«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Kristina Pipka,

geb. 2013

Michail Browko,

geb. 2014

 

 Kristina und Michail, Schützlinge des Nikolajewer Kinderheims, wurden dort von ihren Müttern zeitweilig angemeldet. Sie sollten ihre Probleme lösen und die Kinder wieder abholen. Leider passierte das nicht. Michails Mutter ist alkoholsüchtig. Ihr wurde das Elternrecht entzogen.
   Michail, ein kränkliches Kind mit kombinierter Immunschwäche, hatte auch psychisch-sprachliche Störungen. Kristinas Mutter liess sie und den neugeborenen Sohn im Kinderheim. Kristina erkrankte zweimal hintereinander an Bronchitis, brauchte Vitamine und die Verdauung fördernde Präparate.
   Die Verwaltung des Heimes bat die Schweizer Gönnerinnen und Gönner um Spenden für die Besorgung der Medikamente für Kristina und Michail. Die beiden Kinder wurden therapiert und mit mehreren Präparaten versorgt, wofür das Heimpersonal herzlich dankt. Mittlerweile wurde Michail von einem verantwortlichen und liebevollen Ehepaar adoptiert und bei Kristina ist eine positive Dynamik bemerkbar.

   
       




Ewige Einsamkeit unter den Menschen

   Diese Menschenwesen sind inmitten der anderen immer einsam. Sie befinden sich hinter keinen vergitterten Fenstern, aber im geschlossenen Raum und ständig mit der Wand abgesperrt. Man liebt und bemitleidet sie, aber nicht wie die eigenen, sondern wie die fremden. Sie nennt man oft die Krankheit der Bevölkerung, das soziale Unheil, der gesellschaftliche Schmerz. Die Rede geht um die Schützlinge der Kinderheime. Wie wohnen diese Armen, und was geschieht ihnen im Laufe des Lebens? Der glücklose Lebensweg beginnt bei einigen schon in der Geburtsklinik. Es ist ein häufiger Fall, wenn eine minderjährige Mutter ungewolltes Kind zur Welt bringt. Aus dem Entbindungsheim geht solche neugebackene Mutter ohne ihr unschuldiges Baby heraus. Hier wirken weder Überredungen der Ärzte noch nettes Gesicht des Kleinen. Dann geriet verleugnetes Kleinkind in einigen Tagen ins Kinderheim. Und diesen Stempel drückt man für ein ganzes weiteres Leben auf. Es ist zu berücksichtigen, dass es leider auch eine andere Kategorie der Zöglinge gibt, deren Schicksal sich meistens viel prekärer gestaltet, sie geraten in den obenerwähnten Ort aus den zerrütteten Familien. Nur der Gott weiss, wie viele Nackenschläge des Unverständnisses und der Übeltaten sie für ihr kurzes Erdenwallen einsteckten. Unsere Hauptfiguren in heutigem Artikel sind Kristina Pipka (2013) und Michail Browko (2014), und gerade ihre Lebensgeschichte wollen wir, liebe Leserinnen und Leser, Ihrer Aufmerksamkeit eben vorstellen.


Unsere Bekanntschaft mit Kristina, Frühling 2016

   Wir wissen nicht, welche Umstände die Eltern dazu zwingen, auf ihre eigenen Kinder zu verzichten. Als Kristinas Mutter in eine ausserordentlich schwierige materielle Lage geriet, hat sie sich entschieden, ihre Kleine ins Internat abzugeben. Wir können nur vermuten, wie stark die Befindlichkeitsstörung, die durch Enttäuschung und Beleidigung geäussert wurden, im winzigen Herzchen des Mädchens stürmte. Dasjenige Gefühl, wenn man dem Menschen, mit dem man vor nicht allzu langer Zeit als ein Ganzes war, den man mit den brennenden Augen beobachtete und an seine Musterhaftigkeit glaubte, wird egal, und alles stürzt wie ein Kartenhaus zusammen. Unsere 2-jährige Kristina wurde kurz nach dem Neujahr im Nikolajewer Kinderheim verlassen. Als sie so eine riesige Erschütterung erlebte, wurde ihr Organismus schwächer. Und für so kurzen Zeitabschnitt hat sie sich schon zweimal Bronchitis zugezogen. Obwohl Kristina wieder gesund ist, fehlen ihr doch Vitamine für die Kräftigung des Immunsystems und des Verdauungstrakts. In einem so jungen Alter war es der Kleinen vorausbestimmt, solche furchtbare Sache wie Verrat zu erfahren. Aber zum Glück machten alle diese Schwierigkeiten ihre Innenwelt nicht hart und trübselig. Sie ist doch ungeachtet dessen nicht einsam. In diesem Heim hat man dieses Mädchen nicht allein geherbergt, sondern mit dem jüngeren neugeborenen Bruder. Die Erzieherin Ljubow Kusmenko hat uns erzählt, wie sie einige interessante Szenen erlebte, wo Kristina mit ihrer aussergewöhnlichen Weisheit und Verantwortung faszinierte. Als das Geschwister ins Internat gebracht wurde, verliess das Schwesterchen den Buben sogar für eine Weile nicht: Weinte er, so wog sie ihn ein oder gab ihm eine Milchflasche.


Michail auf dem Schoss der Erzieherin, neulich


   Und wenn man das Mädchen badet, nimmt die Kleine eine Seife und wäscht selbst ihr Kleid. Es ist sehr traurig, wenn so junge Seele auf sich die Pflichten der Erwachsenen übernimmt. Ist es nicht eine zerstörte Kindheit? Kristina wirkt als ein sehr offenes Menschchen. Als wir zu ihr zu Gast kamen, begrüsste sie uns mit einem Strahlelächeln. Ohne Angst nahm sie unseren Mitarbeiter an die Hand und zeigte ihm alles, was sie für interessant hielt. Dank ihrer Offenheit konnte sie sich schnell zu neuen Umständen einleben und sich mit vielen anderen Schützlingen befreunden, obwohl es am derartigen Ort ziemlich problematisch sein könnte.


Kristina und Michail in der Gruppe, vor kurzem


   Michail Browko so wie Kristina Pipka entbehrte Nächste nicht vollständig. Zuerst hat Michails Mutter ihn und seine Schwester Natalja (2012) nur zeitlich ins Kinderheim angemeldet. Aber kurz darauf wurde eine Entscheidung getroffen, ihr die Elternrechte wegen ihrer Neigung zum Trinken zu entziehen. Alkoholabhängige Eltern ist eine äusserst fürchterliche Erscheinung, denn es geschieht ganz häufig, wenn sie die Existenz der Kids glatt vergessen und die Kleinen ohne geringste Pflege lassen. Nicht selten werden grausame Szenen der Gewalt vor kindlichen Augen geführt, und die Kinder werden sogar zu deren Opfern. Allen sind solche Fälle bekannt, wenn diese armen erschöpften Geschöpfe im schweren Zustand in die Krankenhäuser geraten. Und was mit dem psychischen Trauma? Ob es der Beschädigte aus dem Gedächtnis verliert? Wie kann man dann weiter leben? Es bleibt uns nur hoffen, dass brüchige Psyche imstande sein wird, alle negativen Spuren selbständig zu beheben. Einige Unterschiede im Verhalten dieser zwei Zöglinge fallen sofort auf. Michail verhält sich zu den Fremden sehr stutzig und lässt keinen nahen Kontakt zu. Er hat sich an neulich entstehenden Aufenthalt noch nicht gewöhnt und ruft immer noch nach seiner Mutter. Mit Rücksicht auf die vorigen Lebensbedingungen leidet der Junge am kombinierten Immundefekt, er wurde sogar in der Hauptstadt Kiew untersucht. Ausserdem hat er psychisch-sprachliche Störungen und braucht Vitamine, insbesondere Kalzium und Biopräparate.


Die Kinder bei unserem Besuch, Frühling 2016

   Warum können die Menschen so gleichmütig leben, dabei wissen sie doch, dass es ganz in der Nähe leidende und kranke Kinder gibt? Und sie unternehmen keinen Versuch, um ihnen mindestens eine geringe Hilfe zu leisten. Warum lehrt man uns in der Schule nicht, barmherzig zu sein? Warum fordert uns nur einer der hunderten Werbefilme zur Rettung der Notleidenden auf? Wahrscheinlich passiert es darum, dass die meisten von ihrem Naturtrieb zehren. Sie wollen gar keine Anstrengungen machen, um sich aus der Gefangenschaft ihres Irrtums zu befreien. Liebe Spenderinnen und Spender, jeder von uns verfügt über die Kräfte, die wir daran richten können, um in den Herzen dieser besonderen Kinder nochmals die Hoffnung darauf zu entflammen, dass unsere Gesellschaft auf sie nicht verzichtet und nur das gönnt, um Seelenschmerz von diesen Kindern heilen zu helfen.


Michail und Kristina beim Spielen, 2016