein Kartenhaus zusammenstürzten. Es arbeiten mit Ewgenij die Psychologen, die ihm begreifen helfen, sein Leben sei nicht soweit, er solle sich wegen der Behinderung zu keinen Verlierern zählen und selbst mit dem Körperschaden könne er viele schöne Dinge in seinem Leben erreichen. Neben einer schwierigen moralischen Einstellung hat der Junge mit noch einem Problem zu konfrontieren – mit der Geldnot. Er braucht die Medikamente und Prozeduren, damit sein Beinstumpf nicht anschwillt. Seine allein stehende Mutter ist so gut wie machtlos, alle dringlichen Bedürfnisse zu decken.

Jewgenij lernt im orthopädischen Zentrum, heute

Der Mangel am Sonnenlicht kann eine Blume welken lassen. Und sollte sie wiederum genug Strahlen bekommen, regeneriert sich die Pflanze und erfreut die Augen mit bunten duftenden Blüten. Ein schweres Lebensdrama liess Ewgenijs Seele „welken“. Liebe Spenderinnen und Spender! Wenn jeder von uns dem Jungen auch ein kleines Strahlchen seiner Herzensgüte, Aufmerksamkeit und Verständnis schickt, bekommt sie sicherlich einen Schwung, weiterzumachen und sich stärker als alle sie bombardierenden Herausforderungen zu erweisen!