«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Maxim Gontscharenko,

geb. 2013

Daria Tugolukowa,

geb. 2013

 

   Maxim und Daria sind Schützlinge des Nikolajewer Kinderheims. Der Junge hat die Kinderlähmung, aber mit positiver Dynamik, und das Mädchen psychomotorische Störungen sowie eine verzögerte Körperentwicklung.
   Darias Mutter ist alkoholsüchtig, der Vater sitzt im Gefängnis. Maxims Eltern verzichteten auf ihn. Dass Maxim selber gehen kann, ist der Verdienst des Heimpersonals, aber der Junge bleibt in der Entwicklung zurück. Beide Zöglinge brauchten Vitamine sowie das Gehirn und die Psyche stimulierende Präparate. Die Verwaltung des Heimes bat die Schweizer Gönnerinnen und Gönner um Spenden für die Besorgung der Arzneimittel für Maxim und Daria. Die gespendeten Mittel wurden für notwendige Medikamente ausgegeben. Sie hatten sehr positive Auswirkungen auf ihre kindlichen Organismen und den Kindern geht es seitdem gesundheitlich wesentlich besser. Dafür äussert das Team des Heimes grosse Dankbarkeit.

 

       

 



Von den Eltern verstossen


Daria und Maxim beim Spielen, 2016

   Gibt es etwas Schlimmeres für ein Kind? Vor allem im jungen Alter, wenn es besonders verletzlich und auf Liebe angewiesen ist?
   Liebe Leserinnen und Leser, jedes Mal, wenn wir über die Heimkinder berichten, ziehen wir automatisch den Vergleich zu Kindern, welche in einer liebevollen Familie aufwachsen dürfen. Diese Gegenüberstellung ist unvermeidlich, denn man kann das Leiden eines Kindes nicht ausblenden. Wenn wir das Wort „Kind“ hören, assoziieren wir es mit Freude, Glück und Unbeschwertheit. Als Elternteil kommt einem auch sogleich die Verantwortung in den Sinn. Dies war leider nicht der Fall bei den Eltern der beiden Schützlinge Daria Tugolukowa und Maxim Gontscharenko (beide geb. 2013), welche wir Ihnen nachfolgend gerne vorstellen möchten.


„Ich kann selber gehen!“ Klein-Maxim auf einem Spaziergang, 2016

„Verlassene Prinzessin“

   Die Gruppe „Kinder unter vier Jahren“ ist eine ganz besondere im Nikolajewer Kinderheim. Die meisten sind zwei- oder dreijährig und obwohl sie noch mit der kindlichen Naivität durch die Welt wandern und an Wunder glauben, beginnen sie doch schon vieles zu verstehen. Besonders die Sehnsucht nach einer Mutter, welche sie in jeder Zelle ihres Körpers spüren, wird unbändig. Sobald eine Frau - sei es eine Mitarbeiterin des Hilfswerks oder eine Besucherin - das Spielzimmer betritt, laufen die Kleinen voller Aufregung auf sie zu, wie ein Vogelschwarm auf der Suche nach einem Brotkrümel. Im Fall der Heimkinder ist der Brotkrümel die lang ersehnte Wärme und mütterliche Liebe. Und so stehen die kleinen Wesen um die fremde Frau und halten sich an ihren Beinen fest. Erst wenn die Erzieherin ihnen sagt, es handle sich nur um einen Gast, lockern sie ihre Umarmungen und entfernen sich. In ihrem Blick erkennt man dann eine Traurigkeit, welche es so in keinen Kinderaugen geben dürfte.
   Genau so erging es auch Daria, dem hübschen kleinen Mädchen mit dem traurigen Blick. Die Enttäuschung darüber, dass wieder keine potenzielle Mutter aufgetaucht war, war gross und sie brach in Tränen aus. Sie fragte unsere Mitarbeiterin, ob sie sich auf ihren Schoss setzen dürfte. Gewiss nahm sie das Mädchen in die Arme und es schmiegte sich zärtlich an sie.
   Daria wurde in einer Familie mit schwierigen Verhältnissen geboren. Beide Eltern waren alkoholabhängig, weshalb man ihnen das Sorgerecht entzog. Das Mädchen leidet an psychisch bedingten Sprachstörungen und ist in der Entwicklung ein wenig zurückgeblieben. Die Verwaltung des Kinderheimes hat Darias Mutter noch nie gesehen, weil sie ihre Tochter noch kein einziges Mal besucht hat. Ihr Vater sitzt momentan seine Freiheitsstrafe im Gefängnis ab.


Daria mag Schaukeln, 2016

Kämpfer von klein auf

    Vorsichtig wischte sich Daria die Tränen aus den Augen, als ihr gesagt wurde, dass man von ihr ein Foto für gutherzige Menschen in einem fernen Land machen wolle. Die Kamera weckte ihre Neugier, sie stimmte zu und rief nach Maxim. „Werden Sie auch ein Foto von Maxim machen?“ fragte sie. Der dreijährige Junge Maxim – unser kleiner Kämpfer, wie wir ihn alle nennen – kam langsam auf und zu. Die Tatsache, dass er sich selbstständig fortbewegen kann und seine Beine ihm gehorchen, erfüllte uns mit Bewunderung. Der Junge leidet nämlich an zerebraler Kinderlähmung, doch dank einer langen Therapie und eiserner Willenskraft zeigt sich eine positive Dynamik in seinem Krankheitsverlauf. Er schloss sich erst kürzlich der Gruppe „Kinder unter vier Jahren“ an, nachdem er aus der Rehabilitationsklinik ins Nikolajewer Kinderheim versetzt worden war. Die Umstellung war nicht einfach für den Jungen, doch Daria war ihm eine grosse Hilfe und beschützte ihn, wenn andere Kinder zu grob zu ihm waren. Die Erzieherin Olga Seraschowa hat beobachten können, wie Maxim mit der Zeit kräftiger geworden ist und gelernt hat, sich selbst zu wehren. Er kann zwar noch nicht sprechen, doch er versteht alles. Wir wissen nicht, ob er sich an seinen jüngeren gelähmten Bruder erinnern kann. Beide Jungs wurden gehbehindert geboren, doch der Jüngere wird bedauerlicherweise nie auf die Beine kommen. Sie wurden beide von ihrer überforderten Mutter ins Kinderheim abgegeben. Obwohl Maxim von seiner leiblichen Mutter verstossen wurde, sehen wir das Glück auf seiner Seite, da er trotz seiner Krankheit das Gehen gelernt hat.
   Daria und Maxim wurden beide im September im Jahr 2013 geboren und konnten bereits einen Geburtstag gemeinsam im Nikolajewer Kinderheim feiern. Daria wusste genau, was sie sich wünscht: Sie möchte, wie alle Heimkinder, in einer liebevollen Familie leben. Da Maxim noch nicht sprechen kann, schwieg er und man konnte nur Vermutungen anstellen, was sich im Kopf des kleinen Jungen während des Festes abspielte.


„Wer reicht mir die Hand, die mich nie loslässt?“


Heimerzieherin Olga Seraschowa mit ihren Zöglingen, Herbst 2016

   Liebe Gönnerinnen und Gönner, Daria und Maxim sind in jenem zarten Alter, in dem man alles wie ein Schwamm aufsaugt. Die schmerzliche Erfahrung des Verlassenwerdens, welche beide haben machen müssen, hinterliess Spuren in ihren kleinen Herzen. Eine Adoption steht momentan ausser Frage. Zuerst müssen sich die gesundheitlich angeschlagenen Kleinkinder mithilfe verschiedener Medikamente und Ernährungstherapien erholen. Wir hoffen, dass Sie die Schützlinge dabei unterstützen und sie so eines Tages, mit ein wenig Glück, in eine fürsorgliche Familie kommen und eine glückliche Kindheit erleben dürfen.