«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Natalja Ruzkaja,

geb. 1977

 

   Die kinderreiche Familie von Natalja Ruzkaja besteht aus acht Kindern: den zwei Söhnen Nikita (1999), Schüler der Kunstschule, und Tadeusz (2009) sowie den sechs Töchtern Wera (2001), Emilija (2003, spielt Klavier), Miloslawa (2004, mag Fremdsprachen), Karolina (2007, besucht einen Tanzzirkel), Swetlana (2010, geht in den Kindergarten) und Laura (geb. 2013, befindet sich mit der Mutter zu Hause). Wera ist seit der Kindheit behindert und geistig unterentwickelt. Nataljas Ehemann lebt zurzeit im Dorf, wo er seine kranke Schwester, die im ersten Grad invalid ist, pflegt.
   Die Familie hat kein eigenes Zuhause und mietet ein schäbiges Häuschen. Emilija, Miloslawa und Karolina haben Herzprobleme. Für eine gründliche Untersuchung und eine danach folgende Behandlung waren keine Mittel vorhanden. Das Kindergeld wird für schlichte Nahrung und die Bezahlung der Miete und Nebenkosten gebraucht. Von irgendwelcher, auch noch so kleinen Reparatur im Häuschen konnte überhaupt keine Rede sein. Natalja bat die Gönnerinnen und Gönner aus der Schweiz um eine Spende.
   Frau Ruzkaja bedankt sich bei den Gönnern für die Spende, die ihr und den Kindern überwiesen wurde.

  






Ohne Kinder keine Zukunft

    Liebe Leserinnen und Leser, Sie würden die Ansicht bestimmt teilen, dass eine Grossfamilie mit mehreren Kindern öfter vom Armutsrisiko betroffen ist als eine Kleinfamilie, egal in welchem Land. Das Schlimmste ist, wenn man zudem keine eigene Behausung hat und diesbezüglich auf Hilfe seitens der Sozialbehörden schon lange nicht mehr hoffen kann.
   Die Familie unserer Protagonistin Natalja Ruzkaja zählt acht Kinder und hat ein gemietetes, baufälliges Häuschen. Seit 14 Jahren steht sie auf der Liste der Antragsteller für eine Sozialwohnung – vergebens. Das sind die nackten Tatsachen.

Internationaler Kindertag 2007 – Nikita, Wera, Emilija, Miloslawa



Bekanntschaft mit der Grossfamilie

   „Ohne Kinder gibt es für die Menschen keine Zukunft“, sagt Natalja Ruzkaja, die Mutter von zwei Jungs und sechs Mädchen, im Privatgespräch. Alle sind da – die älteren sind gerade aus der Schule zurückgekommen, die jüngere Swetlana (2010) wurde aus dem Kindergarten abgeholt. Sie drängen um die Mitarbeiter der SOS GERASJUTA Stiftung, neugierige Blicke auf uns werfend. Diese rothaarigen Köpfchen, diese niedlichen Gesichter mit Sommersprossen – sie können niemanden kalt lassen. „Meine rothaarige kleine Sonne“, sagt Natalja liebevoll und streichelt über den Kopf der kleinen Laura (geb. 2013). Der Sohn Tadeusz (2009) – er sieht Natalja sehr ähnlich – hat heute Kontrollarbeiten in Mathe gehabt; er ist immer noch ernst, in seine Gedanken vertieft und denkt darüber nach, ob er alle Aufgaben richtig gelöst hat. Die ältere Wera (2001), Invalide seit Geburt (geistige Unterentwicklung), wurde von der Mutter aus dem Krankenhaus, wo sie planmässig von einer Ärztekommission untersucht wird, für das Wochenende abgeholt. Sie ist froh, wieder unter den Geschwistern zu sein, umarmt die Oma (den Haushalt zu bewältigen hilft auch Nataljas pensionierte Mutter) und erklärt ihr mit ihren Fingerchen (Weras Reden ist gestört), wie es ihr geht und was sie jetzt gerne machen möchte. Die beiden verstehen sich sehr gut und es scheint wirklich, dass Wörter für sie einfach nicht nötig sind... Wegen Wera gehört die Familie dem sogenannten Invalidenverein an. Das ist die einzige Organisation, die ihnen einmal geholfen hat – es gab gratis Gemüse. Noch zwei Jahre wird Wera das Rehabilitationszentrum von Nikolajew besuchen. Ihr weiteres Schicksal nach der Entlassung aus dieser Anstalt bleibt unklar…

Natalja mit dem Ehemann, Entlassung aus der Geburtsklinik, 2013


   Wie ein berühmter Mann einmal sagte: “Ehe man eigene Kinder hat, hat man nicht die leiseste Vorstellung davon, welches Ausmass die eigene Stärke, Liebe oder Erschöpfung annehmen kann”. Genau dies ist der Fall bei Natalja. Sie gesteht, sie sei mit ihren vierzig Jahren nicht mehr so aktiv, hätte schon längst aufgehört, im nahe liegenden Stadion zu rennen (das war ihr Hobby aus der Jugendzeit), aber das Ausmass ihrer mütterlichen Liebe, die sie jeden Tag ihrem Nachwuchs schenkt, erlebt und spürt sie.
   Natalja erlernte den Beruf der Näherin, derzeit ist sie im Mutterschutzurlaub mit Laura. Die kleine, auf dem Tischchen stehende Nähmaschine wird öfters zweckmässig genutzt: Die Kinder wachsen schnell auf, die Möglichkeit neue Kleidung zu kaufen gibt es kaum, so näht die Mutter oft die Sachen um. „Bei uns tragen die Kleinen die Sachen der Grossen“, sagt sie. Die barmherzige Natalja gibt auch Kleidung an die Kinder einer anderen Grossfamilie, die in der Nachbarschaft wohnt, ab. „Wenn ich sehe, dass z. B. die Jacke von meinem Sohn noch in Ordnung ist, gebe ich sie weiter“, sagt sie.
   Natalja wurde in der Stadt Nabereschnyje Tschelny in Tatarstan geboren. Seit sie denken kann, lebt sie aber in der Ukraine. Als kleines Mädchen wünschte sie sich immer Geschwister. „Ich musste als Einzelkind oft allen sein“, fährt sie fort. „In einer Grossfamilie ist immer etwas zu tun. Die vielen Kinder bringen Lebendigkeit hinein, machen das Familienleben bunt und es mangelt den Kleinen nie an Spielkameraden“, lächelt sie. Man wird sofort von dieser Atmosphäre der Freundlichkeit, Wärme und des Friedens, die in ihrem Haus herrscht, durchtränkt. „Je kaputter die Welt draussen ist, desto heller muss sie zu Hause sein“, meint Natalja. Für die gläubige Ukrainerin ist es äusserst wichtig, abends zusammen mit ihren Kids in der Bibel zu lesen oder sich religiöse Filme anzusehen. Im Leben dieser kinderreichen Eltern (der Ehegatte Fedor wohnt im Dorf Nowobogdanowka und sorgt sich zurzeit um seine behinderte Schwester, deren Vormund er ist) hat Religion einen hohen Stellenwert. Es gibt absichtlich kein Internet zu Hause, denn die Mutter will, dass ihre Kinder sich mehr auf einer geistigen Ebene entwickeln.

Emilija spielt Klavier, Ende Frühling 2017



Unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Talente

   Nicht nur der geistigen Entwicklung der Kinder widmet Natalja ihre Zeit und Stärke, sondern bemerkt auch rechtzeitig die Fähigkeiten von jedem Kind und bildet sie aus. Ohne Übertreibung sind alle Geschwister leistungsfähig. Ausser den oben erwähnten Laura, Tadeusz (der Junge treibt Ringen) und Wera gehört zur Familie noch Nikita (1999), Student eines Colleges, der die Kunstschule besucht und schon viele beachtenswerte Zeichnungen gemacht hat. Die älteren Kinder, Sohn Nikita und die Töchter Emilija (geb. 2003) und Miloslawa (2004), lernten früh, auf die jüngeren Geschwister Rücksicht zu nehmen und Verantwortung sowie Pflichten zu übernehmen. “Sogar die jüngeren Kinder haben früh Selbständigkeit gelernt”, sagt Natalja und erzählt von ihrer Tochter Karolina (geb. 2007), die selber auf dem Markt Tomatensaatgut kaufte und damit Natalja überraschte. Es wurde auf einer winzigen Scholle vor ihrem Haus gestreut, Swetlana und Karolina waren Haupthelferinnen dabei.
   Nikita hilft den Kleinen gerne mit Mathe und unterstützt sie auch in anderen Schulfächern. Miloslawa lernt im Gymnasium auf vertiefter Ebene die englische Sprache, so ist sie immer behilflich, wenn jemand Probleme mit dem Englischen hat. An der Wand des winzigen Zimmers steht ein Klavier. „Mein Zauberfreund“, sagt die romantische Emilija, schiebt den Stuhl ans Instrument und zaubert Töne aus dem Instrument. An die Füsse der tierlieben Musikerin schmiegt sich friedlich der Hund…
   Karolinas (Jahrgang 2007) Lieblingsbeschäftigungen sind Tanzen und Stricken. Vor kurzem verschenkte sie allen Herzchen, die sie selber häkelte. Symbolisch, nicht wahr? Möge diese Kinderliebe Ihr Herz auch berühren, werte Gönnerinnen und Gönner!

Alle helfen im Kleingarten, neulich


   Liebe Wohltäterinnen und Wohltäter, Natalja als mehrfache Mutter macht viel für ihren Nachwuchs. Nur in einem ist sie machtlos: Die Frage der eigenen Behausung ist aktuell, wird aber wohl noch lange in der Schublade des Sozialamtes bleiben… Daran sind wir nicht im Stande, etwas zu ändern. Aber wie der Volksmund sagt: „Von jedem aus der Gemeinde einen Faden, und der Nackte hat ein Hemd“ – mindestens die Lebensqualität (Untersuchung und Behandlung der Kinder, die Herzbeschwerden haben, kleine Reparaturen im gemieteten, baufälligen Haus) dieser Familie könnten wir mit unseren gemeinsamen Kräften verbessern. Im Voraus unseren herzlichen Dank für Ihre Spende!