«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Gemeinsame Tränen, eine Hoffnung

Liebe Leserinnen und Leser, unter dem Unheil, den unzähligen Katastrophen und Unfällen, die es auf unserem Planeten ausreichend gibt, sind diejenigen, bei denen Kinder leiden müssen, am schrecklichsten. Unser Hilfswerk kann dabei nicht tatenlos abseits stehen. Äusserst dringend ist es für uns Erwachsene, nicht nach den Schuldigen zu suchen, sondern diese kleinen ungeschützten Kinder von den Schmerzen zu befreien. Man sagt, wenn ein Kind lacht, lächelt der Himmel.

Die Mutter, das Kind – zwei Menschen, eine Welt. Der Faden zwischen ihnen besteht das ganze Leben und reisst nie. Sie sind eine Einheit und erleben alles in Gemeinsamkeit. Sogar die Tränen, wenn jemandem von ihnen ein Unglück passiert. Die Familie Timoschenko, deren Geschichte im Folgenden geschildert wird, ist so ein Fall.


Alina mit der Mutter, Winter 2014

Die Mutter

Julia Timoschenko (geb. 1988) stammt aus der südukrainischen Stadt Cherson. Ihre Mutter Elena (Jahrgang 1960) zog nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahre 1986 hierher um. Von Beruf war Elena Flugbegleiterin, gab diese Arbeit aber auf, als Julia geboren wurde. Wie sich herausstellte, für immer. Die schwere Entbindung, die Schmerzen, das Geschrei des Neugeborenen. Julias erste Minuten in unserer Welt waren eine erste harte Probe. Sie wurde bei der Geburt oder gleich danach – niemand weiss es mit Sicherheit – mit Staphylokokkus, einer gefährlichen Infektion, angesteckt. Eine Blutvergiftung, die danach folgte, verschlimmerte ihre Lage: es ging um Leben oder Tod. Gott schenkte der kleinen Julia das Erste. Sie blieb am Leben. Aber als Behinderte. Die Diagnose der Ärzte war schonungslos: Invalidität. Ein Bein, an dem eine Injektion gemacht wurde, ist geschrumpft und kürzer geworden. Die entstandene Empfindungsstörung in den Zehen, die steif sind, bereitet ihr viel Mühe beim Fortbewegen. Damit hat sie sich inzwischen abfinden müssen. Wie alle Leute, träumte Julia davon, eines Tages ihre eigene Familie zu gründen. Sie traf ihren zukünftigen Mann Witalij (Jahrgang 1980) bei der Hochzeit eines Freundes von ihr. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die Güte, die er ausstrahlte, war so anziehend! Ein Jahr später feierten sie selber ihre Hochzeit.


Im Kindergarten, Dezember 2013

Das lang ersehnte Kind

    Drei Jahre lang blieben sie kinderlos. Doch am 11. Februar 2011 schenkte Gott Julia ein Mädchen. Der glückliche Vater gab dem Baby, ohne viel nachzudenken, den Namen Alina, was „edel, grosszügig“ bedeutet. Die Eltern schätzten das wirklich als Grosszügigkeit des Schicksals, jetzt zu dritt zu sein. Alina wuchs inmitten von viel Liebe auf, ihre lieben Eltern überschütteten sie mit ihrer Zärtlichkeit. Sie mochte es sehr, Spaziergänge mit dem Vater machen. Er war ihr „ständiger Begleiter“. Im alten Haus – die Familie wohnt dort im achten Stockwerk – ohne Fahrstuhl, der schon längst kaputtgegangen war, gingen sie zu zweit oft zu Fuss nach oben und nach unten. Dabei zählten sie die Stufen. So konnte das Mädchen mit ihren drei Jahren bis 20 rechnen. Und kannte schon das ganze ABC. Im Kindergarten hatte sie viele Freunde. Die Nachbarn nannten sie „die zauberhafte Kleine“, die an Feen glaubte und Wiegenlieder vor dem Schlafengehen so mochte! Alinas Augen, gross und dunkel, waren immer voller Neugier. Es gab nichts Wunderbareres, als das spielende Kind zu beobachten.

Die Tochter und die gemeinsamen Stunden zusammen – das war kleines, beständiges Familienglück. Wie der belgische katholische Ordengeistliche Phil Bosmans sagt: „Wer sich über ein Kind freut, freut sich über das Leben“. Julia lebte in grosser Zufriedenheit.


Alina mit ihrem Lieblingsspielzeug, 2013

Das Unglück wie ein Donnerschlag

Wenn das eigene Kind leidet, blutet das mütterliche Herz. Vor kurzem passierte etwas Furchtbares. Das letzte Foto dieser Broschüre spricht für sich selbst… Julia kochte Suppe und verliess für kurze Zeit die Küche. Das Kind öffnete den Backofen und stand darauf. Dabei kippte der kleine Gasherd nach vorne, weshalb der Topf auf Alina stürzte. Ihr Rücken, linkes Bein und Arm, insgesamt 40% ihrer Haut, sind stark verbrüht.
Ihr Geschrei machte Julia krank und die Tränen der Kleinen, die ihr auf die Brust fielen, vermischten sich mit ihren eigenen. Alinas kleines, ungeschütztes Herz schien bis zum Hals zu springen. Die Nachricht traf den Vater und die Oma wie ein Blitz. Die Frau rief den Notdienst. In 30 Minuten wurde die Kleine in das Kinderregionalspital der Stadt Cherson eingeliefert, wo sie momentan auf der Intensivstation liegt. Ihr Leben hängt an einem dünnen Faden. Sie sieht in ihrem Bettchen so zerbrechlich aus, dieser kleine Engel. Julia ist bedrückt. „Wurden wir mit meinem Töchterchen unter einem schlechten Stern geboren?” denkt sie nachts, auf das Ärzteurteil wartend. Sie sucht nach den richtigen Erklärungen, warum es so gekommen ist, und findet keine Antwort. Es gibt nichts Schlimmeres als Gewissensbisse. Zu Hause erwartet ihre Mutter Elena Nachrichten von Julia, die Frau Timoschenko auch pflegen muss. Sie ist nach der Entfernung der Gallenblase gesundheitlich sehr schwach.

„Durch Umgang mit Kindern gesundet die Seele“, meinte der russische Schriftsteller F. Dostojewski. Julia will ihre Tochter wieder gesund, munter und lächelnd sehen. Die Tränen kullern, aber die Hoffnung glimmt…


Alina im Krankenhaus, neulich, 2014

Alina ist das Einzige, was ihre Mutter hat, ihr grösster Reichtum. Sie hat Angst, dass sie das Mädchen verlieren kann. Die Kleine benötigt eine Reihe von wichtigen Hauttransplantationen, sowie Arzneien. Die Ersparnisse der Familie – Alinas Vater ist Bauarbeiter mit zeitweiligem Verdienst – sind erschöpft. Die kostspielige Behandlung erfordert zusätzliche Finanzmittel. Schenken Sie bitte, liebe Spenderinnen und Spender, dem Mädchen die Chance zum Überleben und helfen Sie bitte wenn möglich der Familie Timoschenko in ihrer Not!

 




Julia Timoschenko

geb. 1988

und Tochter Alina

geb. 2011

 

Julia, Alinas Mutter, ist von Geburt an behindert. Zu ihrer Familie gehren drei Personen: die kleine Tochter Alina (geb. 2011), der Mann Witalij (geb. 1980), Bauarbeiter von Beruf, und die pensionierte Mutter Elena (geb. 1960). Ihrer Familie ist ein Unglck passiert. Auf dem Gasherd stand ein Topf mit dem Mittagessen fr die Familie. Julia war mit dem Zubereiten fast fertig und ging kurz aus der Kche hinaus. Alina schlich zu jener Zeit in die Kche hinein. Gedankenlos nherte sie sich dem Gasherd, ergriff die Backofenklappe und zog das Trchen gegen sich. Der wackelige Herd gab nach, kippte und liess den Topf runtergleiten. Der siedende Inhalt des Topfs wurde ausgerechnet auf Alinas Rcken verschttet. Als Folge erlitt die Kleine 40 Prozent Verbrennungen. Aus dem Spendengeld der wohlttigen Schweizer Gnner wurden Hauttransplantationen bezahlt. Zwar bleibt die Frage des Erwerbs der Kompressionskleidung fr das Kind immer noch offen, aber die Familie Timoschenko ussert ihren Dank fr alles, was fr ihre Tochter gemacht wurde.