«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Ekaterina Gowor

geb. 2017

Maksim Koschlakow

geb. 2015

 

 

   Ekaterina und Maksim sind Schützlinge des Nikolajewer Kinderheims. Das Mädchen wurde der Mutter weggenommen. Die Frau ist drogensüchtig und erfüllt ihre Sorgepflicht nicht. Die Kleine wurde mit dem Entzugssyndrom geboren und leidet unter einer Verzögerung der Körperentwicklung.
Maksims Mutter liess ihn vor dem Krankenhaus und interessiert sich nicht mehr für ihn. Bei dem Buben wurden Tuberkulinkonversion und ein offenes ovales Fenster im Herzen diagnostiziert.
   Im Moment finden die Gerichtssitzungen statt, wo den Müttern das Elternrecht entzogen wird. Die Kinder brauchen eine medikamentöse Behandlung, die Einnahme von Vitaminen sowie Untersuchungen bei Fachleuten und vollwertige Ernährung. Die Heimverwaltung wendet sich an die Spender aus der Schweiz und bittet um Hilfe für Ekaterina und Maksim.

   

 




Hört das Kinderleid endlich auf?

   „Kleine Kinder, kleine Sorgen; grosse Kinder, grosse Sorgen“. Diese sprichwörtliche Wahrheit klingt zwar ziemlich kategorisch, die Realität hat aber Gegenbeweise parat. Bei manchen beginnen die grossen Sorgen leider von klein auf… Ekaterina Gowor ist erst zwei Jahre alt, Maksim Koschlakow ist vierjährig. Die beiden haben noch nicht richtig angefangen zu leben, und schon haben sich ihnen viele Probleme in den Weg gestellt, die nicht einmal jeder Erwachsene in den Griff bekommen könnte. Verehrte Leserinnen und Leser! Beurteilen Sie bitte selber – diese zwei kleinen Menschen wurden von ihren Familien verleugnet, erbten von ihren sozial schwach gestellten Eltern gesundheitliche Probleme und mussten lernen, das wärmste Wort überhaupt, nämlich „Mama“, in Pluralform zu verwenden – so sprechen sie die Gesamtheit der Erzieherinnen des Waisenheims an. Der nun folgende Bericht gewährt einen ausführlichen Einblick in die herzergreifende Geschichte Ekaterinas und Maksims.

Руслана и Эльдар на прогулке, 2016

Ekaterina Gowor erholt sich nach dem Mittagessen, Sommer 2019

 

Эльдар и Руслана на природе, осень 2017

Maksim Koschlakow hegt die Hoffnung auf liebende Familie, Juni 2019

 

Die Mutter bevorzugte Drogen

   Man nennt Kinder mit gutem Grund „Früchte der Liebe“. Meistens werden sie auf starken gegenseitigen Wunsch der beiden Ehepartner geboren und bekommen schon ab den ersten Lebensstunden in Hülle und Fülle Umsorgung, Pflege und wie selbstverständlich auch Liebe und Aufmerksamkeit. In Ekaterinas Familie hiess man ihre Geburt aber nicht willkommen. Die Mutter konsumiert seit Jahren Drogen und gewöhnte sich die Sucht selbst während der Schwangerschaft nicht ab – der wachsende Bauch und ihr Baby waren für sie kein ernsthaftes Argument dafür! Die schädlichen Stoffe zehrten stark an der Gesundheit des Neugeborenen – das Kind erblickte das Licht der Welt mit Untergewicht und Störungen der körperlichen Entwicklung. Die Frau akzeptierte die Tochter nicht, sie hatte nicht die geringste Vorstellung davon, wie sie ihr Baby erziehen muss. Ihre Hauptsorge war, täglich berauscht zu werden. Mit dieser unglaublich bedenklichen Einstellung ging sie den Problemen aus dem Weg und liess sich davon nicht belasten.
         Mitleidige Nachbarn alarmierten das Kinderamt. Ekaterinas Wohnbedingungen wurden gleich darauf geprüft. Das Gesehene versetzte die Beamten in Schrecken – die Kleine war total vernachlässigt, sie schien enorme Angst vor allen zu haben. Kein Wunder – das Mädchen blieb die ganze Zeit im Haus eingesperrt, Zärtlichkeit und soziale Kontakte kannte sie nicht. Bald schon erfuhr sie, wie angenehm es ist, liebevoll behandelt und ordentlich gepflegt zu werden – Ekaterina wurde ihrer Mutter weggenommen und fand ein neues, freundliches und, was noch wichtiger ist, sicheres Zuhause im Nikolajewer Kinderheim. Es kostet die Nannys viel Mühe und Geduld, ihren neuen Schützling zu integrieren und ihn von den Ängsten zu befreien.          Ekaterina kann nichts dafür, dass ihre Mutter einst auf die schiefe Bahn geriet, sie muss aber die Folgen ihrer Sucht tragen – sie bleibt in der Entwicklung zurück, wiegt weniger als es normal wäre, ihr erschöpfter Körper holt sich öfters langwierige, kraftraubende Erkältungen. Das Kind benötigt mehrere Medikamente, Vitamine und Arztuntersuchungen.

Verleugnet, verlassen, vergessen

            Unfruchtbarkeit ist die blutende Wunde im Herzen vieler Frauen. Sie würden alle Schätze der Welt auf dem Altar der Mutterschaft bereitwillig darbringen. Es gibt auf der anderen Seite leider Frauen, die ihr Kind als Bürde betrachten und es so schnell wie möglich loswerden wollen. Die Mutter unseres zweiten Helden Maksim (geb. 2015) ist mit ihrem empörenden Verhalten Teil dieser deprimierenden Sorte. Gleich nach der Entbindung verliess sie ihren Sohn. Der Grund: Sie hatte schlicht keine Lust auf das Baby, es lief ihrer Lebensweise zuwider. Aus dem Geburtshaus musste der Junge direkt ins Spital – bei ihm wurden ein offenes ovales Fenster im Herzen und Primärtuberkulose diagnostiziert. Erst nachdem die Proben keine Bazillen mehr anzeigten, durfte das Kind ins Waisenheim. Maksim geniesst den Ruf eines netten, offenen, weitherzigen Heimbewohners. Betritt eine Erzieherin das Schlafzimmer, läuft er als Erster in ihre Arme und schwärmt mit seiner süssen Stimme, wie arg er sie über die Nacht vermisst habe. Seine Mutter meldete sich nicht ein einziges Mal, sie scheint den Sohn ein für alle Mal aus ihrem Leben gestrichen zu haben. Je älter die Kinder werden, umso mehr bekommen sie das zu spüren. Erst später werden sie sich Gedanken machen und sich auch die Schuld dafür geben, als ob bei ihnen etwas nicht stimmen würde und dies nur, weil sie von ihren allernächsten Leuten gleich nach der Geburt verleugnet, verlassen und dann vergessen wurden.          Maksims Gesundheit ist leider nicht tadellos, er braucht ärztliche Behandlung, Vitamine, vollwertige Nahrung. Das sind die Voraussetzungen für eine gesunde Zukunft.

 

Пара влюбленных в канун Нового года, 2017

Maksim und Ekaterina warten auf Unterstützung von Spendern, Aufnahme von heute

Эльдар в реанимации, сегодня

Die Heimerzieherin Tatiana Andrijewskaja umarmt die Kinder, vor kurzem

Übrigens...

  Bei der Sammlung der Informationen für diesen Artikel befragten wir die Verwaltung des Heimes, wie sie die Zukunftsaussichten ihrer Schützlinge einschätzt. Natürlich tun die Mitarbeiter alles Mögliche, um das viele Leid, das die Kinder in ihrer frühen Kindheit erfahren haben, lindern zu helfen. Hinter dem hohen Zaun des Heimes, ohne das Vorbild ihrer Eltern, die sie unter normalen Umständen auf das Erwachsensein vorbereiten hätten sollen, werden sie zu unsicheren, mit Blick auf die Zukunft desorientierten jungen Leuten, die beim Erreichen der Volljährigkeit mit ihrem Leben gar nichts anfangen können. Manche finden vermeintlichen Trost in gesundheitsschädlichen Gewohnheiten, andere fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gestossen und begehen Verbrechen; ungewollt schwanger gewordene junge Frauen geben ihre Kinder in Waisenheimen ab und wiederholen damit die Fehler ihrer Mütter. Der Teufelskreis sorgt dafür, dass immer mehr Unschuldige in dasselbe erbarmungslose Spiel verwickelt werden, wo sie für die Sünden ihrer Eltern die Konsequenzen tragen müssen und damit auch die eigenen Kinder das gleiche Schicksal erleiden lassen. Gibt es hier eine Lösung? Ja klar! Die erste kommt, wenn die Eltern zum Schluss gelangen, ihre Fehler zu bedauern und das Kind zurückzugewinnen. Das kommt aber äusserst selten vor und gilt eher als ein Sonderfall. Die zweite Variante – die Adoption – wäre für Heimkinder eine echte Erlösung. Seien wir aber ehrlich! Welches Kind hat mehr Chancen, neue Eltern zu kriegen – ein gesundes oder ein krankes? Die Antwort liegt auf der Hand…


Im Rahmen der 1.August-Aktion fühlt sich das Team der SOS GERASJUTA Stiftung verpflichtet, für eine glückliche Zukunft Ekaterinas und Maksims eine Spendensammlung in die Wege zu leiten. Wir hoffen, unser Einsatz wird den Anfang ihrer positiven Lebenswende bedeuten und wir laden Sie herzlich ein, werte Wohltäterinnen und Wohltäter, mitzumachen!