«Werden Sie zum Lebensretter

und auch Ihr Leben wird dadurch

sinnvoller und reicher»

                                                                  Sergej Gerasjuta   






Natalia Unku,

geb. 1972

 

     Natalia ist eine allein stehende vierfache Mutter. Der Mann verliess die Familie, als der kleinste Oleg (geb. 2015) erst ein paar Monate alt war. Seitdem kümmert er sich gar nicht mehr um die Nöte der Kinder. Natalia und ihre vier Söhne Nikolaj (geb. 1999), Jewgenij (geb. 2009), Artem (geb. 2013) und der bereits erwähnte Oleg engen sich alle zusammen in einer reparaturbedürftigen, kaum wohntauglichen Hütte mit verfaultem Boden und löchrigem Dach in Nikolajew ein.
   Doch das grösste Problem Natalias sind nicht Geldnot und niedriger Lebensstandard, sondern die Gesundheit der Familienmitglieder. Eine Niere Nikolajs ist nämlich grösser als die andere und der Junge leidet ab und zu unter Schmerzen. Jewgenij hat chronische Bronchitis und kann nicht ohne Medikamente leben. Selbst Natalia ist keine gesunde Frau. Hoher Blutdruck, starke Rückenschmerzen und Chondrose der Halswirbel machen ihr viel zu schaffen.
    Aus den Spenden der Schweizer Bürger wurde die Dachreparatur bezahlt. Auch besorgte die Familie Lebensmittel und beglich die Rechnungen für Strom und Gas. Für all das äussert Familie Unku ihre grosse Dankbarkeit.

   


Zu Unrecht unterschätzte soziale Probleme

   So wie die meisten Länder der dritten Welt steht die Ukraine vor mehreren Herausforderungen. Zu den drängendsten zählen die akute wirtschaftliche Krise, der Krieg im Osten des Landes und der anhaltende Anstieg der Preise. Es gibt leider mehrere problematische Bereiche, deren schockierende Statistik zu Unrecht ignoriert und verschwiegen wird. Darunter sind die Einelternfamilien. Hier die neusten erschreckenden Angaben vom Ministerium für Sozialpolitik: in 1,4 Millionen der ukrainischen Familien fehlen ein oder sogar beide Elternteile. Das ist gemäss Sozialminister Andrej Rewa 22 Mal mehr als vor zehn Jahren.

   Es gibt viele Gründe, die im Prinzip jeden allein erziehend werden lassen können – Trennung, Tod des Ehegatten oder die bewusste Entscheidung, das Kind ohne Partner aufzuziehen. In 90% solcher Fälle ist es die Mutter, die die weitere Versorgung und Verantwortung für das Kind übernehmen muss. Bedauerlicherweise kommt es immer öfter vor, dass die Väter sich nicht verpflichtet fühlen, für ihre minderjährigen Kinder zu sorgen und aus Angst vor Schwierigkeiten und Geldnot die Familie einfach sitzen lassen. Für die Frau ist dies ein doppelt harter Schlag – der Verrat des Mannes einerseits und die untragbare Belastung bei der alleinigen Erziehung des Nachwuchses andererseits. Meistens führt dies zu extremer Verarmung, prekären Wohnbedingungen und einer unzureichenden Befriedigung der primären Bedürfnisse der Kinder. In totale Ausweglosigkeit getrieben wissen solche Frauen keinen Rat, was sie tun sollen, um die Kinder aus so einer misslichen Lage zu befreien.

Natalias Stolz und Trost: ihre Söhne, Sommer 2016

   Viel dramatischer wird die Situation noch, wenn Krankheiten ausbrechen und die schon elenden Umstände zusätzlich verschlimmern. Als typisches Beispiel dazu dient Natalia Unku. Die Geschichte dieser Frau illustriert Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wie unerträglich schwer es der Frau fällt, mit vier minderjährigen Söhnen mit ihren eigenen bescheidenen Kräften über die Runden zu kommen und für die Gesundheit zu kämpfen. Um den Kampf nicht zu verlieren, kontaktierte sie unser Hilfswerk. Unser Team hält es für seine bürgerliche Pflicht, Ihnen Natalias Situation in der Hoffnung auf Unterstützung näher zu bringen.

Natalia und Jewgenij, Artem sowie Oleg lassen sich bei einem Ausflug fotografieren, 2016

   Bis Spätherbst 2015 bezeichnete sich Natalia (geb. 1972) als eine glückliche und zufriedene Frau. Sie hatte einen Mann und Gott segnete sie mit vier Söhnen - Nikolaj (1999), Jewgenij (2009), Artem (2013) und Oleg (2015). Die Familie hatte schon immer materielle Schwierigkeiten und gesundheitliche Probleme, doch die Frau war fest davon überzeugt, dass sich das Leben zusammen schöner meistern lässt. Als vorbildliche Hüterin des heimischen Herdes verschenkte sie ihre Liebe und Sorge an den Mann und die Kinder und freute sich über den entsprechenden Widerklang darauf. Umso schmerzhafter traf sie die Entscheidung des Ehemannes, die Familie zu verlassen und sich von der Versorgung der Söhne zurückzuziehen. Der bis anhin liebende Vater packte die Sachen, ohne seine überraschende Handlung mit schwerwiegenden Folgen für alle zu kommentieren. Seitdem besteht seinerseits weder Interesse noch hilft er oder nimmt an der Erziehung teil… Und bei den geltenden ukrainischen Gesetzen ist es so gut wie unmöglich, von ihm irgendeine finanzielle Unterstützung zu kriegen.

Eine glückerfüllte Natalia kurz nach der Geburt des kleinsten Sohnes, 2015


   Nach diesen unerwarteten negativen Lebensereignissen konnte sich Natalia keine Zeit nehmen, um ihren tiefen Herzschmerz heilen zu lassen – sie hatte ein neugeborenes Baby auf dem Arm und musste die Verantwortung für drei ältere Kinder tragen. Das Leben wäre mehr oder weniger erträglich, wenn die Krankheiten sich nicht immer wieder in den Vordergrund drängen würden. Beim ältesten Nikolaj ist eine Niere grösser als die andere und der Junge bekommt von Zeit zu Zeit Beschwerden. Jewgenijs chronische Bronchitis erfordert ständige medizinische Behandlung. Die Mutter hat keine Mittel, die Söhne gründlich therapieren zu lassen, sie ist nur in der Lage, billige Tabletten und Schmerzmittel zu besorgen, um die Symptome zu lindern. Ihre eigenen Krankheiten machen Natalias ohnehin hartes Leben noch schwerer. Die Ursache der sie manchmal fürchterlich ans Bett fesselnden Rückenschmerzen ist immer noch nicht genau festgestellt (vermutlich Chondrose) – es gibt einfach keine Mittel für Arztbesuche. Priorität Nummer eins hat für die Mutter, dass die Kinder nicht hungern und frieren. Sind die Nahrungsmittel und Rechnungen für die Heizung und den Strom bezahlt, ist das ganze Kindergeld komplett weg. Es bleiben keine Mittel übrig für die Reparaturen der baufälligen Behausung, wo die Wände schlecht isoliert sind und das durchlöcherte Dach die Niederschläge durchlässt.

Die allein stehende Natalia mit den Kindern, vor kurzem

   Je grösser die Söhne werden, desto mehr Fragen bekommt die Mutter zu hören. Auch wenn in ihrem Haus eine väterliche Hand fehlt, tut Natalia ihr Bestes, um den Jungen werte Prinzipien beizubringen. Es ist auf jeden Fall ihr Verdienst, dass die Kinder den Vater für seinen Verzicht nicht hassen und ganz im Gegenteil ihm nur Gutes wünschen. Erste Früchte von Natalias Erziehung kann man schon sehen – der älteste Nikolaj studiert Elektromechanik an einer Fachschule und jobbte, um der Familie zu helfen, abends als Ladearbeiter. Leider taten ihm die körperlichen Belastungen nicht gut und er musste mit dieser Beschäftigung aufhören. Der Junge gibt aber seinen Traum nicht auf, seine lieben Nächsten materiell zu entlasten, um den starken Griff des Elends in seinem Zuhause zu schwächen. Deshalb sucht er nach einer neuen Arbeit. Die lobenswerte Einstellung und die guten Fortschritte der Kinder lassen Frau Unku für eine Weile ihre Schwierigkeiten vergessen und, metaphorisch gesprochen, einen Atemzug frischer Luft vor dem Wiedereintauchen in die dunklen Tiefen ihres zappendusteren Daseins schöpfen.

   Fehlendes Pflichtbewusstsein der Eltern und Vernachlässigung der Kinder ist ein ernsthaftes, stetig wachsendes Problem in der Ukraine. Zu Opfern ihrer Verantwortungslosigkeit und Apathie werden die Kinder, die nicht in der Lage sind, für sich zu sorgen und die Spirale des Elends zu durchbrechen. Die Situation von Frau Natalia Unku wird durch die Krankheiten der Familienmitglieder zusätzlich erschwert. Liebe Wohltäterinnen und Wohltäter, die oben erwähnte traurige Statistik mit den 1,4 Millionen werden wir nie grundsätzlich ändern können, doch es liegt in unseren Händen, einer unglücklichen, bereits verzweifelten Familie einen Strahl der Hoffnung aufs Bessere zu schenken!