SOS GERASJUTA Obdachlosen-Hilfe, Walerij Djatkow, geb. 1963

         

«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Walerij Djatkow,

geb. 1963

 

   Ende 2016 ging Walerij von der Arbeit heim. Der Mann stolperte und fiel unglücklich auf den Boden. Dabei verletzte er sich seine linke Hand. Als Aufseher und Arbeitskraft auf dem Parkplatz verdiente er nur einen sehr bescheidenen Lohn, der genau für die Zimmermiete und das Essen genügte. So hatte der Mann keine Mittel für die Behandlung der Hand, ausser für den Verband. Leider waren die Schmerzen von Dauer. Walerij konnte nicht mehr arbeiten und die Miete zahlen. So musste der Mann auf die Strasse. Dort verbrachte er mehrere Monate. Schliesslich durfte Walerij ins Obdachlosenheim. Damit waren aber seine Probleme nicht vorüber. Die verkrümmte Hand schmerzte ihn erneut und die Haut an den Fingern war an manchen Stellen schwarz geworden. Leider hatte das Obdachlosenheim keine Mittel für Walerijs Therapie. Walerij bat die Bürger aus der Schweiz um eine rettende Spende.
    Dank den aus der Schweiz überwiesenen Mitteln konnte Walerij Sprechstunden bei den Ärzten haben, einige Wochen lang therapiert werden und Medikamente bekommen. Seine verkrümmte Hand lässt sich nicht mehr in Ordnung bringen. Die einzige Lösung war eine Operation, wo die Sehnen chirurgisch bearbeitet werden konnten, damit zumindest die Finger beweglich werden und die immer wachsenden Nägel nicht in die Handfläche hinein wachsen. Die Ausgaben dafür wurden auch von den Spenden aus der Schweiz gedeckt. Herr Djatkow bedankt sich innig bei den Gönnern für die geleistete Hilfe.




Allem zum Trotz mit Hoffnung im Herzen

 

   Jeder von uns hat ein angeborenes Bedürfnis, zu lieben und geliebt zu werden, in einer sozialen Umgebung integriert zu sein und dort anerkannt zu werden. In unserer Welt, wo der Mensch und sein Leben das oberste Gut sind, zeigt sich aber zunehmend eine bedauernswerte Tendenz – Hass und Gleichgültigkeit seitens der Gesellschaft denjenigen gegenüber, die aus verschiedenen Gründen aus der Bahn des Lebens geschleudert worden sind und nun zu den Obdachlosen zählen. Laut den jüngsten Umfragen zu dieser Gruppe Menschen ist in der Ukraine nur jeder zehnte Kommentar positiv. Unter den neun anderen kann man öfters etwas Ähnliches wie „selber schuld“, „ist mir egal“, „es ist kein Mensch mehr“ hören. So kommt es leider dazu, dass unsere Mitmenschen, die im Leben einfach nur weniger Glück hatten, verachtet und ignoriert werden, auch wenn sie sehr stark leiden, krank sind oder sogar ihre Existenz auf dem Spiel steht. Die Geschichte von Walerij Djatkow illustriert genau diese schockierende Realität unserer Gesellschaft. Liebe Spenderinnen und Spender! Wir empfehlen folgenden Artikel Ihrer Aufmerksamkeit!

   Das Nikolajewer Obdachlosenheim dient als Zuhause für mehrere Männer, die bis vor kurzem, vernachlässigt und vergessen, unter freiem Himmel leben mussten. Diese Institution, auch mit schwacher staatlicher Finanzierung, betrachten sie als Lösung fast aller Probleme. Bevor sie ins Heim durften, hatten viele bereits vergessen, wie schön es ist, in einem Bett einzuschlafen und dreimal täglich frisch gekochtes Essen zu bekommen. Mehrere Jahre lang waren harte Sitzbänke, karge Keller, Reste im Müll und nur seltene Spenden der Passanten ihre Realität.
   „Nicht ihre feierliche Freude über für uns ganz selbstverständliche Dinge ist am bewundernswertesten, sondern ihre Reaktion auf eine höfliche Anrede, auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Am Anfang konnten sich fast alle unsere Schützlinge nicht mehr erinnern, wann sie zum letzten Mal respektvoll behandelt worden waren und wie es überhaupt ist, in den eigenen Augen und in denen der anderen als Person vorzukommen. Mehrmals mussten wir beobachten, wie sie in Tränen ausbrachen, als man sie verständnisvoll und nett ansprach“, teilte uns Heimleiterin Frau Olga Wostrikowa mit.
   Nicht allen gelingt es jedoch, sich über die geänderten, positiven Umstände ihres neuen Lebens zu freuen, denn die meisten sind gesundheitlich stark angeschlagen. Einige von ihnen schafften es nicht unbeschadet durch den frostigen Winter, kriegten erfrorene Beine, mussten Amputationen überstehen oder wurden Invaliden. Die anderen sind Opfer von Angriffen von Hooligans, die sich besonders gnadenlos gegenüber Obdachlosen erweisen, geworden. Es gibt noch welche, die durch einen Unfall behindert und gleich darauf obdachlos wurden. Sowie diejenigen, die fleissig arbeiteten und aus ihrem Leben etwas Schönes machen wollten und bei denen alles auf einmal wie ein Kartenhaus zusammenfiel. Walerij Djatkow ist hierfür das treffende Beispiel.

Walerij freut sich über Lebensmittel – ein Geschenk der SOS GERASJUTA Stiftung, neulich


Schmerzhafte Gegenwart ohne Zukunft

   Mit so pessimistischen Worten lässt sich Walerijs heutige Situation be- und überschreiben. Der einst glückliche Mann hatte Familie, zwei Kinder und einen Job. Leider ist es so geschehen, dass die Ehe nicht hielt und Walerij ausziehen musste. Der Mann ging nach Russland, wo er in Sibirien als Schlosser zehn Jahre tätig war. Die Frau wollte keinen Kontakt zu ihrem Ex-Mann pflegen. Die Kinder schlugen sich auf die Seite der Mutter und strichen den Vater aus dem Gedächtnis. Nachdem Walerijs Arbeitsvertrag 2010 ausgelaufen war, musste er in die Ukraine zurück. Hier mietete er sich ein Zimmer und arbeitete als Aufseher auf einem Parkplatz, wo er auch putzte. Der Verdienst genügte knapp für Miete, Essen und Fahrkosten. Es ging über Walerijs Vermögen, auch nur kleine Ersparnisse zur Seite zu legen, so klein war sein Lohn. Ende 2016 ging der Mann spät am Abend von der Arbeit heim und stolperte im Dunkeln. Beim Fallen wurde seine linke Hand stark in Mitleidenschaft gezogen. Er dachte am Anfang, es sei nichts Schlimmes und die Schmerzen würden bald verschwinden. Leider lag er da falsch. Ein paar Tage später musste der Arme ins Krankenhaus, wo ihm ein Verband angelegt wurde. Auf der Arbeit musste Walerij Zwangsurlaub nehmen. Die Hand heilte nicht. Arbeiten durfte der Mann dadurch auch nicht. Es gab kein Geld mehr, weder für die Behandlung noch für die Zahlung der Miete. Eine Weile später musste Walerij voller Verzweiflung auf die Strasse. Dem 54-jährigen Mann, der jahrelang gearbeitet und sich selbst versorgt hatte, fiel es unglaublich schwer, sich dem neuen Leben mit seinen fast tierischen Gesetzen anzupassen. Einem Leben, in dem er auf einmal in den Augen der Gesellschaft zum geächteten Taugenichts wurde, wo es niemanden interessierte, was ihn schmerzt und ob er etwas braucht. Die staatlichen Institutionen unterstützen die Obdachlosen auf der Strasse finanziell leider nicht. Der Krieg im Osten des Landes und die tiefgreifende wirtschaftliche Krise erschöpfen das Staatsbudget total.
   Neulich verschlimmerten sich die Schmerzen mit bisher unerhörter Wucht. Zudem merkte der Mann, dass seine Finger an manchen Stellen schwarz wurden. Eine mitleidige Passantin rief den Notdienst und bestand darauf, den Mann in die Klinik zu bringen. Dort wurde Walerijs Hand untersucht und die Ärztemeinungen gingen auseinander – einige Chirurgen bestanden auf einer vollständigen Amputation, andere halten es für möglich, mit einer erfolgreichen Therapie das Problem zu lösen und Walerijs Hand zu retten. Das Ärzteteam half dem Mann mit dem Umzug ins Obdachlosenheim. Es ist eher Glück und die Ausnahme, dass einem Obdachlosen so stark geholfen wird.
   Walerij durfte ins Heim. Das Leben auf der Strasse ist zu Ende, doch damit sind seine Sorgen leider nicht vorbei. Seine verkrümmte, unerträglich schmerzende Hand lässt ihn keine ruhige Minute haben. Sollte Herr Djatkow nicht in kürzester Zeit therapiert werden, hat er keine Chance mehr, dass seine Hand erhalten bleibt. Eine Handamputation wäre für Walerij nicht das Schlimmste. Denn es besteht die grosse Gefahr von Gangränen und einer Blutvergiftung, was selbstverständlich sein weiteres Leben aufs Spiel setzen würde.

Walerij im Hof des Obdachlosenheimes, vor kurzem

    Liebe Wohltäterinnen und Wohltäter! Im Rahmen der Nationalfeiertag-Aktion werden wir alle höflich aufgefordert, unsere gemeinsame Aufmerksamkeit auf das ernsthafte Problem der ukrainischen Gesellschaft – den unmenschlichen Lebensstandard der Obdachlosen – zu lenken. Einer von denen, unser Protagonist Walerij Djatkow, musste an seinem Leibe erfahren, wie hart und gnadenlos das Leben manchmal sein kann. Jede unsere auch noch so kleine Spende kann seine ansonsten trostlose, traurige Zukunft von Grund auf ändern und alle zusammen können wir an einem sehr edlen und würdigen Anliegen – der Rettung einer hilflosen Seele – teilhaben.