«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Galina Taranjuk

geb. 1970

Ehemann Anatolij

geb. 1967

 

   Galina (geb. 1970) und Anatolij leben in der kleinen Siedlung Perwomaiskoje im Nikolajewer Gebiet. In diesem Dorf herrscht hohe Arbeitslosigkeit, wovon auch die Familie Taranjuk nicht verschont bleibt. Anatolij jobbt ab und zu als Bautischler und Galina ist ein paar Mal im Jahr als Verpackerin in einem Zuckerbetrieb beschäftigt. Diese minimalen Einkommen bilden das Familienbudget.
   Eines Tages wurde Anatolij übel und er spürte starke Schmerzen im Unterleib, woraufhin er das Bewusstsein verlor. Seine Mutter rief den Notdienst und der Mann wurde in die Notaufnahme gebracht. Die Diagnose lautete Bauchfellentzündung. Mittlerweile hat Anatolij zwei Operationen hinter sich. Ihm musste ein Teil des Magens und des Zwölffingerdarms herausoperiert werden. Die ganze Behandlung kostete eine grosse Summe Geld, doch das Familienbudget war vollkommen aufgebraucht.
 Aljona (geb. 1995), die einzige Tochter von Galina und Anatolij, studiert Geschichte und Rechtswissenschaft an der Universität in der Stadt Nikolajew. Für die hohen Studiengebühren muss die Familie selber aufkommen, doch damals stand die Gesundheit Anatolijs im Vordergrund. Galina wandte sich an alle nicht gleichgültigen Schweizer Bürger und bat um Hilfe für ihren Ehemann.
  Dank deren Spenden konnte Anatolij mit allen lebensnotwendigen Medikamenten versorgt werden und kam dadurch wieder auf die Beine. Mittlerweile ist der Mann wieder zu Hause, hält sich an eine strenge Diät und wird regelmässig vom Arzt untersucht. Von dem gespendeten Geld konnte die Familie Taranjuk auch alle offenen Rechnungen für Strom und Gas bezahlen sowie die Fahrtkosten für die Untersuchungen in der Klink. Anatolij und seine Familie bedanken sich herzlich bei allen Spendern für ihre Hilfe, welche alle Behandlungen ermöglicht und somit das Leben des Mannes gerettet haben.

 

 




Der letzte Schritt zum Überleben

 

   Das Grundgesetz der meisten Länder der Welt – die Verfassung – garantiert jedem Menschen das Recht, vom Staat ordentlich geschützt zu werden. Deshalb können wir, die Steuerzahler, uns darauf verlassen, dass unser Land in einer Notlage für uns sorgt. In der westlichen Welt ist dies eine selbstverständliche Praxis; das kann man leider nicht von der Ukraine mit ihrer schwachen Wirtschaft sagen. Einige Dinge, die sich dort abspielen, stehen in diametralem Gegensatz zu den westeuropäischen traditionellen Vorstellungen von Humanismus, elementarer Erziehung und Verantwortung, weil das Sozialsystem nicht ausreichend finanziert ist. Hier einige Beispiele.

   Ein junger Mann wurde mit einer Appendizitis (Blinddarm-Entzündung) in eine städtische Klinik eingeliefert. Seine betagte arme Mutter lebt in einer anderen Region und hatte keinerlei Möglichkeit, ihrem Sohn den lebensrettenden Noteingriff zu finanzieren. Die Ärzte sagten, dass sie gar nichts unternehmen werden, bis die Zahlung nicht erfolgt sei. Auch wenn es sich empörend anhört, hielten sie ihr Wort…

Glückliche Familie beim Picknick, 2001

   Früh am Morgen kam der Mann unter grossen Schmerzen mit 37 Jahren ums Leben, und es blieb eine unheilbare Wunde im Herzen seiner untröstlichen Mutter. Es gibt Tausende ähnlicher Geschichten, die die totale Ungerechtigkeit in der ukrainischen Gesellschaft deutlich demonstrieren. Hat jemand kein Geld, muss er bereit sein, sich mit allem abzufinden, auch wenn es um das Wichtigste – um seine Existenz auf der Erde – geht. Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Artikel bitten wir Sie um Ihre Aufmerksamkeit für Anatolij Taranjuk (geb. 1967). Der Mann befindet sich schon seit einigen Tagen im Spital. Mit der Diagnose Bauchfellentzündung überstand er bereits zwei Operationen. Sein Zustand bleibt ernst. Und wie die Erfahrung zeigt, wird er nur in dem Fall erfolgreich weiter behandelt werden, wenn seine Familie zahlen kann. Sie ist aber bereits völlig ohne Mittel. Den Mut verlieren? Sich damit abfinden? Auf gar keinen Fall! Wir hegen grosse Hoffnung, dass Herr Taranjuk, Familienvater, geliebter Ehemann und ganz generell ein guter Mensch, mittels unserer Herzensgüte dank Ihrem Engagement, liebe Leserinnen und Leser, nicht sterben muss und am Leben bleibt.

Aljonas Schulabschlussfeier, 2012

Vor dem Unglück

   Da Anatolij im Moment nicht in der Lage ist, mit uns zu reden, sammelten wir die Informationen über ihn bei seiner Frau Galina (1970). Sie erzählte uns viel von ihrem Leben im Dorf, von ihrer 20-jährigen Tochter Aljona, von Familientraditionen und vieles mehr. Im Dorf Perwomaiskoje, wo die Familie lebt, gibt es kaum Möglichkeiten zum Geldverdienen. Während die Tochter an der Uni studiert, sind die Eltern offiziell arbeitslos. Galina hat einen saisonalen Job und ist bei der Arbeitsvermittlungsstelle angemeldet, Anatolij erledigte gelegentliche Bautischlerarbeiten. Das Geld, das der Familie monatlich zur Verfügung steht, würde kaum für eine Person genügen, geschweige denn für drei Erwachsene. Die Kuh und der Gemüsegarten liessen Taranjuks mehrere Jahre lang keinen Hunger leiden. Das grösste Ziel Galinas und Anatolijs wäre es, der Tochter eine würdige Zukunft zu sichern. Für den Vater war und bleibt sie immer ein kleines schutzloses Mädchen, dem er jeden Morgen und vor dem Schlafengehen ein Küsschen gibt. Die pensionierte Mutter Anatolijs, Frau Nelja (geb. 1933), lebt bei der Familie ihres Sohnes und es mangelt ihr an ihrem Lebensabend nicht an der Liebe und Sorge der Kinder. „Das Wohl der Nächsten ist erstrangig. Und nirgendwo sonst bekommen sie die Liebe und Aufmerksamkeit, nur daheim“, sagte Anatolij wiederholt und als Bestätigung seiner Worte kümmert er sich selbstlos um seine allerliebsten Frauen – seine Mutter, Ehefrau und Tochter.

Furchterregende Ungewissheit

   Man weiss nie, was uns fünf Minuten später passiert. Bei Anatolij fing der Tag ganz normal an. Er machte etwas im Haushalt, während seine Frau auf Arbeitssuche war. Plötzlich überkam ihn ein stechender, unerträglicher Schmerz. Dieser war so heftig, dass der Mann seinen Körper nicht mehr beherrschen konnte. Sich den Bauch haltend kroch er ins Haus, wo seine Mutter war, doch er brachte kein einziges Wort über die Lippen. Die Rentnerin alarmierte blitzschnell den Rettungsdienst.
    Die letzten 48 Stunden kommen Galina wie ein surrealistischer Horror vor. Das alte Auto und die Milch gebende Kuh, die die ganze Familie ernährte, wurden verkauft, um die zwei Notoperationen zu finanzieren. Dem Kranken wurden Teile des Magens und des Zwölffingerdarms entfernt. Seine Behandlung ist noch längst nicht zu Ende. Es werden noch zusätzliche gezielte Eingriffe und Prozeduren folgen, dazu benötigt er noch jede Menge Antibiotika und weitere rettende Medikamente. In finanzieller Hinsicht steht die Familie Taranjuk vor dem Aus. Immer wieder verordnen die Ärzte Anatolij grosse Medikamentenlisten. Die Frau klopfte bereits an alle möglichten Türen, es wurde alles verkauft, um Anatolijs Leben ausser Gefahr zu bringen. Um dem sonst schon erschöpften Mann keinen zusätzlichen Stress zu bereiten, sagt sie ihm nicht, wie schwierig die Lage in Wirklichkeit ist. Nur wenn sie das Krankenhaus verlässt, lässt sie den Tränen freien Lauf und baut so ihre Verzweiflung und Bedrückung ab.    

Badeferien, 2008

   Alle möglichen Umfragen würden ergeben, dass das menschliche Leben das Kostbarste auf der Welt ist. Gegen alle Vernunft wird es aber manchmal in der Praxis gering geschätzt. Anatolijs Behandlung kostet keine irreal grosse Summe. Es geht aber um nichts Geringeres als um sein Leben. Die im Vorwort erwähnte alte Frau, die ihren Sohn verlor, weil sie die medizinischen Kosten nicht decken konnte, beklagt sich öfters: „Aufgrund ausbleibender Hilfe ist mir für immer mein Sohn genommen worden…“ In ihren Worten hört man so viel Enttäuschung und Bedauern! In der gleichen Situation befindet sich nun die Familie Taranjuk. Den Weg, an deren Ende „das Leben ist gerettet!“ geschrieben steht, haben sie fast überbrückt. Es bleibt noch der letzte, aber entscheidende Schritt und hier müssen sie voller Leid auf Granit beissen – sie besitzen keine Mittel mehr und dadurch wird Anatolijs Existenz grossem Risiko ausgesetzt. „Von jedem aus der Gemeinde einen Faden und der Nackte hat ein Hemd“ lautet ein Sprichwort. Es liegt, liebe Wohltäterinnen und Wohltäter, in unseren gemeinsamen Kräften, den mittellosen Kranken Herrn Taranjuk die Zielgerade – seine vollständige Genesung – erreichen zu lassen.

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Ehefrau Galina am Krankenbett Anatolijs