Ludmila Sergejewa

geb. 1954

 

 Ludmila ist obdachlos. Im letzten Winter sind ihre Füsse abgefroren. Jetzt liegt sie in der chirurgischen Abteilung des Nikolajewer Spitals. Dort hat es ein Krankenzimmer für obdachlose Menschen. Wegen der Erfrierungen mussten ihr der rechte Fuss und das linke Bein amputiert werden. Nur so konnte verhindert werden, dass sich die Blutvergiftung noch weiter ausbreitet. Sie hat nie Besuch im Spital, die 54-Jährige hat niemanden. Ihr sehnlichster Wunsch ist, wenigstens an Krücken wieder gehen zu können, aber sie kann nicht einmal vom Krankenbett aufstehen. Dafür bräuchte Ludmila eine Beinprothese, doch sie kann sich nicht einmal Krücken leisten. Seit Jahren ist sie auf dem linken Auge stark sehbehindert, weil Löschkalk hinein geriet. Damals wollte sie nicht operiert werden; zu gross war ihre Angst, ganz zu erblinden. Niemand kann sagen, wie es für Ludmilla weiter geht; wo und wovon sie leben soll. Sie versucht einfach, nicht daran zu denken. Ihre letzte verbliebene Hoffnung ist die Unterstützung von fremden Menschen in der Schweiz…