Der Sündenbock

„Kauft nicht bei Juden!“ hiess es plötzlich vor 70 Jahren auf vielen Plakaten in Deutschland. Ganz so „plötzlich“ geschah das allerdings nicht. Hitler hatte schon lange gegen die Juden, der „Rassentuberkulose der Menschheit“, wie er sie nannte, gehetzt. Auch war er nicht der erste Judenfeind. Schon seit 1700 Jahren verfolgten die sogenannten „christlichen Völker“ Europas die von ihnen als „Mörder Christi“ bezeichneten. Für alle Unzufriedenheit mit der eigenen, häufig schlechten wirtschaftlichen Situation machte man sie haftbar. Die Mächtigen lenkten gern Wut, Hass und Neid der unzufriedenen Massen gegen jene Aussenseiter, um vom eigenen Versagen abzulenken. Immer wieder wurden die Juden dafür zum „Sündenbock“ gemacht. Einst war in biblischer Zeit der Sündenbock jenes symbolträchtige Tier gewesen, auf das Israel vor Gott seine Sünden abladen durfte. Nun war es selbst zum Sündenbock geworden. Und Hitler führte die Judenverfolgung einem neuen, schrecklichen Höhepunkt entgegen. Mit dem Judenboykott am 28. März 1933 begann es und in den Gaskammern endete jene Orgie des Hasses, deren sich die Deutschen noch heute schämen müssen.

„Sündenbock“-Denken ist typisch für den Menschen, der für alles Leid der Welt und auch für seine eigene Schuld die Begründung gern bei anderen sucht. Doch dieses Verhalten ist unlogisch, nutzlos und ruft nur erneut Unfliegen hervor. Wir müssen lernen, uns zu unserem Fehlverhalten, zu unserer Schuld zu bekennen. Dann zeigt uns Gott, dass er sich in Jesus Christus selbst zu unserem Sündenbock gemacht hat, indem der Sohn Gottes am Kreuz unsere Schuld sühnte. Welchen Sündenbock bevorzugen Sie für Ihre Mängel? Eltern, Lehrer, Kollegen, den Ehepartner? Wer dies im Glauben erfasst, hat es nicht mehr nötig, seine Mitmenschen zum Sündenbock zu machen.