«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   







Pronzewitsch Alla

geb. 2012

Altuchow Nikita

geb. 2013


 Alla und Nikita waren Schützlinge des Nikolajewer Kinderheims. Die Mutter der kleinen Alla hat sie zweimal hintereinander im Heim abgegeben und sich seitdem nicht mehr gemeldet. Der Junge befand sich seit August 2015 im Heim, weil sein Vater im Gefängnis ist.
 Beide Kinder waren auf medikamentöse Behandlungen und teure Präparate angewiesen. Alla hat einen angeborenen Herzfehler und Nikita Probleme bei der Sprachentwicklung. Zudem leidet sie an Schielsehen. Vom Staat werden nur geringe Mittel für Heimkinder zur Verfügung gestellt.
 Dank der finanziellen Hilfe aus der Schweiz bekamen die Kinder die nötigen Therapien und Behandlungen und ihr allgemeiner Zustand verbesserte sich. Im Zeitraum von zwei Monaten wurden Alla und Nikita von netten Ehepaaren adoptiert. Das Team des Kinderheimes äussert allen Wohltätern aus der Schweiz, die den Kindern die dringend nötige Hilfe zur rechten Zeit geleistet haben, seine Dankbarkeit.

 


 

 




Der Osternsammlung gewidmet



Eine zerstörte Kindheit?



Alla und Nikita mit der Heimerzieherin, Anfang 2016

   Liebe Leserinnen und Leser, waren Sie irgendwann selber einmal in einem Kinderheim? Man bekommt verschiedene Eindrücke und erlebt viele Emotionen bei solchen Besuchen und muss immer mit den Tränen kämpfen, wenn man die Schwelle eines Waisenheims überschreitet. Man gibt sich unzähligen Empfindungen hin. Ungeachtet der Gepflegtheit des Heimes und der Gemütlichkeit der Zimmer, wo die Schützlinge ihre Zeit beim Spielen verbringen, herrscht doch eine Atmosphäre der Schwermut und Verlassenheit, abzulesen in den Augen der Heimzöglinge, die einen am Anfang mit aufmerksamem, forschendem und neugierigem Blick betrachten. Manche sind völlig versunken in eine Traurigkeit, die sie wie eine Mauer umgibt. Unsere Sorgen sind im Gegensatz dazu nichts, wenn wir sehen, wie junge Wesen leiden müssen. Die Verspieltheit in jungen Jahren kann die Probleme nicht verbergen, weil dann, nach zehn, fünfzehn Jahren, das selbständige erwachsene Leben beginnt und man mehr Dornen als Rosen trifft. Was wird aus jedem von diesen Kindern, wenn sie das Heim und dann das Internat verlassen werden? Und wenn manche dazu noch angeborene Krankheiten haben oder behindert sind? Wir können ihnen von ganzem Herzen nur wünschen, auf ihrem Lebensweg gute Leute zu treffen. Vielleicht werden gerade Sie ein solcher Mensch für die kleinen Alla Pronzewitsch (2012) und Nikita Altuchow (2013). Im Rahmen der Ostersammlung erzählen wir Ihnen ihre Geschichten.

Ewige Sehnsucht nach Herzenswärme

   Unter den Schützlingen des Nikolajewer Kinderheims sind Kinder-Invaliden, mehrere von ihnen sind Waisen, die sich hier Tag und Nacht aufhalten. Die anderen Behinderten kommen hierher, um sich behandeln zu lassen. Es kehrt einem das Herz im Leibe um, wenn man sieht, dass Alla und Nikita im Heim aufwachsen. Beide gehören zur zweiten Gruppe „Kinder unter vier Jahren“ und stammen aus zerrütteten Familien.
   Die 3-jährige Alla ist ein verstossenes Kind; dazu hat das Mädchen einen angeborenen Herzfehler. Schon kurz nach der Geburt hat die Mutter ihre zweimonatige Tochter weggegeben. Das Baby verbrachte ein Jahr in der Gruppe der „Neugeborenen“. Nach einem Jahr, als das Kind ein bisschen grösser wurde, kam die ihre Pflichten vernachlässigende Mutter wieder ins Heim, um es wieder mitzunehmen. Doch nach einiger Zeit geriet die Kleine erneut ins Waisenheim. An den ersten Verrat ihrer Mutter hatte sich Alla aufgrund ihres Säuglingsalters bestimmt nicht erinnern können. Aber was ist mit dem zweiten? Wenn es wahr ist, was Psychologen behaupten, nämlich, dass man sich ab dem Alter von circa drei, vier Jahren an Dinge erinnern kann, wird nur allzu verständlich, was die kleine Alla gespürt hat, als sie zum zweiten Mal verlassen wurde… Die Mutter zeigt seitdem keinerlei Interesse mehr an der Tochter. Momentan wird die Frage des Entzugs ihres Elternrechts gelöst. Alla…Sie liess sich so gern von uns in den Arm nehmen. Mit ihren dunklen grossen Augen beobachtete sie sehr wachsam das Geschehen. Ihr herzliches Lachen erwärmte unser Herz.
   Den kleinen Nikita haben wir auch in diesem Winter kennengelernt. An der Hand einer Betreuerin wurde er ins Zimmer geführt und begrüsste uns mit seinem lauten „Hallo!“. Der 2-jährige Junge ist ein geistig zurückgebliebenes Kind, hat sprachliche Störungen und schielt. Das Nikolajewer Kinderheim wurde sein Zuhause. Man weiss nichts von seiner leiblichen Mutter, weder ihren Namen noch Wohnort, das Sozialamt und die Verwaltung des Heimes wissen nicht einmal, ob sie am Leben ist oder nicht. Nikitas Vater ist verurteilt und büsst eine Freiheitsstrafe ab… Die Betreuerin Olga Siraschowa hat Folgendes von den Kids erzählt: “Wir nennen sie „Geschwister”, denn sie haben es gern, zusammen zu spielen und sie besitzen gleiche Charakterzüge. Beide sind lebhaft. Alla liebt den Tanz und diese Tätigkeit liegt ihr richtiggehend im Blut. Sie mag das Film-Märchen „Einhorn“, und daraus ist ihr Lieblingsspielzeug ein Pferdchen (auf dem Foto). Nikita ist ein sehr fröhliches Kind, er lacht sehr viel. Schlechte Laune hat er nie. Sie spielen am liebsten draussen an der frischen Luft, deswegen warten sie mit Ungeduld auf warme Frühlingstage. Sie sind unsere zwei kleinen Sonnenscheine“.
   Bei ihr, schien uns, spüren Alla und Nikita so etwas wie Geborgenheit. Olga Siraschowa sowie die Heimleitung machten auf uns einen sehr guten Eindruck. Bei jedem Besuch hat man das Gefühl, dass den Menschen dort die Kinder wirklich am Herzen liegen, und sie im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten das Beste für sie tun. Die talentierten Pädagogen begleiten ihre Zöglinge mit viel Liebe und Geduld auf dem Weg des Lebens.


Alla „reitet“ das Pferdchen, ihr Lieblingsspielzeug, Anfang 2016


   Liebe Spenderinnen und Spender, diese zwei oben erwähnten Schützlinge benötigen ständig Therapien. Die Unterfinanzierung der ukrainischen Heime erlaubt es nicht, immer alle nötigen Arzneien für Kinder zu besorgen. Wir wollen nicht zulassen, dass die Hoffnungen dieser kleinen Seelen zu Bruch gehen. Im Voraus danken wir allen, die durch ihre Hilfe Kindern eine bessere Zukunftschance ermöglichen wollen. Unsere fruchtbare Zusammenarbeit wird dank Ihrer edlen Wohltätigkeit bestimmt Früchte tragen.



Nikita beim Spielen, Anfang 2016


    Das Nachwort:
– Hallo, ist dies eine Fundstelle?,- fragte eine Kinderstimme am Telefon.
– Stimmt, Kleiner. Hast du etwas verloren?
– Ich habe meine Mutter verloren. Ist sie nicht bei Ihnen?
– Und wie sieht deine Mama aus?
– Sie ist schön und gutherzig.
– Ja, wir haben gerade gestern eine Mutter „gefunden“, vielleicht ist sie deine. Von wo rufst du eigentlich an?
– Aus dem Kinderheim.
– Gut, wir „schicken“ dir deine Mutter ins Heim, warte nur.
Man legte auf.
…Sie kam in sein Zimmer herein – die schönste und die beste Mutter auf der Welt.
– Mama!, - schrie der Kleine und stürzte sich auf sie. Er umarmte sie mit solcher Kraft, dass seine Fingerchen blass wurden. – MEINE Mama!!
… Am nächsten Morgen wachte das Kind von seinem eigenen Schrei auf…



Zöglinge des Kinderheimes bei der Brotzeit


   Solche Träume haben bestimmt viele Heimkinder. Alla und Nikita sind keine Ausnahme. Bis sie irgendwann adoptiert werden, müssen sie therapiert und gesund werden...