«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Leonid Wasilenko,

geb. 1991

   Leonid kommt aus der Region Cherson, die im Süden der Ukraine liegt. Der Mann hat seine Frau Irina (geb. 1991), zwei Kinder Irinas und den gemeinsamen Sohn Nikolaj (geb. 2016). Er musste im Dorf schwer schuften, um die Familie ernähren zu können. An jenem unglückseligen Tag lud er Steine auf den LKW und verlor für einen Augenblick die Aufmerksamkeit. So fiel ein Stein herunter und schlug stark auf Leonids Bauch. Danach bekam der Mann Schmerzen in der Bauchspeicheldrüse und sein Bauch schwoll von Tag zu Tag immer mehr an, so dass Leonid in die Klinik gehen musste. Dort wurde bei ihm Pankreatitis diagnostiziert. Die Lage wurde durch das Absterben der Zellen der Bauchspeicheldrüse erschwert. Nach der erfolglosen medikamentösen Behandlung wurde die nötige Operation durchgeführt, für die alle geringen Ersparnisse der Familie ausgegeben wurden.
Im Moment ist das Wohlbefinden Leonids deutlich verbessert. Dank den Spenden der Schweizer Gönner wurden die lebenswichtigen Medikamente rechtzeitig besorgt: Antibiotika, Verbandstoff, Schmerzmittel. Zurzeit regeneriert der Mann zu Hause, dort legt er selbstständig die Verbände an. Nach sechs Monaten muss Leonid im Krankenhaus planmässig untersucht werden. Er hat keinen festen Job und arbeitet bei seinen Dorfgenossen im Haushalt, nur leichteste Arbeiten erledigend. Das geringe Einkommen deckt manchmal nicht einmal die Kosten für das Essen. Die Arzneien sind für die Familie unerschwinglich.
Leonid wendet sich an die Wohltäter aus der Schweiz mit der Bitte, ihn bei der Medikamentenbesorgung (Ziehsalben, Verbandstoff und Tabletten) zu unterstützen.

   






An einem Wendepunkt des Lebens

   Jeder Mensch hat seine eigenen Ziele, Sorgen und Pflichten. Oft denken wir, dass alles nur von uns abhängt und wir unsere Handlungen nur ordentlich planen müssten, um ein angemessenes und ruhiges Leben zu haben. Aber wie sieht es in der Wirklichkeit aus? Verschiedene unerwartete Situationen können uns arg überraschen und manchmal sind sie gar nicht gut. Teils verändert sich das Leben danach völlig und nimmt eine ganz andere Richtung. Ein bekannter Volksmund lautet: „Der Mensch denkt, Gott lenkt.“ Immer wieder berichten wir Mitarbeiter der SOS GERASJUTA Stiftung viel über Geschichten von Menschen, deren Leben nach einem bestimmten Ereignis von Grund auf neu beginnen musste. Meistens geschieht dies leider durch das Ausbrechen schwerer Krankheiten. Es spielt keine Rolle, ob es um eine Amputation, andere Arten von Operationen oder sonstige komplizierte Behandlungen geht – all dies hinterlässt seine Spuren im Schicksal eines Menschen. Im Folgenden wollen wir Ihre Aufmerksamkeit, liebe Leserinnen und Leser, im Rahmen der „Retten Sie Leben!”-Aktion auf die Geschichte des jungen Mannes Leonid Wasilenko, der sich in Todesgefahr befindet und mit allen Mitteln zu einem gewöhnlichen Leben in Ruhe und Freude zurückkehren will, lenken.

Der glückliche Erstklässler Leonid mit seiner Grossmutter, 1. September 1998

“Das sind meine Kinder”

   Leonid und Irina (beide geb. 1991) trafen sich vor drei Jahren auf einer Party bei Freunden. Die jungen Leute fanden schnell, dass sie die Richtigen für einander sind. Zwei Kinder aus Irinas erster Ehe – Artjom und Karina – waren kein Hindernis für ihre Beziehung. 2016 erlebte die Familie ein freudiges Ereignis: ihr Sohn Nikolaj wurde geboren. Allerdings machte der Familienvater keinen Unterschied zwischen den beiden „fremden“ Kindern und dem „eigenen“ und betreute alle drei gleich liebevoll. Dieses Streben nach einer freundlichen und glücklichen Familie kann wohl mit der komplizierten Kindheit von Leonid erklärt werden. Sein Vater verliess die Familie, die Mutter ertrank ihren Kummer im Alkohol. So begann Leonid im Alter von nur 15 Jahren, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Jugendliche schwor sich, dass die Zukunft seiner Kinder einmal glücklicher als seine eigene sein wird…
   Ein zuverlässiges Fundament unter den Füssen zu bauen war keine einfache Sache. Der Verdienst der Familie besteht nur aus Leonids Lohn (er hatte ein unbeständiges Einkommen als Hilfsarbeiter) und Irinas kleiner Entlohnung für das Schuften auf dem Feld. Die Familie war nicht im Geringsten in der Lage, ein eigenes Haus zu kaufen, so mietete sie eine kleine Wohnung im Dorf Stepanowka. In der Familie herrschten immer Liebe und Verständnis. Das Paar musste sein Glück allein meistern, auch in der Not, weil gar keine Unterstützung von aussen zu erwarten war.
   Das bescheidene Budget deprimierte aber weder die Eltern noch die Kinder. Leonid brachte Artjom und Karina Angeln und Jagen bei. Vorigen Sommer fuhr die Familie ans Meer, das eine Fahrstunde vom Wohnort entfernt liegt. Niemand ahnte, was der nächste Sommer der Familie bringen würde.

Seine Ehefrau Irina und sein kleinster Sohn Nikolaj, Sommer 2017

Wenn “Gottes Finger“ versagt

   “Gottes Finger“ – so wurde die Bauchspeicheldrüse metaphorisch in einem alten Buch genannt. Tatsächlich erfüllt dieses kleine, weniger als 100 Gramm schwere Organ viele lebenswichtige Funktionen: es trägt zur Verdauung bei und reichert das Blut mit Insulin an. Wenn diese Arbeit gestört wird, können sich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und Zuckerkrankheit entwickeln. Eine lebensbedrohliche Situation entsteht erst dann, wenn Drüsenzellen abzusterben beginnen. Pankreasnekrose wird am häufigsten bei jungen Menschen mit Erkrankungen dieses Organs diagnostiziert. Die Überlebenschancen danach sind dann optimistisch, wenn mit der Therapie nicht gewartet wird.
   Leonid beschwerte sich schon früher über Bauchschmerzen, aber ein Termin beim Arzt war, nach Meinung des jungen Mannes, Geld- und Zeitverschwendung. Leider vergessen die Eltern nach der Geburt eines Kindes, sich um sich selbst zu kümmern und denken dabei: “Was kann mir Schlechtes passieren?” Ihre Sorge für die Kinder verdrängt die übrigen Gedanken, besonders die an das eigene Wohlbefinden. Diese väterliche Fürsorge Leonids spielte ihm also einen grausamen Streich, denn die Erkrankung der eigenen Bauchspeicheldrüse war schon damals fortgeschritten. Der letzte Strohhalm wurde ironischerweise ein Unfall im Steinbruch, wo Leonid arbeitete. Der Mann versuchte einen grossen Stein in den LKW zu laden, dann verlor er die Kontrolle. Der schwere Gegenstand fiel auf seinen Bauch und traf das kranke Organ. Nach dem Vorfall wollte sich Leonid zu Hause ausruhen, doch der Bauch schwoll an und verursachte unerträgliche Schmerzen. Die Frau verstand, dass die Situation immer gefährlicher wurde und rief sofort den Notfalldienst.
   In ernstem Zustand wurde Leonid in die chirurgische Abteilung des Chersoner Regionalkrankenhauses gebracht. Die Ärzte diagnostizierten beim jungen Mann Pankreasnekrose. Jede Verzögerung war gefährlich. Die Mediziner begannen sofort mit den Rettungsmassnahmen, doch die Familie hatte keine Mittel dafür. Das Krankenhaus stellte einige Medikamente bereit, deren Vorrat schnell erschöpft war. Die Ärzte versuchten mit Arzneien, den Mann wieder auf die Beine zu bringen. Leider ergaben ihre Bemühungen keine guten Resultate. Leonid musste eine Notoperation überstehen. Der Eingriff wurde im letzten Moment durchgeführt, die Überlebenschancen wären sonst gleich null gewesen. Doch die weitere Behandlung ist wegen dem Mangel an Finanzen unmöglich. Das Leben des Familienvaters hängt immer noch am dünnen Faden, seine Frau pendelt zwischen dem Mann und den drei Kindern hin und her und weiss keinen Rat für Leonids Situation.
   Laut dem Arzt gleicht Leonids Zustand einer Waage, auf deren beiden Schalen das Leben und der Tod des jungen Mannes liegen. Die verordnete Therapie könnte den Familienernährer auf die Beine bringen und muss unbedingt weitergeführt werden. Jeder Tag ohne die notwendigen Medikamente kann fatale Folgen nach sich ziehen.

Leonid im Spital, heute

   Die Krankheiten kommen meist heimtückisch. Schweres Leid kann aussergewöhnlich bösartig sein und jemandem den Boden unter den Füssen wegziehen. Es ist echtes Glück, wenn einem in der Not jemand an der Seite steht und die Hand reichen kann. Was aber soll man tun, wenn man selber der einzige Rückhalt für seine Familie ist? Genau solch eine Stütze war Leonid für seine Angehörigen. Gestern, bei der Einschätzung der ernsthaften Situation, bat der behandelnde Arzt uns, seinen Patienten nicht im Stich zu lassen, weil niemand ausser der SOS GERASJUTA Stiftung ihm Beistand leisten kann. Heute schreiben wir diese Broschüre über Leonid Wasilenko, der hofft, noch ein langes Leben vor sich zu haben und geniessen zu können. Das volle Engagement unseres Teams und Ihr Mitmachen, liebe Gönnerinnen und Gönner, würde für den jungen Mann die Rettung bedeuten.