«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   







Gaar Daniil

geb. 2011

Rasskasowa Diana

geb. 2012


   Nach der Entscheidung der Kinderamtsvormundschaft wurde Daniils Mutter ihr elterliches Recht entzogen. Seitdem befand sich das Kind im Heim der Stadt Nikolajew. Die Einrichtung bekommt vom Staat nur eine karge Finanzierung und hatte kaum die Möglichkeit, Daniil behandeln zu lassen. Der Junge bleibt in seiner Entwicklung zurück, dazu leidet er noch an Rachitis zweiten Grades und an Schielsehen. Um diese gesundheitlichen Probleme zu lösen, benötigte der Knabe teure medizinische Mittel. Das zweite Kind Diana, das psychische Störungen hat und geistig zurückgeblieben ist, brauchte auch eine kostspielige Therapie.
   Die Heimerzieherin wandte sich an die Schweizer Wohltäter mit der Bitte, ihren Zöglingen finanziell zu helfen. Ihr Anliegen wurde erhört: Dank dem Beitrag aus dem Ausland wurden die nötigen Medikamente für diese Kinder gekauft. Daniil und Diana fühlen sich viel besser und bei ihnen ist eine positive Dynamik feststellbar. Neulich wurde Daniil adoptiert und seine neuen Eltern kümmern sich ordentlich um den Jungen. Diana bleibt immer noch im Heim. Die Verwaltung des Nikolajewer Kinderheims dankt allen gutherzigen Leuten aus der Schweiz für die Förderung.

 

 

 




Zwei Geschichten, ein Schicksal


Daniil und Diana im Kinderheim, Sommer 2014

   Laut Statistik leben in der Ukraine ungefähr 1 Million kinderlose Ehepaare. Gleichzeitig aber werden jährlich mehr als 8000 Kinder Waisen, weil die leiblichen Eltern sie im Stich lassen.

   Die heilige Schrift lehrt uns, sich um den eigenen Nachwuchs zu kümmern: „Kann eine Frau ihren Säugling vergessen, so dass sie sich nicht des Sohnes ihres Leibes erbarmte?“ (Jesaja 49:15). Bedauerlicherweise befolgen viele so genannte „Mütter“ und „Väter“ diese weisen Worte nicht und geben ihren Kleinen zu wenig Fürsorge. Dann greift der Staat ein: Die Kinder werden den Eltern weggenommen und in Kinderheime geschickt. Bei schrecklichen Umständen zu Hause erleiden solche Kinder ein starkes psychisches Trauma, mit dem das Personal von Waisenhäusern klarkommen muss. Und was, wenn das Kind noch Gesundheitsprobleme hat? Das ist für gewöhnlich wie ein Urteil, weil niemand es dann adoptieren will. Diesen Benachteiligten versuchen wir, die Mitarbeiter der karitativen Organisation „SOS GERASJUTA Stiftung“, mit Ihrer Hilfe, liebe Leserinnen und Leser, Beistand zu leisten. Wir haben mit der Leiterin und der Erzieherin des Kinderhauses der Stadt Nikolajew gesprochen. Die zwei nun folgenden Geschichten werden bestimmt Ihre Herzen so wie unsere berühren.


Daniil beim Spielen

Eine Kindheit voller Leiden

   Das fröhliche hübsche Gesicht auf dem Foto ist das Resultat der dreijährigen intensiven Bemühungen der Heimmitarbeiter. Im April 2011, als die Direktorin der Anstalt Daniil Gaar (geb. 2011) aufnahm, war er starrköpfig und verschlossen. „Er biss die Leute, als müsste er sich gegen alle wehren. Das war ein grosses Problem“, teilt uns die Erzieherin Olga Bondar mit. Sie denkt, das habe viel mit seinen vergangenen dramatischen Erlebnissen zu tun. Seine Mutter ist kein gutes Vorbild für elterliche Fürsorge. Allem Anschein nach war es ihr einziger Zweck, das Kindergeld vom Staat zu bekommen, an dem Knaben zeigte sie gar kein mütterliches Interesse. Daniil war oft alleine und wurde ohne jegliche Aufsicht gelassen. Ausserdem waren die hygienischen Verhältnisse höchst mangelhaft. Schliesslich trennte das Sozialamt den Buben von seiner Mutter. Seitdem befindet er sich unter der Vormundschaft von erfahrenen und toleranten Facherzieherinnen. Seine Mutter hat ihn bis jetzt nicht einmal besucht. Über den Vater fehlt auch jede Information.
   Jetzt ist Daniil hilfsbereit und neugierig, er schätzt das ihm gegenüber gezeigte freundliche Verhalten und die Herzlichkeit. Ein sehr seriöses Hindernis bleibt nur seine Gesundheit. Wie die meisten Kinder aus zerrütteten Familien, hat Daniil mehrere Beschwerden – schielende Augen, Herzund Lungenprobleme, Rachitis (Knochenerkrankung). Der grosse Rückstand in der Sprachentwicklung konnte einigermassen korrigiert werden: In der letzten Zeit zeigt sich eine positive Dynamik und der Bub benützt mehr Wörter und Wortverbindungen, wenn er spricht. Doch um eine Perspektive auf Genesung zu bekommen, braucht der 3-jährige Knabe eine effiziente medikamentöse Behandlung. Das ist seine letzte Chance auf eine bessere Zukunft, in der er vielleicht jemanden „Papa“ und „Mama“ nennen darf…


Die Kinder mit der Heimerzieherin Olga Bondar

Von Anfang an in ständigem Kampf

   Diana Rasskasowa (Jahrgang 2012) stammt aus einer Familie, in der das Unglück zu Hause ist. Das Mädchen hat noch 6 Brüder und Schwestern. Das Einzige, was sie verbindet, ist ihre alkoholsüchtige Mutter. Die Väter sowie die Krankheiten sind verschieden. Die 2-jährige Diana ist die kleinste von allen Geschwistern. Sie wurde zu früh geboren, das winzige Baby wog nur 1,2 Kilo. Nur Gott weiss, mit welchem Glück das arme Kind am Leben blieb. Das hätte vielleicht ihre Mutter erzählen können, aber sie verzichtete auf ihre kleine Tochter. Im Geburtshaus versprach Sie, die Kleine in näherer Zukunft zurückzunehmen. Aber es verging mehr als ein halbes Jahr, und man hörte nichts mehr von ihr.
   Diana ist ein nettes, aber sehr empfindliches Mädchen. „Wenn man ihr nur „es ist nicht erlaubt“ sagt, bricht sie schon in Tränen aus“, erzählt Frau Bondar. Am Anfang war es sehr scheu und zeigte fast keine anderen Emotionen ausser Angstgefühl. Jetzt ist das Kind ausgeglichener geworden, und wenn es freundlich lächelt, kann man sich vor Entzücken nicht zurückhalten. Aber Diana ist immer noch nicht ganz aufgeschlossen, zu wenig kontaktfreudig und spielt am liebsten alleine. Die andere Eigenartigkeit, die im Heim gleich bemerkbar wurde, war Dianas Benehmen am Tisch. Sie ass mit grosser Gier, verschlang das Essen schnell, als ob ihr der Teller jede Sekunde weggenommen würde. Sie benutzte auch kein Besteck, sondern griff mit blossen Händen nach dem Essen. Die Mitarbeiter der Anstalt wissen nicht Bescheid, wo die Ursache dafür liegt.
  Sie können nur vermuten, dass die Kleine Zeiten erlebt hat, in denen sie hungern musste. Das Hauptproblem bei Diana ist ihre grosse Entwicklungshemmung. Ihre intellektuelle Fähigkeit bleibt auf niedrigem Niveau, sie vergisst schnell den bereits gelernten Stoff und ist zu wenig konzentriert. Den Unterricht mag sie aber und wartet jedes Mal mit Ungeduld darauf. Das Mädchen hat neulich angefangen, ein bisschen zu sprechen. Es sind erst ganz simple Worte, aber das ist schon ein gutes Zeichen. Wie für Daniil ist es auch für Diana notwendig, eine rechtzeitige Kur zu bekommen. Aus dem kargen staatlichen Budget werden kaum Mittel für die Bedürfnisse von Obdachlosen und Waisen bereitgestellt und Hilfe ist von niemandem zu erwarten.


Diana auf der Schaukel

   In unserer unsteten Zeit ist kaum jemand so ungeschützt wie die Kinder. Während die Erwachsenen imstande sind, für sich selbst zu sorgen, brauchen die Kleinen in erster Linie unseren Beistand. Die Lebensgeschichten von Daniil Gaar und Diana Rasskasowa sind ein anschauliches Beispiel dafür, wohin Gleichgültigkeit und Verantwortungsmangel führen können. Es liegt in unseren Händen, die kleinen Leute aus ihrem Tal voller
Entsetzen, Leid und Einsamkeit herauszuholen. Liebe Leserinnen und Leser, das Schicksal hat diese Waisen ihrer glücklichen Kindheit beraubt. Wir sollten auf keinen Fall abseits stehen. Schenken wir ihnen die Hoffnung auf ein weniger sorgenvolles und gesundes Dasein!