Blaue Strьmpfe - Mode oder Image?

Die Entstehung englischer Salons als private und gesellschaftliche Treffpunkte für Diskussionen und Lesungen war eng verknüpft mit einem literarischen Zirkel namens „Blaustrumpf“. Dieser wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von Elisabeth Wasse und Elisabeth Montegues gegründet. Bis heute wird der Begriff „Blaustrumpf“ als abwertende Bezeichnung für unweibliche, gebildete, unattraktive und ungepflegte Frauen verwendet, die von der Männerwelt unbeachtet bleiben. Doch im England des 17. Jahrhunderts hatte der Ausdruck eine ganz andere Bedeutung. Erstmals tauchte der Begriff „Blaustrumpf” in einem Brief von Elisabeth Wasse auf, als sie die Schrulligkeit von Mr. Benjamin Stillingfleet beschrieb. Stillingfleet, ein Wissenschaftler, Botaniker, Übersetzer sowie Poet und Autor von Traktaten für Naturgeschichte, pflegte zu literarischen Themenabenden statt der bei Herren üblichen Seidenstrümpfe, einfache blaue Baumwollsocken zu tragen. Während weisse Seidensocken ein Zeichen von Adel waren, verwiesen blaue Baumwollsocken auf eine einfache Herkunft aus dem Arbeitermillieu. Ein Blick auf die Füsse reichte, um die demokratischen Überzeugungen des Gegenübers zu kennen. Der Ausdruck „Blaustrumpf” setzte sich fest in der Gesellschaft. Zuerst nannte man so die Männer, die den Salon von Wasse und Montegues besuchten. Später nannte man auch dessen Gründerinnen so, obwohl sie gar keine Blaustrümpfe trugen. Die englischen Salons wurden zu anerkannten und einzigartigen literarischen Zentren. Die Mitglieder sammelten Geld für Veröffentlichungen von Romanen, Übersetzungen und Bücherstudien.